Perfektionisten gesucht: IT-Firmen wollen Autisten

Perfektionisten gesucht: IT-Firmen wollen Autisten

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Der Softwarekonzern SAP will in den kommenden Jahren Hunderte Autisten zu Softwaretestern und Programmierern ausbilden. Bis 2020 sollen ein Prozent der weltweit zuletzt rund 65.000 Mitarbeiter von SAP Menschen mit autistischer Störung sein.

Sie sind detailverliebt, supergenau und teilweise hochspezialisiert - die perfekten Fehlersucher. Trotzdem finden viele Menschen mit autistischer Störung auf dem normalen Arbeitsmarkt keinen Job.

Als sein 14-Jähriger Sohn Probleme in der Schule bekam, wurde Dirk Müller-Remus aufmerksam. Der Junge hatte Schwierigkeiten, sich zu organisieren, war aber im musischen Bereich hochbegabt. „Es kann doch nicht sein, dass so begabte Menschen in der Arbeitslosigkeit landen“, sagt Müller-Remus. Das brachte ihn auf die Idee, sein Unternehmen zu gründen. Seit 2012 beschäftigt er mit seiner Firma Auticon Autisten, die für IT-Firmen wie den Mobilfunkanbieter Vodafone im Einsatz sind. Bis Ende des Jahres will er von 28 Mitarbeitern 20 Autisten beschäftigen und Gewinn machen.

Doch Müller-Remus ist ein Einzelfall und steht immer noch beispielhaft für die Förderung von Autisten. „Das meiste läuft über die Eigeninitiative von Angehörigen“, sagt Matthias Dalferth, Professor für angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule Regensburg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbands zur Förderung von Menschen mit Autismus. Immer noch herrscht über Autisten das Bild des verschlossenen Behinderten vor.

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SAP stellt als einziges Großunternehmen Autisten ein

Dabei ist die Realität eine andere: Fünf bis sechs Prozent der Autisten, so Dalferth, fassen Untersuchungen zufolge auf dem Arbeitsmarkt Fuß. In der Gruppe mit dem Asperger-Syndrom, einer milderen Form des Autismus, liegt der Anteil bei 20 Prozent. „Mit entsprechender Förderung könnte die Zahl dreimal so hoch sein“, glaubt Dalferth. Seiner Meinung nach könnten Autisten in allen möglichen Berufen eingesetzt werden, nicht nur im IT-Bereich. Bibliotheken und Archive seien ebenso denkbar wie der Einsatz zur Qualitätskontrollen.

Dass Großkonzerne sich des Themas annehmen ist allerdings noch selten, sagt Friedrich Nolte, Fachreferent im Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus. Das könnte sich nun ändern. Der Softwarekonzern SAP hat gerade eine neue Initiative gestartet. Bis 2020 sollen ein Prozent der zuletzt rund 65.000 Mitarbeiter von SAP Menschen mit autistischer Störung sein. „Für Deutschland ist das bemerkenswert“, sagt Nolte. Er wisse sonst von keinem Großunternehmen, das sich in dieser Form um Autisten bemühe.

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