Krawatte ja oder nein?: Die Dos und Don’ts beim Business-Outfit

Krawatte ja oder nein?: Die Dos und Don’ts beim Business-Outfit

Krawatten sind out, Anzüge verschwinden und mancher Manager kommt in Turnschuhen und mit Rucksack zum Meeting. Trotzdem ist es keine gute Idee, allzu leger ins Büro zu gehen. Worauf es beim Business-Outfit ankommt.

Der eine trägt auch privat gerne Hemd und Kragen, der andere bevorzugt Jogginghose und Hoodie. Über Geschmack lässt sich schließlich nicht streiten. Zumindest nicht in den eignen vier Wänden, beim Sport oder in der Fußgängerzone.

Anders sieht es dagegen aus, wenn das private Lieblingsoutfit ins Büro ausgeführt wird. Das kann nicht nur im Hochsommer Diskussionen geben, wenn die eine oder der andere zu viel Haut zeigt, auch im Herbst und Winter sollten Angestellte auf ihr Outfit achten. Zumindest dann, wenn das nicht ohnehin vorgegeben ist.

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Wer keinen Blaumann, OP-Kittel oder ähnliches tragen muss, dem sei gesagt: Nicht alles, was gefällt, ist auch eine gute Wahl. "Ein schlechter Eindruck, der durch ein unpassendes Outfit entsteht, lässt sich nur mühsam wieder korrigieren", sagt Olaf Kempin. Er ist Gründer und Mitinhaber des Personaldienstleisters univativ und weiß, dass sich vor allem Berufsanfänger mit der Kleiderfrage schwer tun. In der Ausbildung oder dem Studium war es schließlich mehrheitlich egal, was man trug.

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Das richtige Outfit für das Bewerbungsfoto und die perfekte Abendkleidung für das Essen mit dem Chef: Mit unseren Tipps tappen Sie im Beruf nicht in Modefettnäpfchen.

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Deshalb lautet sein Tipp für den Start ins Berufsleben - oder auch den ersten Tag im neuen Unternehmen: "Lieber zu viel Business als zu wenig." Denn in vielen Unternehmen sei der Dresscode nach außen hin nicht so leicht ersichtlich wie bei einer Bank oder einem Versicherer.

Wer sich unsicher sei, könne bei dem Unternehmen nachfragen. Hier bieten sich die neuen Kollegen, der neue Chef oder auch die Personalabteilung an.

Von Auszubildenden und Praktikanten werden meistens weder Krawatte noch Kostüm erwartet, so Kempin. Ein seriöses Business-Outfit, das den Gepflogenheiten der Branche entspricht, sollte es aber in jedem Fall sein.

So kleiden Sie sich richtig

  • Wie Sie stilsicher werden

    Wie kleidet man sich ordentlich? Dabei geht es um mehr als die Frage, ob mit oder ohne Krawatte. Welche Aussagen lassen sich durch welche Kleidung transportieren? Das ist keineswegs Jacke wie Hose. Ein Crashkurs.

  • It fits

    Im Englischen heißt es „it fits“, wenn etwas passt. Daher das Wort „Outfit“. Ihre Kleidung sollte in drei Kategorien passen: Dem Anlass entsprechend, dem Typ entsprechend und der individuellen Aussage entsprechend. Genau in der Schnittmenge liegt das für sie optimale Outfit.

  • Für Banken, Versicherungen, Rechtsabteilungen und Buchhaltung

    Anzug oder Kostüm sollten Werte wie Vertrauen und Sicherheit widerspiegeln. Das gilt auch für Mitarbeiter im Back-Office. Ein Ziel ist Understatement. Die Kleidung sollte modern und nicht bieder wirken; dunkle Business-Farben wirken am besten.

  • In Management, Controlling, Marketing und PR

    Es gilt, einen Tick schicker zu sein als im klassischen Business. Hosen mit Pullover gehen maximal in der Werbebranche. Ansonsten eher kompletter Hosenanzug oder Blazer-Hose-Kombi für Damen, Anzüge und Kombinationen für Herren. Anspruchsvoll, gehobene Qualität und dunklere Farben.

