Manager als Künstler: "Machen Sie Ihr eigenes Ding"

InterviewManager als Künstler: "Machen Sie Ihr eigenes Ding"

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Miles Davis Mitte der 1950er Jahre.

Quelle: „Miles Davis by Palumbo“ von Tom Palumbo

von Kristin Schmidt

Für Manager gilt: eigene Ideen wagen statt auf Konformität setzen. Psychologe und Coach Roland Geschwill erklärt, was Manager von Künstlern wie Miles Davis lernen können und wie sie mit Kreativen im Team umgehen sollten.

WirtschaftsWoche Online: Herr Geschwill, wer ist Ihr Lieblingskünstler?
Roland Geschwill: Miles Davis,  legendärer Jazz-Trompeter und Komponist.

Sie sagen, Manager können von Künstlern lernen. Was können sich denn gestandene Führungspersönlichkeiten von Miles Davis abgucken?
Miles Davis zeichnete im Wesentlichen aus, dass er sein eigenes Ding machte. Wissen Sie, Jazz war in den Fünfzigerjahren eine sehr tradierte Musikrichtung und Davis hat ihn anschließend gleich dreimal revolutioniert. Vom klassischen Jazz zum Cool Jazz, der auf Improvisation beruhte. Dann hat er Elektronikelemente eingebaut. Und in den Achtzigerjahren den Jazz Richtung Pop weiterentwickelt.

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Roland Geschwill Quelle: PR

Roland Geschwill ist Psychologe und Ökonom. Er coacht Führungskräfte, hilft ihnen bei Konflikten und dabei, ihr Team zu entwickeln.

Bild: PR

Und was genau hilft das jetzt Managern?
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und dessen sollten sich die Manager bewusst werden. Es bringt ihnen nichts auf Konformität zu setzen, sie müssen neue, eigene  Ideen durchsetzen. Allianzchef Oliver Bäte zum Beispiel will eine neue Versicherungs-App auf den deutschen Markt bringen, die in Indien entwickelt wurde. Bei einem Autounfall macht der Kunde ein Foto vom Schaden, das sofort bei der Versicherung eingeht und als Grundlage des Gutachtens dient. Das würde Bürokratieabbau und Schnelligkeit bedeuten. Damit macht man sich im allerdings hierzulande im Konzern nicht nur Freunde. Miles Davis würde darauf wenig Rücksicht nehmen. Wenn die Idee gut war, setzte er sie um.

Aber ist es nicht auch Aufgabe der Top-Manager verschiedene Interessen auszuloten und dann zusammenzubringen?
Ja, natürlich. Aber es geht darum, dass die Manager ihre etablierten Denkmuster aufbrechen,  Visionen entwickeln. Meistens sind sie operativ sehr eingebunden. Manager müssen sich die Zeit nehmen über die großen, strategischen Herausforderungen nachzudenken. Künstler haben große Entwürfe, Manager brauchen sie.

Welche Führungspersönlichkeiten kennen Sie, die sich an Künstlern orientieren?
Steve Jobs war sehr stark mit der Musikszene weltweit verwoben verwoben und hat sich mit ihnen ausgetauscht. Er hatte z.B. eine langjährige Beziehung mit Joan Baez. Auch Reinhold Würth vom gleichnamigen Schraubenhersteller hat sich in  Künstlerwerkstätten angesehen, wie dort gearbeitet wird.

Mit welchem Ergebnis?
Künstler arbeiten ihre Aufgaben nicht nacheinander ab. Manchmal kommen sie nicht weiter, machen Pausen und widmen sich einer anderen Arbeit. Sie verwerfen fast fertige Lösungen und beginnen von neuem. Irgendwann kommt dann der Durchbruch. Würth hat dadurch gelernt, seinen Mitarbeitern gewisse Freiheiten einzuräumen und dass kreative Krisen durchaus zum Arbeitsleben dazugehören.

"Der Rhythmus der Innovation – Was Manager und Unternehmen von Jazzern und anderen Künstlern lernen können" Erscheinungstermin 14. Juli 2015, Preis: 39,99 Euro Quelle: PR

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Bild: PR

Warum passt das Konzept des Managers als Künstler ihrer Meinung nach so gut in unsere Zeit?
Im Moment sind alle auf der Suche nach Kreativität und Innovation. Das hat vor allem einen Grund. Die digitale Ökonomie wird immer mehr Routinearbeit überflüssig machen und Geld wird mit der Lösung von komplexen Aufgaben verdient werden. Viele Geschäftsmodelle werden neu entstehen. Vieles ist heute noch nicht vorhersehbar. Künstler sind besser in der Lage auf Unvorhergesehenes zu reagieren.

Die wirklich großen Künstler wandeln oft zwischen Genie und Wahnsinn. Will ich als Anleger oder Bankkunde so jemandem mein Geld anvertrauen?
Naja, gerade in der Musikwelt waren im vergangenen Jahrhundert viele Drogen oder Alkohol im Spiel.  Das ist inzwischen weniger geworden. Was aber wirklich vergleichbar ist, sind zum Teil die Persönlichkeitsstrukturen von Managern und Künstlern. Beide Gruppen haben im Spitzenbereich große Egos und sind in der Lage divergent zu denken.

Eine schwierige Aufgabe für Chefs.

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Wenn Sie Kreative einstellen statt glattgebügelter Einserkandidaten, ist es weitaus schwieriger diese zu führen. Strenge Vorgaben von oben nehmen sie als Einschränkung wahr. Sie brauchen Freiheiten. Läuft es mal nicht so rund, sollten Chefs sie nicht unter Ergebnisdruck setzen, sondern ihnen Zeit geben Dinge zu entwickeln. Sie arbeiten nach einem anderen Rhythmus.  Aber es macht auch Spaß mit ihnen zu arbeiten, weil sie interessante Persönlichkeiten sind, die zum Denken anregen, ungewöhnliche Perspektiven einnehmen.

Ganz ohne Kreativtechniken wie Brainstorming.
Ja. Mit solchen Techniken können sie Kreative jagen. Sie sind häufig Einzelkämpfer und können sich in der Gruppe oft  nicht optimal entfalten. Sie sehen solche Veranstaltungen im schlimmsten Fall als verschwendete Zeit. Im besten Fall als netten Informationsaustausch oder Plausch.  Leistung und Innovation erfolgte durch Einzelne.

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