Männer in Teilzeit: Frauenquote geht nicht ohne Väter

Männer in Teilzeit: Frauenquote geht nicht ohne Väter

, aktualisiert 08. März 2016, 14:31 Uhr
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Die Hälfte der Väter wünscht sich kürzere oder flexiblere Arbeitszeiten.

von Miriam SchröderQuelle:Handelsblatt Online

Man wird nicht richtig ernst genommen, kriegt weniger Geld und unwichtigere Projekte: Mütter kennen das nur allzu gut. Doch wo bleiben die Väter? Mit der Teilzeit machen sie die gleichen Erfahrungen wie die Frauen.

BerlinNeulich bei einer Unternehmensberatung. Der Name tut nichts zur Sache. Es war eine der großen vier, aber die Szene könnte überall stattgefunden haben. Ein Kollege von Sonja Niemann war gerade zum Partner ernannt worden, er gab eine kleine Party. Irgendwann, es war nach 18 Uhr, trat einer der Senior Manager an ihn heran. Er würde jetzt gern gehen, sagte der junge Mann leise, seine Frau sei den ganzen Tag allein gewesen mit dem Baby. Als der Senior Manager weg war, wandte sich der Partner Beifall suchend an Niemann: „Der wollte zwei Monate Elternzeit haben! Ich hab ihm einen gegeben.“ Er lachte laut.

Niemann lachte nicht. Sie leerte ihr Sektglas und dachte an ihre Tochter, die krank im Bett lag, und an ihren Mann, der bei dem Kind war. Sie blickte sich um und sah wenig Frauen, und viele Männer, die scheinbar keine Eile hatten, nach Hause zu kommen – oder sich vielleicht auch bloß nicht trauten, das zu sagen.

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Wenn in Deutschland über Frauen in Führungspositionen diskutiert wird, kommt das Wort Mann selten vor. Wir reden über die Frauenquote, die Anerkennung von Teilzeit-Müttern und die Bezahlung von Erzieherinnen. Das ist alles richtig und wichtig. Aber genutzt hat es nicht viel. Vielleicht sollten wir mal über die Väter sprechen.

Seit die Regierung das Elterngeld eingeführt hat, bleiben immer mehr Männer nach der Geburt eines Kindes zu Hause. 2008 war erst jeder fünfte Vater eines Jahrgangs ein Elterngeldbezieher, 2013 war es fast jeder dritte. Doch die meisten kehren schnell in ihren Job zurück. Die Frauen beziehen länger Elterngeld: So gingen im ersten Quartal 2015 insgesamt 88 Prozent aller Leistungsbezüge an Mütter und nur zwölf Prozent an Väter.

„Such Dir einen Mann, der den Abwasch macht“, rät Facebook-Chefin Sheryl Sandberg den Frauen in ihrem Karriereratgeber „Lean in.“ Aber Chefärztinnen heiraten keine Pfleger, und Managerinnen keine Grundschullehrer, von denen es ohnehin nur sehr wenige gibt. Und so konkurrieren die berufstätigen Mütter im Büro mit Vätern, deren Frauen die eigene Karriere vernachlässigen, während sie selbst weiter 150 Prozent arbeiten.

Und das nicht nur, weil ihnen die Kinder zu Hause auf die Nerven gehen. Dem Väterbarometer zufolge, eine Umfrage des Familienministeriums in Zusammenarbeit mit Unternehmen, wünscht sich die Hälfte der Väter kürzere oder flexiblere Arbeitszeiten. Theoretisch bieten vier von fünf Arbeitgebern das auch an. In der Praxis aber machen die Männer jetzt die gleichen Erfahrungen mit der Teilzeit wie vor ihnen die Frauen: Man wird nicht so richtig ernst genommen, kriegt weniger Geld und unwichtigere Projekte. Das Kind wird zum Karrierekiller. Mütter kennen das nur allzu gut.


Spielzimmer für mitgebrachte Kinder

Volker Baisch, Gründer der Väter gGmbH, einer Beratungsfirma für Unternehmen, die familienfreundlich sein wollen, glaubt, dass mehr Männer in Teilzeit gehen würden, wenn sie einen gesetzlichen Anspruch auf die Rückkehr in den Vollzeitjob hätten. Ein entsprechendes Gesetz ist gerade im Arbeitsministerium in Vorbereitung.

Auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), die in diesen Tagen ihr zweites Kind erwartet, und deren Mann dann Elternzeit nehmen wird, rückt die Väter stärker in den Fokus. Das Elterngeld Plus gewährt seit Juli letzten Jahres länger Zuschüsse für Familien, wenn beide Elternteile nach der Geburt eines Kindes in Teilzeit arbeiten. „Die Eltern von heute wollen Familie partnerschaftlich leben“, sagt Volker Baisch. In den Unternehmen sei davon bisher nicht viel zu spüren - noch dominiere die Präsenzkultur und der Glaube daran, dass man Verantwortung nicht teilen kann.

Auch bei der Edding AG in Ahrensburg bei Hamburg arbeitet kein einziger Mann in Teilzeit. Aber einige gehen in Elternzeit. Der Leiter des Controllings wird für fünf Monate weg sein, obwohl der Jahresabschluss ansteht. Ein halbes Jahr nimmt sich der junge Mann, der sich um die Digitalisierung kümmert. Seine Frau arbeitet auch bei Edding und will zurück in ihren Job.

Per Ledermann, der Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens, erwartet von den Kollegen, dass sie die Auszeit gut vorbereiten. Dafür könnten sie Unterstützung erwarten, wenn sie wieder da sind. „Wenn wir die Väter verbrennen, gehen die Top-Leute weg. Ganz einfach“, sagt er. Er selbst hole seinen Jüngsten zweimal in der Woche vom Fußball ab. Als die ersten beiden Kinder klein waren, hätten seine Frau und er noch studiert. „Wir haben alles fair geteilt“, sagt er, und dass er die enge Bindung zu den Kindern sehr genossen habe.

Als das dritte kam, machte ihn sein Vater zum Chef. Seitdem leben die Ledermanns ein eher klassisches Modell - sie Lehrerin, er Top-Manager, wenn auch einer, der lieber früher nach Hause geht und dafür abends noch arbeitet oder am Wochenende reinkommt, auch mal gemeinsam mit dem Nachwuchs. Es gibt ein Spielzimmer bei Edding, in dem sich mitgebrachte Kinder aufhalten können und eine Notfallbetreuung bei Krankheit oder Kita-Streik.

Trotzdem beträgt die Frauenquote im Vorstand bei Edding null Prozent. Aber es gibt mehrere weibliche Führungskräfte auf Abteilungsebene. Zwei von ihnen arbeiten in Teilzeit. Das führe hin und wieder zu Unmut im Unternehmen, sagt Ledermann. Es sei Aufgabe des Chefs, immer wieder zu moderieren und zu erklären: „Nur, wenn wir solche Modelle möglich machen, haben wir die Möglichkeit, an hochqualifiziertes Personal zu kommen.“

Für den Berater Baisch sind die Teilzeit-Chefinnen so etwas wie der Schlüssel zu einem familienfreundlichen Betriebsumfeld. Niemand habe so viel Verständnis für einen Vater, der sich um seine Karriere und um seine Kinder kümmern will, wie eine berufstätige Mutter. Womit wir wieder bei den Frauen wären.

Quelle:  Handelsblatt Online
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