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Kampf um Fachkräfte : Es wird Zeit für neue Job-Modelle!

von Silke Kersting Quelle: Handelsblatt Online

Für Deutschlands Unternehmen ist es eine riesige Herausforderung: Die Gesellschaft altert, die Zahl der qualifizierten Arbeitnehmer schrumpft. In den Personalabteilungen wird intensiv über neuen Ideen gebrütet.

In deutschen Unternehmen wird an neuen Arbeitsmodellen für qualifizierte Arbeitskräfte gearbeitet.
In deutschen Unternehmen wird an neuen Arbeitsmodellen für qualifizierte Arbeitskräfte gearbeitet.
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FrankfurtDer zunehmende Wettbewerb um Talente fördert in den Unternehmen die Einführung innovativer Arbeitszeitmodelle. Die Telekom etwa will verstärkt individuelle Angebote für zeitlich befristete Auszeiten vom Job schaffen, ohne dass das Gehalt in dieser Zeit auf Null sinkt. „Wir befinden uns mitten in einem Wandel der Arbeitskultur“, sagt Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger. Das Unternehmen will das neue Gesetz zur Familienpflegezeit als Modell auf andere Lebensbereiche erweitern – sei es für Sabbaticals, soziales Engagement, Familie sowie Weiterbildung und Studium.

Das Gesetz zur Familienpflegezeit war erst am 1.1.2012 in Kraft getreten, um Beruf und Pflege besser miteinander vereinbaren zu können: Beschäftigte können ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden reduzieren. Ihr Gehalt dagegen sinkt nur auf 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Sobald sie wieder voll arbeiten, bleibt ihr Gehalt bei 75 Prozent, bis der Vorschuss nachgearbeitet worden ist.

Die Familienpflegezeit ist allerdings eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und die Nachfrage ist bislang eher zurückhaltend. Die Telekom hat zwei konkrete Anfragen erhalten. Allerdings: „So ein Thema fräst sich langsam in die Unternehmen ein“, ist Sattelberger überzeugt. Es entwickele sich zwangsläufig, sobald es sich im Unternehmen herumspreche. Aufgrund des Alterungsprozesses der Gesellschaft sei klar: „Das Thema wird kommen.“

Zu den ersten Unternehmen, die die Familienpflegezeit anbieten, gehören neben der Telekom unter anderen auch die Deutsche Post, Airbus Deutschland, Lanxess und die die Georgsmarienhütte. Nach Angaben von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die am Montag in Berlin die Geschäftsführer beziehungsweise Vorstände der Unternehmen empfing, können in Deutschland insgesamt rund 300 000 Beschäftigte die neue Familienpflegezeit nutzen. Kleinere oder mittlere Unternehmen scheinen dagegen skeptisch zu sein. Sie fürchteten den mit der Familienpflegezeit verbundenen bürokratischen Aufwand, meint Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.


Suche nach gutem Personal dauert immer länger

„Immer mehr Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, dass ihre Beschäftigten die Pflege Angehöriger mit dem Beruf unter einen Hut bringen müssen“, sagte Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer, dem Handelsblatt.

Felix Osterheider, Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte, erwartet wie Telekom-Vorstand Sattelberger „eine gewisse Zeit, bis sich die Mitarbeiter dazu durchringen“, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Das Unternehmen habe sich jedoch dazu entschlossen, beim Angebot der Familienpflegezeit unter den Pionieren zu sein, um das Unternehmen für die Beschäftigen attraktiv zu halten.

Genau darum geht es für die Unternehmen: attraktiv für die Beschäftigten zu sein. Gerade in ländlichen Gebieten fällt es Unternehmen zunehmend schwer, geeignetes Personal zu finden. Aber auch große Konzerne können manche Stellen nur nach monatelanger Suche besetzen. Die Personalabteilungen müssen sich darum einiges für ihre Mitarbeiter einfallen lassen. Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger: „Mitarbeiter wollen heute selbstbestimmt und selbstbewusst mit Auszeit, Freizeit und Arbeitszeit umgehen“.

Er ist davon überzeugt, dass Auszeiten „frische Energie und neue Perspektiven ins Berufsleben bringen“. Weil die Mitarbeiter das Unternehmen nur übergangsweise verlassen würden, gehe ihr Know how nicht verloren. „Intelligente Finanzierungsmodelle“ sollten sicherstellen, „dass Auszeiten keine Frage des Geldbeutels sind“. Zunächst allerdings können nur Führungskräfte von den neuen Ideen profitieren. Bei den tariflich sowie außertariflich bezahlten Mitarbeiter ist die Zustimmung des Sozialpartners notwendig.

 

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