Karriere-Umfrage: Deutsche Unternehmen bieten schlechte Chancen

Karriere-Umfrage: Deutsche Unternehmen bieten schlechte Chancen

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Weniger als jeder Zweite sieht für sich im eigenen Unternehmen Aufstiegsmöglichkeiten.

Mit Mitte 20 in den Beruf einsteigen und ab da geht es nur noch nach oben? Mehr als die Hälfte der Deutschen ist sich laut einer Umfrage sicher: Bei ihrem Arbeitgeber bleiben sie bis 67 – aber Karriere machen sie nicht.

Jung, optimistisch, sucht: Wer unter 20 Jahre alt ist, glaubt ganz fest an die eigenen Karrieremöglichkeiten. Jedenfalls sind 66 Prozent der unter 20-Jährigen überzeugt, dass die Chefsessel in den Unternehmen auf sie warten, so die Jobstudie 2015 zu
Karriere und Wechselbereitschaft der Deutschen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Bis zum Alter von 40 Jahren hat der Optimismus dann schon spürbar nachgelassen: Nur noch 53 Prozent glauben dann noch an die eigenen Aufstiegschancen. Besonders pessimistisch sind die 51- bis 60-Jährigen mit 39 Prozent.

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Dabei wünscht sich fast die Hälfte der Deutschen, im eigenen Unternehmen aufsteigen zu können. Nicht jeder will gleich CEO werden, Abteilungsleiter oder Leiter eines bestimmten Projektes würde vielen schon genügen. Doch nur 41 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer sagen, dass sie bei ihrem Arbeitgeber auch die Chance dazu haben.

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Öffentlicher Dienst mit besten Aufstiegsmöglichkeiten
Der öffentliche Dienst bietet nach Auffassung der Befragten die besten Aufstiegsmöglichkeiten: Fast die Hälfte der Staatsdiener glaubt an die eigenen Aufstiegsmöglichkeiten. In der freien Wirtschaft (46 Prozent) und in Verbänden (38 Prozent) ist der Anteil geringer. Doch seltsamerweise wollen die wenigsten Befragten den Job wechseln. Auch die, die sich selbst keine Karrierechancen ausrechnen, bleiben ihrem Arbeitgeber treu. Nur jeder Fünfte würde für bessere Karrierechancen über einen Wechsel nachdenken.

12 Karriere-Mythen

  • Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

    Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

    Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

  • Ohne Doktortitel geht es nicht

    „Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

  • Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

    Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

  • Nur wer sich anpasst kommt weiter

    Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

  • Der MBA ist ein Karriere-Turbo

    Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

  • Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

    Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

  • Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

    Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

  • Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

    Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

  • Der erste Job muss der richtige sein

    Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

  • Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

    Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

  • Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

    Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

  • In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

    „In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

"Die Mitarbeiter setzen auf Sicherheit und meiden das Risiko eines Arbeitsplatzwechsels", sagt Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner bei EY.

So schätzen insgesamt fast neun von zehn Arbeitnehmern (87 Prozent) ihren Job als sicher ein, 42 Prozent sogar als sehr sicher. Lediglich 13 Prozent glauben, dass ihr Arbeitsplatz gefährdet ist.

Hohe Verbundenheit mit dem Arbeitgeber

Hinzu kommt: Die Deutschen sind ihrem Arbeitgeber treu. Laut der EY-Studie sagen drei von vier Arbeitnehmern, dass sie sich ihrem Arbeitgeber verbunden beziehungsweise sogar sehr eng verbunden fühlen. Am größten ist die Identifizierung mit dem Arbeitgeber in der Automobilindustrie. Jeder dritte Beschäftigte fühlt sich sehr eng mit dem Arbeitgeber verbunden. Dahinter folgen die Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft und im Maschinen- und Anlagenbau.

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In der Telekommunikation und IT ist der Anteil derer, die sich mit ihrem Arbeitgeber „sehr eng verbunden“ fühlen, dagegen am niedrigsten: Lediglich 15 Prozent antworteten dementsprechend. Gleichzeitig gibt es in keiner anderen Branche so einen hohen Anteil an Beschäftigten, die auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind: Etwas mehr als jeder Vierte (26 Prozent) schaut sich auf dem Arbeitsmarkt um.

Die Telekommunikations- und IT-Branche schneidet auch bei der gefühlten Arbeitsplatzsicherheit am schlechtesten ab. Nur einer von vier Arbeitnehmern (26 Prozent) schätzt seinen Arbeitsplatz als sicher ein. Im Handel ist der Anteil mit 28 Prozent nicht ganz so niedrig. In allen anderen Branchen hält mindestens ein Drittel den Arbeitsplatz für sicher.

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