Mission Possible for Women in Space: Warum Deutschland eine Astronautin braucht

Mission Possible for Women in Space: Warum Deutschland eine Astronautin braucht

, aktualisiert 01. April 2016, 10:43 Uhr
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Die Mission „Deutschland sucht die erste deutsche Astronautin“ ist keine Casting-Show, sondern eine mehr als überfällige Initiative, um die männerdominante Raumfahrt-Welt etwas wach zu rütteln.

(Foto: HE Space Operations)

Quelle:Handelsblatt Online

Der zwölfte deutsche Mensch im All soll eine Frau sein, fordert die Initiative „Deutschland sucht die erste deutsche Astronautin“. Eine längst überfällige Mission um die männerdominante Raumfahrt-Welt wach zu rütteln.

Wie viele deutsche Frauen kennen Sie, die schon im Weltraum waren? Richtig, keine. Bisher haben es nämlich nur elf männliche Astronauten ins All geschafft. Zeit also, endlich auch eine Frau zu schicken. Dafür plädiert die Raumfahrt-Expertin Claudia Kessler mit ihrer Mission „Deutschland sucht die erste Astronautin“. Sie ist CEO einer Personalvermittlung für Spezialisten in der Raumfahrtindustrie und gründete das Netzwerk Women in Aerospace Europe (WIA), um Frauen dabei zu helfen, in der männerdominierten Branche Karriere zu machen. Für unser Businessnetzwerk Leader.In hat die Weltraum-Managerin, die selbst keine Astronautin werden konnte, diesen Gastbeitrag geschrieben.

„Hey, Himmel, nimm den Hut ab, ich bin auf dem Weg!“, das sagte die Russin Valentina Tereschkowa am 16. Juni 1963 kurz vor ihrem Flug als erste Frau ins All. Und wenn es uns gelingt in 2020 – 57 Jahre später – die erste deutsche Frau ins All zu schicken, dann sollte zumindest der deutsche Himmel seinen Hut abnehmen!

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Unsere Mission „Deutschland sucht die erste deutsche Astronautin“ ist keine „Casting“-Show, sondern eine mehr als überfällige Initiative, um die männerdominante Raumfahrt-Welt wach zu rütteln. Die deutsche Bevölkerung ist zu 51 Prozent weiblich, 52 Prozent aller Abiturientinnen sind weiblich, 52 Prozent aller Studenten sind weiblich, 45 Prozent aller Doktoranten sind weiblich – alle gesellschaftspolitischen und wirtschaftspolitischen Instanzen in Deutschland sind sich einig, dass wir die Frauen brauchen und fördern müssen, um unsere Zukunft als hoch technologisches Land zu sichern.

Aber auch die deutsche Wissenschaft hat ein hohes Interesse an Daten zu physiologischen, psychologischen und sozialen Anpassungen der Frau im All. Last but not least ist Deutschland der größte Beitragszahler des europäischen Anteils an der Internationalen Raumstation ISS! Da stellt sich einem doch irgendwann die Frage: Warum ist trotzdem noch keine deutsche Frau im All gewesen? Gibt es keine Frauen in Deutschland, die dazu fähig sind?

Mit der Initiative „Die Astronautin“ wollen wir verdeutlichen, dass es genügend qualifizierte deutsche Frauen gibt, die den Auswahlverfahren für Astronauten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Raumfahrt Agentur ESA genügen. Zweitens möchten wir zeigen, wie spannend – besonders für Frauen - Berufe in den naturwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Bereichen sind.

Seit Jahren lässt sich der Trend nicht aufhalten, dass Mädchen in den sogenannten MINT-Fächern immer weniger präsent sind. Sie zu begeistern, ist eine wichtige Aufgabe unserer Mission. China macht es uns vor! Die chinesische Astronautin Wang Yaping hat Millionen Schüler vor den Fernsehern fasziniert. Ihre Experimente wurden an rund 80.000 Schulen übertragen. Einige Schüler konnten der Astronautin direkt Fragen stellen. Unterrichtsstunden aus dem All, was kann spannender sein?

Durch „Die Astronautin“ erhalten wir den Impuls, nach dem die Wirtschaft seit Jahren sucht, um Mädchen für die „trockenen“ Fächer wie Mathematik, Chemie, Physik und technische Studienzweige zu begeistern. Nur ein Beispiel, um die Notwendigkeit zu verdeutlichen: In den Forschungsabteilungen der Autobranche sind nur acht Prozent Frauen! Der Nachwuchs in naturwissenschaftlichen und technischen Branchen wird generell dringend benötigt. Ohne die Frauen dafür zu begeistern, bekommen wir dieses Problem nicht gelöst. Schließlich sind wir in unserem Hochtechnologieland ohne Bodenschätze abhängig von der Ressource Mensch.


„Die Astronautin“: Zukunft möglich machen

Ich war noch keine 6 Jahre alt, als ich im Fernsehen den ersten Mann auf dem Mond landen sah. Das war für mich so überwältigend, dass ich Astronautin werden wollte. Aber leider habe ich es nicht geschafft. Als sich die Chance für mich ergab, mich als Astronautin zu bewerben, war ich gerade im Studium und eine Voraussetzung war ein abgeschlossenes Studium. Ich habe Raumfahrttechnik studiert und in der Raumfahrtbranche gearbeitet. Es war nicht immer leicht, sich als Frau in einer damals mehr, heute etwas weniger männerdominanten Branche durchzusetzen, aber ich habe es keinen Tag bereut, denn ich arbeite in einem absolut spannenden Gebiet.

