Meinungsfreiheit im Job: Konflikte aushalten

ThemaBüro

Meinungsfreiheit im Job: Querdenker riskieren ihre Karriere

Konflikte aushalten

„In Deutschland gelten Ausdrücke wie Querdenken und Augenhöhe so lange als gut, bis sie praktiziert werden“, sagt Christian Scholz, Professor für Personalmanagement an der Universität des Saarlandes. Skandale wie Dieselgate hätten gezeigt, dass es an einer internen Diskussionskultur fehle. Scholz: „Viele Führungskräfte lassen nicht mit sich reden.“

Stattdessen kämpften viele Angestellte gedanklich weiter, stauten ihre Meinung auf, spitzten sie in ihren Köpfen zu – bis es aus ihnen herausbricht. Das wurde wohl auch James Damore zum Verhängnis. Statt mit seinen Vorgesetzten zu sprechen, stellte er seinen Aufsatz ins Intranet, von dort fand er den Weg in die Öffentlichkeit. Und aus einem unternehmensinternen Anliegen wurde eine internationale Affäre.

Offenbar versagte in seinem Fall aber auch die Führung von Google. „Quer- und Andersdenker sind gerade in aktuellen Zeiten wertvoll“, sagt Yasmin Mei-Yee Weiß, Professorin an der TH Nürnberg, „es ist jedoch weit verbreitet, dass Führungskräfte Querdenker unbewusst bekämpfen und gerade nicht fördern.“ Was sie stattdessen tun müssen? „Aufmerksam zuhören und ein hohes Maß an anderer Meinung zulassen“, sagt Weiß, „und Mitarbeiter ermutigen, kontroverse Ansichten an sie heranzutragen.“

Querdenker gesucht Bühne frei für die Unangepassten

In deutschen Führungsetagen herrscht zu viel Gleichheit. Das mag harmonisch sein, führt aber nicht zum Erfolg. Unternehmen brauchen mehr Querdenker – unangepasste Führungskräfte, die Gewohntes in Frage stellen.

Unternehmer brauchen mehr Mut. Quelle: Fotolia

Mit dieser Offenheit versucht auch Torsten Schneider, Personalchef der renommierten Anwaltskanzlei Luther in Köln, meinungsfreudigen Mitarbeitern zu begegnen. Als Führungskraft müsse er akzeptieren, dass viele Menschen privat kontroverse Meinungen haben und diese öffentlich äußern: „Ein Unternehmen muss eine ganze Menge aushalten“, sagt Schneider, „aber mir persönlich ist es lieber, mündige Mitarbeiter zu haben, die sich auch mal kritisch äußern. Dass diese Äußerungen auch abseitig sein könnten, gehört eben dazu.“

Nicht direkt kündigen

Als der frühere Werber Gerald Hensel den Text in seinem Blog veröffentlichte, hagelte es prompt Kritik – vor allem aus dem rechtspopulistischen Lager. Aber eben nicht nur auf den Privatmann Hensel, sondern auch auf seinen Arbeitgeber: „Besonders Kritiker der Idee nahmen uns in Mithaftung“, sagt Stefan Wegner.

Eigentlich ist der Managing Director der Agentur Scholz & Friends gerade im Schwarzwald im Urlaub. Für das Thema Meinungsfreiheit nimmt er sich trotzdem Zeit. Wegner fand Hensels Thema zwar relevant, aber seine Kommunikation falsch. „Ich hätte mir gewünscht, dass er uns vorher informiert hätte.“

Widerspruch Schleimer gefährden den Unternehmenserfolg

Schleimer gefährden den Erfolg ganzer Unternehmen. Doch manche Chefs scheinen immun gegen diese Spezies zu sein. Einige bevorzugen Ja-Sager ganz besonders, bestätigen Wissenschaftler.

Schleimer gefährden den Erfolg ganzer Unternehmen. Quelle: Getty Images

Für ihn und seine Führungsmannschaft war einerseits klar: „Wir können nicht Vielfalt predigen und dann keine Meinungsvielfalt zulassen.“ Andererseits hatten die privaten Ansichten des Mitarbeiters auch das Unternehmen in Bedrängnis gebracht. „Es wird immer eine Grauzone geben“, sagt Wegner, „das muss man als Unternehmen wissen.“

Bei Scholz & Friends soll ein solcher Eklat möglichst nicht noch einmal vorkommen. Gemeinsam hat man den Fall dort aufgearbeitet und verwendet ihn in hausinternen Weiterbildungen als Anschauungsmaterial. Die Faustregel: Gesellschaftliches und politisches Engagement ist grundsätzlich gerne gesehen. Wenn es die Geschäftsbereiche betrifft, sollte man die Chefs darüber informieren. Bei Bedenken wird der Einzelfall diskutiert.

Anzeige

Hat ein Mitarbeiter eine politische Meinung, die das Management nicht teilt, wird ihm nicht gekündigt. Man müsse mit den Leuten diskutieren und manchmal auch streiten, nur dann könne man sie auch überzeugen. Im Zweifel müsse man Konflikte aushalten. „Jemandem den Mund verbieten“, sagt Wegner, „ist immer falsch.“ Engagement ist grundsätzlich gerne gesehe

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%