Jobfrust: Warum montags alles noch schlimmer ist

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Jobfrust: Warum montags alles noch schlimmer ist

von Kerstin Dämon

Den "Mondayblues" gibt es wirklich: 85 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland starten mit schlechter Stimmung in eine neue Arbeitswoche. Woher der Montagsblues kommt - und wie Sie ihm entkommen.

Es ist sechs Uhr, vielleicht auch fünf oder halb acht, der Wecker klingelt. Und läutet damit das Unvermeidbare ein: Den Montag. Der Kopf warnt, dass kein Kaffee mehr im Haus ist, die Züge oder Autobahnen überfüllt und die Kollegen an der Arbeit mindestens so schlecht gelaunt sein werden, wie man selbst. Oder noch schlimmer – die widerlich gute Laune haben. An einem Montag!

Und schon ist die Laune im Keller, obwohl man noch nicht einmal den kleinen Zeh aus dem Bett bewegt hat. „Der Montagmorgen geht sogar schon am Sonntagabend los, wenn wir uns Sorgen machen, was uns auf der Arbeit alles erwartet“, sagt die Psychologin Ilona Bürgel. Und tatsächlich: 85 Prozent der Deutschen stehen montags mit mächtig schlechter Laune auf, wie die Studie "Arbeitsmotivation 2016" der ManpowerGroup Deutschland zeigt. Hinzu kommt die Montagsmüdigkeit: Wer sonntags bis um elf Uhr vormittags schläft, geht abends nicht um zehn ins Bett. Klingelt dann um sechs oder sieben der Wecker, kommt so mancher nur schwer aus den Federn.

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Die gängigste Strategie gegen Montagsfrust lautet Verdrängung. Um ihre Minidepression am Wochenanfang zu bekämpfen, verfahren 41 Prozent der Deutschen nach dem Motto: "Augen zu und durch". Fast jeder dritte (32 Prozent) Arbeitnehmer versucht es mit Ablenkung und macht am Wochenende einen großen Bogen um berufliche E-Mail-Accounts. Rund jeder Vierte (24 Prozent) setzt auf viel Schlaf und frühes Aufstehen am Montag, um sich langsam in die Woche vorzutasten.

So schlafen Sie besser ein und stehen morgens entspannter auf

  • Sport und Bewegung

    Auch wenn es schwer fallen mag: Wer sich vor dem Schlafen gehen an der frischen Luft bewegt, bekommt den Kopf frei und schläft besser ein und durch. Dafür reicht schon ein Spaziergang an der frischen Luft - es muss ja nicht gleich das Power-Workout-Programm sein.

  • Den Job Job sein lassen

    Guter Schlaf hat viel mit Abschalten zu tun. Also schalten Sie Diensthandy und E-Mails aus, sobald Sie nach Hause kommen und kümmern Sei sich um Ihre Lieben und sich - und nicht um den cholerischen Chef.

  • Zeit mit geliebten Menschen verbringen

    Apropos Ihre Lieben: Nachdem Sie die letzten acht bis zehn Stunden mit Kollegen und Chefs verbracht haben, die Sie sich nur indirekt aussuchen können, verbringen Sie abends Zeit mit Familie, Kindern, Freunden oder Ihrem Goldfisch. Hauptsache, es ist etwas Lebendiges, das Sie mögen. Das entspannt enorm und sorgt für einen anderen Blick auf den Tag. Zumindest, wenn Sie sich mit Menschen beschäftigen.

  • Tag Revue passieren lassen

    Manchen Menschen hilft es, vor dem Schlafen gehen zehn Minuten zu meditieren. Sollte Ihnen der Spiritismus abgehen, lassen Sie einfach den Tag noch einmal an Ihrem inneren Auge vorbei ziehen - und zwar nur die guten Dinge. Konzentrieren Sie sich auf das, was gut gelaufen ist.

  • Machen Sie eine to-do-Liste

    Bevor Sie sich ins Bett legen, tragen Sie kurz - schriftlich oder in Gedanken - zusammen, was Sie am nächsten Tag erwartet: Der Hund muss zum Tierarzt, Sie wollten Milch kaufen, den Müll runter tragen, die Präsentation fertig stellen und abends mit den Kollegen Fußball spielen. So klären sie Ihre Gedanken und schlafen besser ein.

  • Lesen Sie

    Statt zum Einschlafen Fern zu schauen oder sich auf dem Smartphone Youtube-Videos anzusehen, lesen Sie lieber ein Buch. Das ist gut für die grauen Zellen und müde macht es auch.

Trotzdem: Montags ist es besonders schlimm. Morgens kommt dann gerne noch der Ärger auf der Autobahn hinzu. Wer im Internet nach dem Schlagwort „road rage“ sucht, findet groteske Videos aus aller Welt, die Prügeleien auf offener Straße oder heftige Verbalattacken zeigen. Die Auslöser sind oft nur Kleinigkeiten: Abbiegen ohne Blinken, abruptes Bremsen und Gedrängel. Zwar greift nicht jeder gleich zur Waffe, aber Ärger im Straßenverkehr kennen die meisten. Der entsteht auch, weil vier von fünf Menschen glauben, dass sie die besseren Autofahrer sind – oder zumindest so gut fahren, wie der Durchschnitt. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

Entsprechend regen sich 47 Prozent am meisten über die anderen Autofahrer auf – man selbst ist schließlich perfekt. „Das Ziel ist immer, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Alles, was mich dabei aufhält, ist ein Ärgernis“, erklärt Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier dieses Phänomen gegenüber der dpa.

Dabei sei der ganze Stress ja eigentlich selbstgemacht, so Bürgel. Das gilt besonders, wenn es um die Arbeitsbelastung geht.

Mit wem wir uns im Beruf am häufigsten streiten

  • Die lieben Kollegen

    Je mehr ein Mensch mit einem anderen zu tun hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie aneinander geraten. Entsprechend gaben 37 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage "Streit - erfolgreich oder folgenreich" der IHK Frankfurt an, sich häufig mit Kollegen beziehungsweise Mitarbeitern zu streiten.

  • Der nervige Chef

    Mehr als ein Drittel gab an, sich häufig mit Führungskräften zu streiten.

  • Die "da oben"

    Ein Viertel sagte, dass sie häufig mit der Geschäftsleitung aneinander geraten.

  • König Kunde

    23 Prozent streiten sich häufig mit Kunden.

  • Zulieferer

    Bei 14 Prozent sind Zulieferer ein häufiger Streitgrund und -partner.

  • Diese Behörden...

    Elf Prozent streiten sich häufig mit Behörden, mit denen sie beruflich zu tun haben.

  • Partner

    Jeweils sieben Prozent gaben an, sich mit Gesellschaftern beziehungsweise Kooperationspartnern in die Haare zu kriegen.

  • Typisch Bank

    Nur drei Prozent geraten häufig mit Kapitalgebern und Banken aneinander.

Denn wenn wir ehrlich sind, hat es nie bessere Arbeitsbedingungen gegeben als heute. Selbst in der produzierenden Industrie oder bei der Müllabfuhr gebe es hohe Sicherheits- und Hygienestandards, wie Bürgel sagt. „Die Crux ist, dass Arbeit etwas ist, das wir müssen, während Freizeit etwas ist, was wir wollen.“ Montags heißt es also in unserem Gehirn: Tschüss, fröhliche Selbstbestimmung, hallo Sklaverei. Wer mit solchen Gedanken in den Tag startet, den erwischt der Montagsblues mit voller Wucht - selbst an einem Mittwoch.

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