Literatur: Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft

Literatur: Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft

von Christopher Schwarz

Eine Managerin in einem deutschen Unternehmen hat - anonym - ein sehr lesenswertes Buch über ihr Arbeitsleben unter Männern geschrieben: "Ganz oben" sind die Männer unter sich und ohne Manieren.

„Männer und Frauen passen nicht zusammen“, hat Loriot gesagt. Das mag eine Übertreibung sein. Dass das Verhältnis der Geschlechter, um das Mindeste zu sagen, eine Quelle von peinlichen Missverständnissen ist, liegt indes auf der Hand. Ein Störfaktor ersten Ranges ist - naturgemäß - der Sex. Davon wissen nicht nur Journalistinnen ein Lied zu singen, die nachts an der Hotelbar von Politikern mit Herrenwitzen traktiert werden. Auch in den Chefetagen der Wirtschaft macht sich der kleine Unterschied immer wieder bemerkbar, womöglich gerade deshalb, weil sie weitgehend frauenfrei sind.

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Anonyma, Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft, C.H. Beck 2013

Anonyma, Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft, C.H. Beck 2013

Hässliche Frauen sind chancenlos

Die Topmanagerin eines großen deutschen Unternehmens, die anonym bleiben will, weil sie „negative Konsequenzen für ihre Karriere befürchtet“, hat jetzt unter dem Titel „Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft“ Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag zusammengetragen. Ihr Report fördert Erstaunliches zutage. Das fängt schon mit dem Äußeren an. Dass sie 1,75 cm groß, „nicht wirklich schlank“ sei, „kurz geschnittenes, dunkles Haar“ trage und im Ganzen nicht den „klassischen oder stereotypen Kategorien weiblicher Schönheit“ entspricht, verbucht die Autorin als ideale Aufstiegsvoraussetzung. Man traue ihr allein aufgrund ihrer körperlichen Präsenz zu, dass sie sich durchsetzen kann. Sie begegne männlichen Kollegen buchstäblich auf Augenhöhe, „ohne sie zu überragen“. Kurz: Sie falle auf, „ohne bei fremden Männern sofort das Interesse an ihr als Frau zu wecken“. Das ist entscheidend: Schöne Frauen, die Karriere machen wollen, sind genötigt, von Ihrer Schönheit abzulenken und ihre Kompetenz in den Vordergrund zu stellen. Schon deshalb weil man sie ihnen nicht zutraut. Hässliche, burschikos auftretende Frauen hingegen sind chancenlos, weil sie als potentieller Sexualpartner überhaupt nicht in Frage kommen. Kein Wunder, dass die Autorin auch den tüchtigsten attraktiven Blondinen nicht viel Hoffnung machen kann. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass man eigentlich als Frau ein Mann sein müsse, um in der deutschen Wirtschaft Karriere zu machen: „…doch man darf sich keinesfalls so verhalten wie ein Mann. Man muss es schaffen, als Frau geschlechtsneutral betrachtet zu werden und trotzdem die Kompetenzen, die man als Frau mitbringt, einzubringen. Dann kann es funktionieren.“

Wie und vor allem mit welchen Nebenfolgen es funktioniert, beschreibt die Autorin an einer Fülle von teilweise höchst amüsanten Beispielen. Ob es sich um den firmeneigenen Fahrdienst handelt, der immer wieder Gründe findet, weshalb kein Auto zur Verfügung steht, weil eine Topmanagerin im Weltbild der Fahrer nicht vorkommt, oder um die Sekretärin, der nicht so ohne weiteres zugemutet werden kann, dass sie der Chefin den Kaffee an den Schreibtisch bringt, während das bei einem männlichen Chef schon aufgrund der „natürlich Rangfolge“ überhaupt kein Problem ist: Stets beschreibt die Autorin mit Witz und  Ironie auch ihre eigenen Skrupel, die Chefrolle auszufüllen. Männer, heißt es an einer Stelle, hätten die Hierarchie verinnerlicht, „ich reflektiere sie andauernd“.

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