Mitarbeitermotivation: 23 Millionen schieben Dienst nach Vorschrift

Mitarbeitermotivation: 23 Millionen schieben Dienst nach Vorschrift

Bild vergrößern

Bei vielen Mitarbeitern führt geringe Wertschätzung zu Demotivation.

von Claudia Tödtmann

Die neue Gallup-Studie belegt, dass den Unternehmen 99 Milliarden Euro Umsatz durch die Lappen gehen, weil sie den Faktor Mensch gering schätzen und ihre Leute nicht richtig motivieren. Ein teurer Manager-Fehler.

Die Deutschen arbeiten gerne. Wer morgen aufhören könnte zu arbeiten, weil er über Nacht reich geworden ist, würde in den meisten Fällen trotzdem weiterhin seinen Job machen. Zumindest sagten das 74 Prozent der vom Marktforscher Gallup befragten

1.429 Beschäftigten. 66 Prozent von ihnen freuen sich schon morgens beim Aufstehen auf den Tag. Doch so gut sich diese Ergebnisse lesen, so bitter ist eine andere Erkenntnis der Studie: Nur 16 Prozent der Belegschaften sind mit Herz und Hand bei ihrem Job. Sie sind diejenigen, die die Extra-Meile für ihre Firma gehen und die sich jedes Unternehmen wünscht.

Anzeige

Demgegenüber stehen nochmal 16 Prozent, die gar keine emotionale Bindung zu ihrer Firma haben und denen das Schicksal der Firma letztlich gleichgültig ist.

Was Unternehmen tun können, um ihre Mitarbeiter zu motivieren

  • Gutscheine

    Um den Mitarbeitern am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche zu bescheren, müssen nicht gleich Millionenbeträge über die Theke wandern. Stattdessen freuen sich Mitarbeiter auch über Gutscheine, mit denen sie laufende Kosten wie Benzin oder Essen

    Finanzieren können. Tankstellen- oder Einkaufsgutscheine mit bis zu 44 Euro im Monat kann der Arbeitgeber zudem steuerlich absetzen. Auch Essensgutscheine bis zu 1.342 Euro im Jahr sind für die Chefetage abgabenfrei und kommen bei den Mitarbeitern ohne

    Abzüge von Steuern und Sozialabgaben an.

  • Personalrabatte

    Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern auch Personalrabatte gewähren. Bis zu 1.080 Euro im Jahr sind hier ohne Probleme möglich. Unabhängig davon, dass der Mitarbeiter geringere Ausgaben hat, fährt der Arbeitgeber ja dadurch dennoch Umsätze ein: Eine Win‐win-Situation auf der ganzen Linie also.

  • Darlehen

    Auch zinslose oder zinsgünstige Darlehen erfreuen sich bei den Arbeitnehmern zunehmender Beliebtheit. Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens Tower Watson sind Arbeitgeberdarlehen auf Platz zwei der beliebtesten betrieblichen Zusatzleistungen. Diese können mit bis zu 2.600 Euro Zinsvorteil an die Mitarbeiter herausgegeben werden.

  • Urlaubsbeihilfe

    Der Urlaub ist für jeden Mitarbeiter essentiell. Hier wird neue Kraft getankt, um anschließend wieder frisch und motiviert ans Werk gehen zu können. Wie schön ist es dann also, wenn der Arbeitgeber hier auch noch aktiv unter die Arme greift? Je nach Familienstand können sich Arbeitgeber mit bis zu 364 Euro im Jahr an den Urlaubskosten ihrer Mitarbeiter beteiligen. Über den ein oder anderen Cocktail extra braucht man sich dann schon mal keine Gedanken mehr zu machen.

  • Direktversicherungen und Pensionskassen

    Auch Porsche sieht den Wert der Altersvorsorge: 700 Euro pro Mitarbeiter fließen von der Prämienzahlung direkt in die persönliche Altersvorsorge. Aber kleinere Unternehmen können ihren Mitarbeitern ebenso helfen, für das Alter vorzusorgen, indem sie Direktversicherungen, eine betriebliche Altersvorsorge oder Pensionskassen und –fonds für sie anlegen. Dies macht sich nicht so unmittelbar im Geldbeutel bemerkbar wie Gutscheine oder ein Darlehen. Allerdings gibt es den Mitarbeitern Sicherheit und zeigt, dass der Arbeitgeber daran interessiert ist seine Mitarbeiter auch nach ihrer aktiven Zeit im Unternehmen gut zu versorgen.

