Karriere: Nur bestimmte Netzwerke nutzen Frauen etwas

Karriere: Nur bestimmte Netzwerke nutzen Frauen etwas

Art und Mitgliederstruktur eines Netzwerks sind erfolgsentscheidend: Besonders Frauen müssen hier sorgsam auswählen. Eine Studie zeigt: Die besten Karrierechancen haben sie, wenn die Teammitglieder sehr verschieden sind.

Vernetzen sich Frauen anders als Männer? Tatsächlich sind Frauen in flexiblen, durch Arbeit in Projekten und Teams gekennzeichneten Branchen beruflich weit weniger erfolgreich, wenn sie ihre Karriere in sehr festen und homogenen Netzwerken aufbauen; dagegen erhöht sich ihr Erfolg deutlich, wenn sie sich eher in offenen und heterogenen Gruppen bewegen – mit Menschen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen. In diesem Fall haben sie die gleichen Karrierechancen wie ihre männlichen Kollegen.

Dies zeigt eine Studie von Mark Lutter, Leiter der Forschungsgruppe „Transnationale Diffusion von Innovationen“ am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG). Am Beispiel des amerikanischen Schauspielermarktes belegt er einen in der Theorie schon lange vermuteten Zusammenhang: dass Frauen und Männer unterschiedliche Karriereerfolge haben, je nachdem in welche Beziehungsnetzwerke sie eingebunden sind.

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Wie klischeeartig sich Frauen und Männer im Job verhalten

  • Reden oder Rangeln

    Studien zeigen: Schon kleine Mädchen bevorzugen flache Hierarchien – keiner soll sein Gesicht verlieren. Chefinnen-Gehabe wird abgestraft. Jungs aber testen schon früh Hierarchien – und bleiben im Job dabei: Arbeit ist Wettkampf, Karriere heißt Konkurrenten killen.

  • Inhalte oder Machtrituale

    Viele Frauen lehnen Machtgerangel ab, streiten lieber um der Sache willen. Männer kämpfen oft nicht um Inhalte, sondern um die Deutungshoheit.

  • Feuerwehr oder Sicherheit

    Frauen landen oft entweder auf unwichtigen oder sehr wackeligen Stühlen, auf denen die Gefahr des Scheiterns besonders groß ist. Nicht, weil sie besonders gute Krisenmanager wären – sondern weil Männer Frauen eher ranlassen, wenn der Karren tief im Dreck steckt.

  • Zittern oder breite Brust

    Auch unfähige Männer treten oft mit breiter Brust auf. Fähige Frauen machen sich oft klein, nehmen Dinge persönlich, haben Angst vor zu viel Verantwortung.

„Die erfolgreiche Karriere von Frauen hält länger an, wenn sie überwiegend in Teams arbeiten, deren Mitglieder einander möglichst unähnlich sind“, stellt der Sozialwissenschaftler fest. Frauen profitieren dann von der Vielfalt und Offenheit ihrer Beziehungsnetzwerke. Die Karrierechancen von Schauspielerinnen etwa drohen zu sinken, wenn sie in homogenen Teams arbeiten. Weisen diese Netzwerke noch dazu einen hohen Anteil von Männern in Führungspositionen – Regisseure und Produzenten – auf, oder arbeiten Frauen in männlich dominierten Filmgenres, gilt dies umso mehr. Noch verstärkt wird dieser Effekt, wenn die Schauspielerinnen am Anfang ihrer Karriere stehen.

Für seine Studie analysierte Lutter berufliche Karrieredaten von etwa 100.000 Filmschaffenden in der US-amerikanischen Filmindustrie mit mehr als einer Million Engagements in nahezu 400.000 Filmproduktionen. Die Daten stammen aus der Internet Movie Database (IMDb), in der alle Filme erfasst sind, die seit Beginn der Kinematografie produziert wurden, sowie Informationen über alle daran beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler und die Netzwerke, in denen sie arbeiteten.

Um die engmaschigen Film-Netzwerke zu beschreiben, hat Lutter für alle Filmproduktionen mit einem Kohäsionsmaß den Anteil wiederholt auftretender Cliquen im Produktionsteam berechnet. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die häufiger in diesen kohäsiven Teams mit einem hohen Anteil wiederholt auftretender Cliquen arbeiteten, einen deutlich geringeren Karriereerfolg als Männer erzielten.

Darüber hinaus erfasste Lutter unter anderem mithilfe von Distanzmaßen die durchschnittliche Ähnlichkeit aller Teammitglieder, basierend auf den Erfahrungshintergründen aller Personen. Hier zeigte sich, dass Frauen ihre Karrieredauer erhöhten, wenn sie häufiger mit Menschen arbeiteten, die einander möglichst unähnlich waren, das Team also durch eine möglichst breite Personenvielfalt geprägt war.

„Im Vergleich zu Männern werden Frauen möglicherweise weit weniger stark durch Mentoren gefördert. Mit ihren beruflichen Netzwerken verfügen sie zudem über weniger Kontakte zu machtvollen Positionsträgern“, so Lutter. Damit werden sie in homogenen Netzen von wichtigen Informationsquellen über zukünftige Projekte ausgeschlossen. Andere Benachteiligungen von Frauen werden dadurch eher noch verstärkt.

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Dies gilt in besonderem Maß für Arbeitsmärkte, die auf Projektarbeit basieren und in denen Stellen eher über informelle Kanäle und persönliche Netzwerke vermittelt werden. „Statt sich also auf die Beziehungen in ihrem engeren Umfeld zu verlassen, sollten Frauen auf offene und heterogene Beziehungsnetze setzen“, so Lutter. „Insgesamt müssen sie bei Entscheidungen über zukünftige Projekte strategischer und überlegter handeln, um sich Karrierevorteile zu sichern.“

Lutter glaubt, dass seine Ergebnisse auch auf andere Arbeitsmärkte außerhalb der Filmwirtschaft anwendbar sind. „Arbeit findet heutzutage oftmals in Projektteams statt, die Filmwirtschaft ist hierfür ein Paradebeispiel“, erklärt Lutter. „Filmschaffende hangeln sich von Projekt zu Projekt, arbeiten für eine begrenzte Zeit zusammen und gehen danach wieder eigene Wege – so wie viele Freiberufler in den kreativen Berufen, aber eben auch viele Angestellte in großen Unternehmen.“

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