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Leiharbeiter: IBM wird zum Prügelknaben

von Daniel Rettig

Einem Pressebericht zufolge plant der US-Technologiekonzern IBM eine Revolution der Arbeitswelt. Das Unternehmen will demnach nur noch wenige Festangestellte beschäftigen und stattdessen überwiegend auf freie Mitarbeiter setzen. Sollte sich der Bericht bewahrheiten, wird IBM zum Vorreiter einer neuen Entwicklung – die aber durchaus positive Aspekte hat.

Schlauer als der Mensch? IBMs Supercomputer Watson hat das Duell gegen die stärksten Kandidaten der US-Quizshow Jeopardy gewonnen.

Unternehmen haben zwei Möglichkeiten, auf Enthüllungen der Medien zu reagieren: Sie können sich entweder äußern – oder einfach schweigen. Es sieht so aus, als hätten sich die Verantwortlichen von IBM Deutschland für die zweite Alternative entschieden.

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"Revolution der Arbeitswelt"

IBM-Deutschlandzentrale in Ehingen Quelle: dpa
IBM-Deutschlandzentrale: Der US-Technologiekonzern plant 8000 von 20.000 Stellen abzubauen Quelle: dpa

Vor wenigen Tagen berichtete das Handelsblatt, dass der US-Technologiekonzern in Deutschland 8.000 von 20.000 Arbeitsplätzen abbauen will. Bislang hat IBM diese Meldung nicht kommentiert. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wiederum schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, IBM plane eine „Revolution in der Arbeitswelt“. Auch zu dieser Meldung schweigt das Unternehmen bislang – obwohl die Pläne durchaus dazu taugen, die Arbeitswelt nachhaltig zu verändern.

Apokalyptische Pläne

Der „Spiegel“ zitiert in seinem Artikel eine vertrauliche IBM-Präsentation mit dem Titel "Das Beschäftigungsmodell der Zukunft". Vereinfacht gesagt geht es darum, Tausende fester Arbeitsplätze abzubauen, lediglich eine Kernbelegschaft fest zu beschäftigen – und die meisten Spezialisten nur auf Projektbasis einzustellen. Wahlweise einige Tage, Wochen oder Monate.

Natürlich kommen im „Spiegel“-Bericht auch die Gewerkschaften zu Wort, für die solche Pläne einer Apokalypse gleichen. IBM sei dabei, die „Freiberuflichkeit zu pervertieren“ und „sich außerhalb dessen aufzustellen, was in dieser Gesellschaft als verantwortungsbewusst gilt“, wird Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder zitiert.

Solche Zitate zeugen nicht nur von rhetorischer Phantasie – sondern vor allem von bemerkenswerter Realitätsferne.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2012, 14:32 UhrAnonymer Benutzer: AndiDD

    @OLB

    Steinigen möchte ich Sie natürlich nicht, und interessanterweise trifft die Beschreibung, die Sie von sich geben, auch 1:1 auf mich zu. Dennoch sind meine Schlussfolgerungen anders als Ihre.
    Einerseits ist meine Lebensqualität (zu der nicht nur mein Einkommen zählt) als Freiberufler um Größenordnungen besser als die meiner fest angestellten Ex-Kollgen.

    Andererseits bin ich der Ansicht (und hier möge man MICH nicht steinigen), zu einer intellektuellen Elite in unserem Land zu gehören, die sich im unteren einstelligen Prozentbereich bewegen dürfte.

    Die Verallmeinerung meiner bzw. unser beider Lebensumstände auf die Gesamtgesellschaft scheint mir nicht nur gewagt sondern schlichtweg unzulässig. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: 95% der Deutschen sind zu dumm und/oder willensschwach, um dieses Leben erfolgreich zu führen. Dazu zählen auch und vielleicht sogar in besonderem Maße die so genannten "Leistungsträger" in unseren Unternehmen.

    Für all diese Menschen führt der so gepriesene Weg leicht ins Desater.

  • 11.02.2012, 12:51 UhrAnonymer Benutzer: OLB

    Beim besten Willen kann ich mich nicht der Meinung meiner Vor-Kommentatoren anschließen. Wieso äußern sich hierzu nur Personen, die keinerlei Bezug zum Thema haben? Auch glaube ich, eine wirklich qualifizierte Meinung abgeben zu können, bin ich doch seit weit mehr als 10 Jahren selbst einer der "pervertierten" in der "apokalyptischen" Arbeitswelt.
    Mehrfach habe ich vorher in Festanstellung gearbeitet und kann insofern auch diese Seite beurteilen. Auch komme ich tagtäglich mit den fest angestellten Kollegen in den verschiedensten Firmen in Kontakt und bin insofern auch noch heute über die - ketzerisch gesprochen - Probleme der Festanstellungen informiert.
    Freilich hatte ich in den ersten beiden Jahren meiner Freiberuflichkeit ab und an den Gedanken an die so oft zitierte Unsicherheit, das war jedoch aus jetziger Sicht unsinnig. In all den Jahren meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich nicht einen Tag ohne Auftrag verbracht, im Gegenteil, aktuell lehne ich pro Tag bis zu 30!!! Anfragen ab. Die Erfahrung zeigt: bin ich gut in dem was ich tue, brauche ich mir über meine Auslastung keine Gedanken zu machen und kann - auch entgegen der landläufigen Meinung - meine Wochenenden ebenso wie meine frei geplanten Urlaube genießen, bin sehr wohl gut abgesichert, auch, oder gerade weil ich mich selbst darum kümmern muss. Im Gegenteil, wenn ich beobachte, wie das freizeitliche Korsett meiner festangestellten Kollegen immer enger geschnallt wird, frage ich mich, wo noch die so gern zitierten Vorteile einer Festanstellung begraben liegen (offensichtlich sind sie jedenfalls nicht, weder in monetärer noch in sonstiger Hinsicht).Ich arbeite gern in meinem Beruf, weil es mir einfach Spass macht, tagtäglich mit neuen Aufgaben konfrontiert zu werden und meine Erfahrungen immer neu in den unterschiedlichen Projekten einzubringen.
    Man möge mich steinigeń für diese Meinung.
    OLB

  • 10.02.2012, 14:22 UhrAnonymer Benutzer: TseTse

    Mit den Freelancern, die ich kenne, möchte ich auf jeden Fall nicht tauschen, trotz ihrer teilweise sehr üppigen Tagessätze. Denn was mit den Tagessätzen nicht abgeglichen wird, ist die ständige Suche nach neuen Aufträgen, das Organisieren von Arbeitsmaterialien, Unterkünften, Versicherungen, etc. Wie schon vorher geschrieben ist dann Freizeit=Arbeitszeit. Ganz abgesehen von Familie oder Kauf einer ETW sind selbst Urlaube schwer zu planen. Die Freelancer selber wollen meist auch lieber eine Festanstellung.
    Das einzige was mit dieser neuen Arbeitswelt planbarer wird, sind ständig steigende Dividendenauszahlungen an Aktionäre. Es lebe der amerikanische Kapitalismus! Man kann nur hoffen, dass das Geschäft von IBM darunter leiden wird!

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