  • Im B2B

    Professioneller Look ist hier unabdingbar. Klassische Kostüme, Anzüge und Kombinationen in mittleren bis dunkleren Farbtönen. Farben dürfen nicht ins Auge springen, sollten aber modern sein.

  • In Kreativ-Jobs

    In der Werbung oder bei den Medien darf es bunter und ausdrucksstark zugehen. Hier ist Nähe angesagt und schwarze Kleidung ist da sehr hinderlich.

  • Große Männer brauchen Unterteilungen

    Für besonders große Männer empfehlen sich farbliche Unterteilungen. Also zum Beispiel blaue Hose oder roter Pullover. Das unterbricht die Größe und lässt Sie weniger lang wirken. Männer mit langen Beinen tragen am besten längere Jacken und Ärmel.

  • Kleine Männer eher eintönig

    Ist Ihr Körper insgesamt kurz, empfiehlt sich farblich Ton in Ton. Farbliche Unterteilungen würden die Kürze betonen. Haben Sie kurze Beine, sollten Sie von Hosenaufschlägen absehen – und auch davon, Ärmel aufzukrempeln.

  • Passend zum Typ

    Tiefsinnige und Kreative wollen sich ausdrücken. Die Erscheinung darf Außergewöhnliches bieten, also kreativer Kragen, Schmuck, extravagante Brille oder bunte Farben. Bodenständige Typen verwenden besser natürliche Materialien und Erdtöne. Dramatiker und Extrovertierte mögen vielleicht asymmetrisch geschnittene Kleidung – sie sollten dann aber darauf achten, dass sie niemals billig wirkt. Zu sportlichen Typen passen Blau und Grün.

  • Nicht nur beim Mann entscheidet die Figur

    Sollten Sie eine schlanke Frau sein und Kleidergröße 32 bis 34 tragen, sehen Röhrenjeans super aus. Ab Kleidergröße 40 sehen Sie mit ihnen dicker aus. Es liegt also stets an der Form ihres Körpers.

  • Rechteckige Figurform

    Sind Schulter, Taille und Hüfte gleich breit, empfiehlt sich eine gerade Hose oder ein gerader Rock.

  • Dreieckige Figurform

    Die Schulter ist schmaler als die Hüfte. Hier sollten Sie Hosen und Rücke in der sogenannten A-Linie mit kurzen Oberteilen kombinieren.

  • Umgekehrtes Dreieck

    Die Schulter ist breiter als die Hüfte: Hier empfehlen sich Caprihosen, Röhrenhosen und enge Röcke. Die schmalen Hosen lassen sich gut in Stiefel stecken.

  • Die Achter-Figur

    Die Figur ist wie eine 8 geformt. Sie ist eine sehr weibliche Figurform. Die Röcke sind konisch geschnitten, sie werden zum Knie hin schmaler. Passende Hosen sind Hosen in Bootcut-Schnitten.

Was die Farbwahl angeht, sind sowohl Berufseinsteiger als auch Experten mit gedeckten Farben besser bedient als mit einem fröhlichen neongrün oder einem verspielten rosa. Mit einem weißen oder hellblauen Hemd beziehungsweise einer weißen oder hellblauen Bluse kann niemand etwas falsch machen. dazu ein grauer, brauner, blauer oder schwarzer Anzug beziehungsweise ein Kostüm oder Hosenanzug - fertig ist der seriöse Ersteindruck. Jedenfalls, wenn dazu keine roten Turnschuhe oder Flipflops getragen werden.

Gerade für Männer gelten hier strenge Regeln. Für förmliche Situationen wie ein Bewerbungsgespräch sollten es auch klassische Anzugschuhe sein, am besten Modelle wie Oxford oder Budapester. Gürtel, Schuhe und Anzug sollten übrigens farblich zueinander passen. Rotes Hemd zu blauen Anzug mit grauem Gürtel und braunen Schuhe - das tut in den Augen weh.

Das bedeuten die verschiedenen Business-Dresscodes

  • Casual

    Bedeutet gehobene Freizeitkleidung, also: Baumwollhose, Polohemd, Jackett. Beim Business Casual putzen sich die Leute mehr heraus: Frauen tragen Kostüm oder Hosenanzug, nicht zu hohe Schuhabsätze, unsichtbare Zehen. Männer tragen eine Kombination, die Krawatte kann im Schrank bleiben.

