Pausder auf den Punkt: Erzieher brauchen mehr Geld - und eine Männerquote

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Männliche Erzieher sind eher eine Seltenheit.

Kolumne von Verena Pausder

Es gibt Vieles, worüber wir Deutschen uns aufregen: das Wetter, die Politiker, Fußball oder das Fernsehprogramm. Höchste Zeit, dass die miese Bezahlung für Erzieher dazu kommt – und dass dies fast nur Frauen sind.

Ich bin Start-Up-Unternehmerin. Heute möchte ich mich aber – als Mutter zweier kleiner Jungs -  so richtig über ein anderes Thema aufregen, als dies Gründer normalerweise tun.

Was ist für Eltern das Wichtigste auf der Welt? Das Wohlergehen, die Gesundheit, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder. Wer hilft ihnen, dies zu gewährleisten? Gelegentlich Großeltern, andere Verwandte und Freunde.

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Ach ja - und die Erzieher in der Kita und im Kindergarten. Jeden Tag. Und was ist uns diese Hilfe als Eltern und Gesellschaft wert? Emotional viel. Faktisch sehr, sehr wenig.

Bildungspolitik Macht die Kitas besser!

Deutschland soll mehr Geld in Bildung investieren. Dabei ist Geld gar nicht das Problem: Die Mittel müssten besser verteilt werden – in Kitas statt Universitäten.

Investitionen in Kitas lohnen sich Quelle: dpa Picture-Alliance

Tatsächlich verdienen Erzieher mit oder ohne Studium im Schnitt nicht mehr als 1800 Euro brutto im Monat.  Das sind ungefähr 1200 Euro netto.

Und darüber kann ich mich richtig aufregen. Wie kann es sein, dass in unserem Land, welches wenig Bodenschätze, Fachkräfte und Kinder hat und in dem Bildung ein Kern-Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft ist, Menschen, die unsere Kinder betreuen, so wenig Geld dafür erhalten.

Hochschulprofessoren verdienen ein Vielfaches dessen, was ein Erzieher auf dem Lohnauszug hat. Warum eigentlich? Wissen wir nicht längst alle, dass die jungen Jahre eines Menschen die wertvollste und beste Zeit sind, um ihn in sozialer und geistiger Hinsicht auf das Leben vorzubereiten? Aber wie wollen wir mehr Menschen dazu bringen, Erzieher zu werden, wenn wir sie schlecht bezahlen und dem Berufsbild so wenig Wertschätzung entgegenbringen?

Lobby für Bildungs- und Erziehungsberufe

Es ist höchste Zeit für eine echte Lobby für Bildungs- und Erziehungsberufe in Deutschland. In Kanada sind Erzieher und Lehrer so gut angesehen wie Ärzte. Singapur hat das Bildungssystem revolutioniert, in dem es ein High-Potential-Programm in den Lehrer- und Erzieher-Studiengängen eingeführt hat. 

Wir haben das irgendwie noch nicht so richtig verstanden.

Wir bauen brav eine Kita nach der anderen und denken, damit sei unsere Mission erfüllt. Das Problem ist, dass wir die Menschen vergessen haben, die in diesen Einrichtungen arbeiten.

Und noch etwas haben wir übersehen: Warum gibt es eigentlich so wenig männliche Erzieher? Und warum stört das keinen?

Männerquote für Kitas

Ich bin keine Quoten-Befürworterin, aber heute spreche ich mich laut und deutlich für eine Männerquote in Kitas und Kindergärten aus. Nehmen wir doch 30 Prozent, das kennen wir ja schon. Mir ist es sehr wichtig, dass unsere Kinder, nicht nur von Frauen aufgezogen werden, sondern schon früh männliche Prägung erfahren, auch außerhalb der eigenen Familie. Und das sage ich nicht, weil ich zwei kleine Jungs habe. Das gilt in gleichem Maße für Mädchen. Das hat doch sonst nichts mit dem echten Leben zu tun.

Damit aber überhaupt mehr Frauen und Männer Lust bekommen, Erzieher zu werden und sich in dem Bereich weiterzuentwickeln, müssen wir anerkennen, dass sie neben Programmierern und Ingenieuren die Superstars unserer Zukunft sein werden. Und als solche sollten wir sie ausbilden und behandeln.

Daher appelliere ich an all uns Eltern, die sich in einem "wichtigen" Beruf fühlen:

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Wann haben wir zum letzten Mal die Erzieher unseres Kindes als echten Profi auf ihrem Gebiet wahrgenommen und sie um Rat gefragt? Wann haben wir uns das letzte Mal für ihre Unterstützung, Arbeit und Fürsorge bedankt? Und wann fangen wir endlich an, diesen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und hören auf, sie zu maßregeln, belehren oder sie nicht ernst zu nehmen.

Gehälter verändern sich nicht über Nacht. Unsere Einstellung schon.

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