  • Familienfreundlichkeit und Zuschüsse

    Familienfreundliche Arbeitgeber sind schwer im Kommen! Eine Umfrage des Anbieters für betriebliche Sozialleistungen und Incentives Sodexo ergab, dass 80 Prozent der deutschen Arbeitnehmer die Work-Life-Balance wichtig finden und 77 Prozent ergeht es ebenso bei der Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers. Den Arbeitnehmern wird also zunehmend wichtiger, dass auch der Arbeitgeber ihre persönlichen Werte teilt. Familienfreundliche Arbeitszeiten oder ein Kindergartenzuschuss sind da schon ein sehr guter

    Anfang.

  • Diensthandy für private Nutzung

    Ohne Smartphone und Laptop geht es heute in den meisten Berufen kaum noch. Wenn die Mitarbeiter also ohnehin dieses Equipment, in der Regel mit einer Flatrate, zu Verfügung gestellt bekommen, warum dann nicht die Nutzung gleich ausweiten? Wenn die Mitarbeiter ganz offiziell ihre Arbeitsgeräte für den privaten Alltag verwenden können, verringern sich ihre eigenen Mobilfunkkosten und der Arbeitgeber zahlt auch nicht mehr als für die geschäftliche Nutzung.

Ebenso unerfreulich auch diese Erkenntnis: 68 Prozent der Mitarbeiter haben „nur eine geringe emotionale Bindung“ an ihr Unternehmen. Das bedeutet: die große Masse der Belegschaften – hochgerechnet immerhin 23,1 Millionen Arbeitnehmer – liefern nicht den höchstmöglichen Einsatz. Die Folge: Die Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift, wodurch der deutschen Wirtschaft bis zu 99 Milliarden Euro an Produktivitätseinbußen verloren gehen.

Weitere Artikel

Die Gründe für die mangelnde Leidenschaft hat Gallup ebenfalls untersucht. Nicht nachvollziehbare Beförderungspraxis, Führungskräfte ohne Führungstalent, keine Hinterfragen der eigenen Führung, Fremd- und Selbstbild der Vorgesetzten klaffen auseinander. Kurz: „Das Problem ist hausgemacht,“ so Marco Nink, Experte von Gallup. So sind beispielsweise 66 Prozent der Arbeitnehmer davon überzeugt, dass Leistung sich in ihrem Unternehmen nicht lohnt, weil es dafür weder Lob und Anerkennung, noch mehr Geld oder eine Beförderung gibt. Außerdem mangelt es an Feedback beziehungsweise an der Kommunikation im Allgemeinen: Weniger als die Hälfte der Befragten sagte, dass in den letzten sechs Monaten ein Gespräch mit ihrer Führungskraft stattgefunden hat.

Nink: „Mitarbeiter haben durch Gespräche das Gefühl, dass ihnen Aufmerksamkeit entgegengebracht wird und sie im Mittelpunkt stehen.“ Und weiter: „Menschen werden lieber kritisiert als ignoriert.“

Anzeige
Jobletter:Der exklusive Jobservice für Juristen
Jobletter-Bild

Der WirtschaftsWoche-Jobletter schickt Ihnen wöchentlich alle Stellenangebote zu, die Ihrem Profil entsprechen. Mehr...

STELLENMARKT


Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die wiwo-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer
My Best Company:Den passenden Arbeitgeber finden

Werden Sie initiativ! Hier finden Sie die Firmen, bei denen Sie sich initiativ bewerben können. Mehr...

Siedler Online
Anno Online
Eine neue Welt: Länder entdecken, Grenzen erweitern, Wirtschaft optimieren.

Testen Sie jetzt Ihr Handelsgeschick in der Welt von Anno Online.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%