Internationaler Frauentag: Frauen können alles - natürlich nicht

KommentarInternationaler Frauentag: Frauen können alles - natürlich nicht

von Ferdinand Knauß

Anlässlich des "Internationaler Frauentages" fordert Telekom-Vorstandsmitglied Marion Schick wohlfeil den "Abschied vom Muttermythos". Als ob das noch nötig wäre.

Ob Quotendiskussion oder Rabenmütter - irgendwas mit Frauen ist gerade sehr beliebt bei der Political-Correctness-Bewegung. Und so wird auch der Internationale Frauentag als Anlass dafür genutzt, eifrig zahlreiche Beiträge zu dem Thema zu schreiben.

Der Handelsblatt-Korrespondent in Paris schreibt über "Verkannte Stärken" (gemeint sind die der deutschen Frauen) und hält uns die vielen Französinnen auf wichtigen Unternehmensposten vor, zumal die mit außereuropäischen Wurzeln. 22 Prozent in Frankreich gegen nur vier Prozent der Führungspositionen in Deutschland. "Man kann sich ausrechnen, welche Potenziale uns dadurch verloren gehen." Naja, die derzeitige Performance der französischen Wirtschaft ist nicht gerade vorbildlich. Es ist ein Mythos der Frauenpolitik, dass die Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsetagen zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen führe. Das soll nun nicht umgekehrt heißen, dass an der Misere der höhere Frauenanteil schuld ist. Die überstürzte Einführung einer Frauenquote in Norwegen zumindest scheint eher negative Folgen gehabt zu haben. Es gibt schlicht und einfach, wenn man die vorliegenden Untersuchungen betrachtet, keine Erkenntnisse darüber, dass die geschlechtliche Zusammensetzung der Führungsetagen irgendwie erfolgsrelevant wäre, wie eine Meta-Studie von Sabine Boerner von der Universität Konstanz gezeigt hat.

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Die "verlorenen Potenziale" kann man also gar nicht ausrechnen. Der geschlechtsneutrale Menschenverstand legt nahe, dass Frauen auch keine besseren Wirtschaftsführer sind. Dass sich dieser Mythos dennoch in Unternehmen, Politik und der ganzen Gesellschaft mittlerweile festgesetzt hat, ist einer der größten Erfolge der jahrzehntelangen Meinungsbildungsarbeit des Feminismus. Das Beratungsunternehmen McKinsey und andere haben mit gender-maingestreamten Auftragsstudien wie "Women Matter" an der Genese dieses Mythos großen Anteil.

Ein paar Seiten weiter im heutigen Handelsblatt fordert Telekom-Vorstandsmitglied Marion Schick den "Abschied vom Muttermythos". Dazu kaut sie - oder ihre Ghostwriterin - noch mal die altbekannte Behauptung durch, dass berufstätige Mütter in Deutschland als "Rabenmütter" diffamiert würden. Kind und Karriere sei in unserer Gesellschaft immer noch anrüchig. Warum wird diese Behauptung so hartnäckig immer wieder vertreten, ohne dass jemand widerspricht? Welche junge Mutter der Gegenwart hat je einen solchen Vorwurf gehört? Tatsächlich ist die Lebensrealität längst anders. Mütter, die nicht so schnell wie irgendwie möglich an den Schreibtisch zurückkehren, werden zumindest unter jüngeren Frauen ungläubig angeschaut. Eine aktuelle Untersuchung des Zukunftsforschers Horst Opaschowski bestätigt das: Über zwei Drittel der Bevölkerung finden es „ideal“, wenn in einer Familie „beide Partner berufstätig“ sind, wie Opaschowski und Ipsos auf repräsentativer Basis ermittelten.

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