Inside Chicago: Amerika will sich bedroht fühlen

kolumneInside Chicago: Amerika will sich bedroht fühlen

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Das Gebäude der "Chicago Tribune" in Chicago.

Kolumne von Florian Willershausen

Flüchtlingsdrama in Europa, Russlands Ukraine-Krieg, die Abwertung des Yuan – egal, welches Thema international gerade die Nachrichten beherrscht: die Amerikaner interessiert es nicht. Es sei denn, es betrifft sie.

Höflich sollte man zu seinem Gastgeber sein, darum beginne ich diesen Text mal mit einer positiven Bemerkung: Viele Klischees über die USA haben sich nicht bestätigt, seit ich hier vor knapp drei Wochen angekommen bin. Oberflächlich sind sie nicht, die Amis, weder in Washington, noch in Chicago und auch nicht auf dem Land. Kriminalität gibt es zwar, gerade hier in Chicago, aber sie konzentriert sich auf einzelne soziale Brennpunkte; die meisten Gegenden der Stadt kann ich betreten ohne erschossen oder ausgeraubt zu werden. Das miese Image wird dieser tollen Metropole nicht gerecht.

Eines aber stimmt vollkommen: Die Amerikaner interessieren sich erst einmal für sich selbst, dann für ihr Land – und dann kommt lange gar nichts. Flüchtlingskrise in Europa? Russlands Krieg im Osten der Ukraine? Abwertung des Yuan in China? Keines der internationalen Themen, die Medien im Rest der Welt rauf und runter spielen, zieht in den USA. Zwar hatte ich mit einer gewissen Selbstbezogenheit der Amerikaner gerechnet, nicht aber mit einer Ignoranz in diesem Ausmaß. In Amerika herrscht ein abgrundtiefes Desinteresse für die Welt da draußen.

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Sind die USA noch immer ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Sind die Amis tatsächlich so oberflächlich, wie andere behaupten? Glauben die echt, dass Hitler noch lebt? Unser Reporter erkundet die USA.

Chicago Tribune  Quelle: AP

Besonders zu spüren bekomme ich dies bei der Themensuche für den „Chicago Tribune“, wo ich für zwei Monate als Gastredakteur tätig bin. Die ersten beiden Wochen sind vorbei, noch immer habe ich keine Story veröffentlicht – und es liegt nicht an der Sprache, wie man mir versichert.

Ich schrieb ein Stück über die deutsche Energiewende, just als Obama seine Pläne zur Klimarettung vorstellte. Die Antwort: „too specific.“ Ein Kommentar zur Flüchtlingskrise in Europa: „Why should Chicagoan readers care?“ Daraufhin spitze ich den Beitrag auf letztere Frage hin zu mit dem Argument, das Drama sei eine Folge von Obamas fragwürdiger Politik in Syrien und Libyen. Die USA hätten in Syrien früher intervenieren und Libyen nicht den Rebellenhorden überlassen sollen, so meine Meinung. Ich hätte mich im Ton vergriffen, hieß es. Nun soll ich mich mit der US-Flüchtlingspolitik beschäftigen.

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