  • Smart Casual

    Meist bei Einladungen nach der Arbeit. Konservativ: Er trägt Anzug, aber keine Brauntöne. Sie: Kostüm oder Hosenanzug, aber keine großen Handtaschen mit Schulterriemen. Einzig richtig: Clutchbags – kleine Handtäschchen ohne Riemen. Rocklänge: nie kürzer als eine Handbreit über dem Knie.

  • Informal

    Damen: halblange, elegante Kleider
    Herren: dunkelgraue oder schwarze Anzüge.

  • Black Tie

    Gerne zu Abendanlässen. Er: Smoking, Hemd mit Doppelmanschetten, Kummerbund und Einstecktuch, schwarze Fliege, schwarze Schuhe. Sie: schwarze lange Robe, Tasche (kleiner als der Kopf). Accessoires gerne farbig.

  • White Tie

    Er: Frack, weiße Weste mit tiefem Ausschnitt, Stehkragenhemd mit verdeckter Knopfleiste, weiße Fliege, Lackschuhe. Sie: bodenlanges Abendkleid in Schwarz, Weiß oder Grau (Schultern bei Ankunft bedeckt). Zum Ballkleid geschlossene Schuhe mit Seidenstrümpfen. Findet der Ball im Hochsommer statt, auch hohe Sandaletten – dann ohne Strümpfe.

  • Cocktail

    Zu eleganten Partys und Vernissagen ab 16 Uhr. Er: dunkler Anzug, Hose mit Bügelfalte, einfarbiges Hemd, dunkle Krawatte, lässiger Schnürschuh. Sie: das kleine Schwarze. Schultern, Dekolleté und Bein dürfen gezeigt werden.

  • Jacketts

    Werden oft falsch zugeknöpft. So ist es richtig: Zweireiher immer geschlossen. Sakko mit zwei Knöpfen: ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere. Drei-Knopf-Sakko: beide oberen Knöpfe zu oder nur der mittlere. Vier-Knopf-Sakko: die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe geschlossen. Fünf-Knopf-Sakko: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben zu. Frack: wird immer offen getragen. Weste: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben geschlossen.

  • Kurzarmhemden

    Unter Sakkos tabu! Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen. Richtig: Die Ärmel des Sakkos enden knapp über dem Handrücken, die Hemdmanschette schaut darunter einen Zentimeter heraus.

  • Einstecktuch

    Klassisch aus weißer Baumwolle, modern aus farbiger Seide oder Kashmir. Hat nie (!) dasselbe Muster wie die Krawatte, passt aber farblich dazu.

  • Krawatte

    Sie reicht exakt bis zur Gürtelschnalle, nicht länger, nicht kürzer. Der Knoten darf nie so dick werden, dass er den Kragen vom Hemd abdrückt.

  • Schuhe

    Ungepflegte Galoschen enttarnen jedes stilvolle Outfit als Verkleidung. Das Minimum ist ein Paar schwarzer Schnürschuhe aus Leder. Etwa ein Oxford – glatt mit schlichter Kappe. In Braun passt er auch zu Sportjacketts oder Tweedanzügen. Der Semi-Brogue eignet sich zu gemusterten Anzügen und weichen Stoffen. Auch er hat eine Kappe, die weist aber dezente Lochmuster wie beim Brogue auf. Der wird auch Budapester genannt und passt mit seinem typischen Lochmuster auf der geschwungenen Kappe und den Seitenflügeln zu Anzügen aller Art. Wirkt aber stets etwas konservativ.

Aber bevor sich nun die Männer über Mode-Gängelei beschweren: Bei Frauen wird immer noch stärker auf das Äußere geachtet, als bei Männern, so Kempin. "Zu viel sichtbare Weiblichkeit führt bei Personalern schnell zu Zweifeln an der Kompetenz der Bewerberin. Also beim Autobauer lieber im Hosenanzug mit hochgesteckten Haaren vorsprechen", sagt er.

Diese modische Zurückhaltung gilt übrigens auch beim Make-up, wie Sandra Brammer von Beauty Coach weiß. Kräftige Farben sind tabu, Lipgloss und dunkle Konturen eignen sich ebenso wenig wie Lidschatten mit Glitter oder in dunklen Farben.

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