MINT-Frühjahrsreport: Wirtschaft fehlen fast 240.500 Naturwissenschaftler

MINT-Frühjahrsreport: Wirtschaft fehlen fast 240.500 Naturwissenschaftler

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Neuer Höchststand: Noch nie fehlten so viele MINT-Kräfte wie heute.

Informatiker, Techniker, Naturwissenschaftler und Mathematiker sind heiß begehrt. Trotzdem fehlten nie so viele MINT-Kräfte wie heute. Es gibt einen Bereich, in dem der Mangel eklatant ist.

Der Mangel an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern in Deutschland hat ein Rekordhoch erreicht. Im April fehlten den Unternehmen 237.500 Arbeitskräfte im sogenannten MINT-Bereich - 38,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten MINT-Report hervor, der zweimal jährlich vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln) erstellt wird. Es sei der höchste Stand, seit Beginn der Erhebung 2011, hieß es. Fast 40 Prozent der fehlenden akademischen Kräfte macht der IT-Bereich aus.

„Die Engpässe würden deutlich höher ausfallen, wenn nicht ausländische Arbeitnehmer überproportional in diesem Feld arbeiten würden“, sagte der Vorstandschef der Initiative „MINT Zukunft schaffen“, Thomas Sattelberger.

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Seit 2013 sei die Beschäftigung von Ausländern in akademischen MINT-Berufen um 43 Prozent gestiegen - den größten Anteil daran machen indische Arbeitskräfte aus. Damit der Fachkräftemangel insgesamt nicht weiter ansteige, müsse die Zuwanderung gestärkt werden - etwa durch eine Talent Card, die es auch Nicht-Akademikern aus dem Ausland erlaube, sich in diesem Bereich auf dem deutschen Arbeitsmarkt umzuschauen.

Wo die Hürden für ein MINT-Studium besonders hoch sind und wo nicht

  • Bundesdurchschnitt

    Bei dem angeblichen Mangel an MINT-Kräften verwunderlich: Zum Wintersemester 2016/2017 sind deutschlandweit 41,4 Prozent aller Studiengänge aus dem Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften zulassungsbeschränkt. Heißt: Ohne einen bestimmten Notendurchschnitt im Abitur wird es mit dem naturwissenschaftlichen Studium nichts.

    Quelle: Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

  • Baden-Württemberg

    Wer in Baden-Württemberg ein Fach aus dem Bereich Mathematik oder Naturwissenschaften studieren möchte, braucht ein gutes Abiturzeugnis: 59,9 Prozent der Fächer haben einen NC.

  • Bayern

    Im Freistaat sind die Universitäten schon deutlich entspannter, wie die Daten des CHE zeigen: Nur 31,1 Prozent der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer haben einen NC.

  • Berlin

    Fast doppelt so viele NC-Fächer gibt es in der Bundeshauptstadt. In Berlin sind 58,5 Prozent der entsprechenden Studienfächer zulassungsbeschränkt.

  • Brandenburg

    Auch hier: Nebenan sin die Hürden mit einem NC-Anteil von 30,2 Prozent schon deutlich geringer. Angehende Mathematiker, Physiker, Chemiker oder Biologen mit eher schlechtem Abischnitt sollten es also lieber in Potsdam versuchen, als in Berlin.

  • Bremen

    Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil an Fächern mit NC in Bremen: 55,6 Prozent sind zulassungsbeschränkt.

  • Hamburg

    Hamburg hat den höchsten NC-Anteil bei naturwissenschaftlichen Studienfächern in ganz Deutschland: 92,1 Prozent der Fächer haben einem Numerus Clausus.

  • Hessen

    Wer Mathematik oder Naturwissenschaften studieren möchte, sollte sich statt in Hamburg besser an einer hessischen Universität einschreiben: Dort sind nur 28,1 Prozent der Fächer zulassungsbeschränkt.

  • Mecklenburg-Vorpommern

    Noch ein bisschen niedriger ist die Hürde in Mecklenburg-Vorpommern. Hier beträgt die NC-Quote 27,1 Prozent.

  • Niedersachsen

    59,7 Prozent der mathematisch/naturwissenschaftlichen Studienfächer sind in Niedersachsen zulassungsbeschränkt.

  • Nordrhein-Westfalen

    An den Unis in Nordrhein-Westfalen haben 41,2 Prozent der Fächer einen Numerus Clausus.

  • Rheinland-Pfalz

    In Rheinland-Pfalz ist der Zugang zu einem entsprechenden Studienfach dagegen am geringsten. Der Anteil an Zulassungsbeschränkungen liegt bei 17 Prozent.

  • Saarland

    Im Saarland gibt es auf 41,9 Prozent der Fächer aus dem MINT-Bereich einen NC.

  • Sachsen

    In Sachsen beträgt der Anteil dagegen nur 21 Prozent.

  • Sachsen-Anhalt

    Auch Sachsen-Anhalt ist mit 29,7 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt.

  • Schleswig-Holstein

    In Schleswig-Holstein beträgt der Anteil zulassungsbeschränkter Fächer 34,1 Prozent.

  • Thüringen

    In Thüringen haben 38 Prozent der MINT-Fächer einen NC.

Auch Flüchtlinge würden immer öfter im MINT-Bereich unter kommen, sagte Sattelberger. Derzeit seien es insgesamt rund 8000. Bei der Integration in den Arbeitsmarkt forderte der Vorstandschef unter anderem eine besser Sprachförderung und kritisierte: „Abschiebungen trotz Ausbildungsvertrag oder während eines Praktikums schreckt Betriebe davor ab, Asylbewerber oder Geduldete auszubilden.“

"Girls day alleine bringt es nicht"

Gehe es um technisch-naturwissenschaftliche Berufe, würden immer noch zu viele Mädchen und Frauen von Vorurteilen und gesellschaftlichen Rollenklischees gebremst werden. „Girls Days alleine bringen's nicht“, sagte Sattelberger.

Während der Studie zufolge die Zahl der MINT-Akademiker von 31,3 auf 35,1 Prozent stieg, ging die Quote der der 30- bis 34-Jährigen mit einer MINT-Ausbildung von 22,3 auf 18,8 Prozent zurück. Man brauche eine breitere Berufsorientierung an Schulen, sagte Sattelberger. Insgesamt gebe es 430 400 offene MINT-Stellen in 36 Berufskategorien.

Der MINT-Report entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“.

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