Und ich bin überzeugt davon, dass es so viel mehr Frauen gibt, die sich in der Raumfahrt oder einer anderen technischen Branche durchsetzen können. Deshalb ist mir seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen, junge Frauen zu motivieren und zu stärken. Ein Schritt war, ein Netzwerk für Frauen in der Raumfahrt zu schaffen. 2009 gründeten die damalige ESA-Direktorin für bemannte Raumfahrt Simonetta di Pippo und ich den europäischen Verband „Women in Aerospace WIA“. Mittlerweile hat die Vereinigung 500 Frauen, davon knapp 30 Prozent Deutsche.

Mein Leitspruch ist: Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. Mit der Initiative „Die Astronautin“ wollen wir aktiv gestalten, was schon längst überfällig ist. Deshalb die große öffentliche Kampagne, denn es kann nicht sein, dass wir in Deutschland, in einem Land in dem Gleichberechtigung groß geschrieben wird, ein solches Missverhältnis wie elf männliche Astronauten und null Frauen akzeptieren. Und das hat mittlerweile ja auch die Politik erkannt.

Mit einer Frau ins Weltall schaffen wir nicht nur ein Vorbild, sondern die Wissenschaft erhält Daten über das Verhalten der Frau unter Schwerelosigkeit. So erhofft man sich auf dem medizinischen Sektor z.B. neue Erkenntnisse für die Oberflächenforschung der Haut, aber auch das Auge unterscheidet sich bei Frauen und Männern wesentlich. Zudem gibt es noch einen anderes interessantes Forschungsziel, die soziale Interaktion. Astronauten leben in einer Miniwelt, mit einer Minicrew und einer Miniprivatsphäre. Um die einwirkenden Stressfaktoren beurteilen zu können, ist die Wissenschaft dringend auf zusätzliche Daten zu den physiologischen, psychologischen und sozialen Anpassungen unter extremen Belastungen von Frauen im All angewiesen. Die deutsche Astronautin könnte hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Übrigens tauchten diesbezügliche Gender-Fragen bereits Anfang der siebziger Jahre auf.


Die Mission kostet circa 40 Millionen Euro

Unterstützt wird unsere Initiative von Professor Dr. Hanns-Christian Gunga, dem Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Psychologie der Charité Berlin – und darauf sind wir besonders stolz. Natürlich ist es kein leichter Weg und besonders auch ein teurer. Die Mission – von der Auswahl, Ausbildung bis zum Flug – kostet circa 40 Millionen Euro. Aber wir sind überzeugt davon, dass wir mit Sponsoren und Crowd-Funding das Geld zusammen bekommen. Schritt für Schritt.

Nun läuft erstmal bis Ende April die Bewerbungsfrist. Dann werden wir sehen wie viele Frauen sich gemeldet haben. Die 50 besten Kandidatinnen schicken wir dann in das psychologische Auswahlverfahren, das im DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtpsychologie in Hamburg durchgeführt wird. Hier werden Fähigkeiten wie mathematisch-logisches Denken, Merkfähigkeit, räumliche Orientierung, psychomotorische Koordination und Geschicklichkeit sowie Belastbarkeit abgeprüft.

Die zehn besten Kandidatinnen kommen dann in das medizinische Auswahlverfahren, das am Flugmedizinischen Zentrum des DLR in Köln durchgeführt wird. Eine Auswahlkommission von elf unabhängigen Personen wird dann die zwei Finalistinnen auswählen, die eine Ausbildung zur Astronautin im Sternenstädtchen bei Moskau machen werden. Das 18-Monatige Training soll ab Januar 2017 beginnen. Eine von ihnen soll bis 2020 ins All zur Internationalen Raumstation ISS fliegen und dort mindestens sieben Tage bleiben. Und wenn 2020 eine andere Frau an meiner Stelle ins All fliegt, dann erfüllt sich auch mein Raumfahrt-Traum und es zeigt, dass man auch auf der Erde zu den Sternen greifen kann.
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Über die Autorin:

Seit 2008 ist Claudia Kessler CEO von HE Space, einem Personaldienstleister für die Luft- und Raumfahrt, und eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der Branche. Sie ist diplomierte Ingenieurin für Luft- und Raumfahrt, hat einen Master in Business Administration und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Space Business. Kessler gründete Women in Aerospace Europe (WIA) um weiblichen Fachkräften in Führungspositionen bei der Karriereentwicklung ein Netzwerk zu bieten. Sie ist stellvertretende Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt DGLR und unter anderem Mitglied des internationalen Aufsichtsrats der Helmholtz Stiftung.

Über Leader.In:

Diskutieren Sie diesen Beitrag auch in unserer Linkedin-Gruppe Leader.In; einem Businessnetzwerk mit dem Ziel, Female Leadership in Politik und Wirtschaft zu fördern sowie erfolgreiche Frauen und einflussreiche Männer zu vernetzen, um die Innovations- und Wirtschaftskraft Deutschlands zu stärken. Sie erhalten dort außerdem aktuelle Informationen und Tipps zum Thema Frauen in Führung und sind herzlich zum Austausch darüber eingeladen. Leader.In ist eine Kooperation des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zusammen mit dem Medienpartner Handelsblatt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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