Pendler: Das schlimmste am Job ist der Arbeitsweg

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Pendler: Das schlimmste am Job ist der Arbeitsweg

Viele Deutsche sind mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden, zeigt eine Studie des Bundesarbeitsministeriums. Doch häufig liegt es nicht am Job selbst, sondern am Standort. Welche Konsequenzen das für Arbeitgeber hat.

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Wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers: Der Standort

Die Deutschen sind unzufrieden mit ihrem Job und mit ihrer Arbeitssituation im Allgemeinen: Zu viel Stress, zu wenig Geld, zu wenig Flexibilität. In den Augen der Befragten hat sich seit den Neunzigerjahren die reale Arbeitswelt immer weiter vom Ideal des Wünschenswerten entfernt.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Dienstag auf einer Konferenz unter dem Motto „Arbeit 4.0“ zur Zukunft der Arbeit vorgestellt hat. Ihre Lösung: mehr Flexibilität, mehr Home Office, ein Recht auf Weiterbildung und ein Recht auf Rückkehr in die frühere Arbeitszeit nach einer Teilzeit-Phase.

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Eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Ralf unter 5000 Beschäftigten in fünf europäischen Ländern zeigt jedoch: Es sind nicht nur mangelnde Work-Life-Balance und fehlende Flexibilität, die den Deutschen aufs Gemüt schlagen.

Andrea Nahles "Keine Denke von gestern, bitte"

Gut die Hälfte der Deutschen ist mit ihrer Jobsituation unzufrieden, wie das Bundesarbeitsministerium herausgefunden hat. Im Interview mit uns spricht Arbeitsministerin Nahles über ihre Pläne für die Zukunft der Arbeit.

Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles Quelle: Werner Schuering für WirtschaftsWoche

Der Großteil ist vielmehr genervt vom Pendeln. Den 1000 Befragten aus Deutschland war bei einer neuen Stelle die Work-Life-Balance weniger wichtig als Standort, Karrieremöglichkeiten und Branche.

Besonders im europäischen Vergleich fällt das als Besonderheit der Deutschen auf: Die britischen Umfrageteilnehmer stimmten zu 50 Prozent für mehr Gehalt und zu 49 Prozent für eine bessere Work-Life-Balance.

"Viele Kandidaten nehmen den derzeitigen Arbeitsmarkt als einen Arbeitnehmermarkt mit hervorragenden Karrierechancen wahr", sagt Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half. "Die Arbeitnehmer sind daher offener, einen neuen Job zu suchen, bei dem sie möglicherweise mehr Karrierepotenzial sehen oder ihnen weitere Vorteile wie ein verkürzter Arbeitsweg winken."

Pendler sind immer länger unterwegs

Heißt: Wer keine Lust mehr hat, täglich seine Lebenszeit auf der Autobahn oder in überfüllten Zügen und Straßenbahnen zu verbringen, schaut sich nach einem neuen Job um, der mit weniger Pendelei verbunden ist.

Laut der Arbeitsmarktstudie überlegen insgesamt 79 Prozent der befragten Deutschen, sich im Laufe des nächsten Jahres einen neuen Arbeitgeber zu suchen.

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Einen, der gut erreichbar ist beziehungsweise an einem attraktiven Standort liegt. Verständlich, wenn man sich die Zahlen der Pendler anschaut: Ein Viertel der Erwerbstätigen ist morgens 30 Minuten oder länger unterwegs, jeder Zwanzigste fährt mindestens eine Stunde Bahn, Bus oder Auto. In weniger als zehn Minuten bei der Arbeit sind nur 27,2 Prozent.

Da ist es kein Wunder, dass eines der Studienergebnisse von Frau Nahles ist, dass viele gerne häufiger im Home Office arbeiten würden. Schließlich bleibt dann einfach mehr Zeit vom Tag übrig.

"Die Technik bietet inzwischen immer mehr Möglichkeiten, zeitlich und räumlich flexibel zu arbeiten", sagt Nahles. Und wünscht sich, dass Mitarbeiter in Deutschland davon auch profitieren können. Fragt sich nur, ob die Unternehmen da mitspielen.

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