Privates Surfen im Büro: Abschweifen gehört zur Arbeit

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KommentarPrivates Surfen im Büro: Abschweifen gehört zur Arbeit

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Der Arbeitnehmer kann nur konzentriert Leistungen erbringen, wenn ihm kleine Pausen gegönnt sind, in denen er sich privaten Angelegenheiten widmen kann

von Ferdinand Knauß

Einige Unternehmen gestatten neuerdings die private Nutzung von Telefon und Internet. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Er denkt immer nur an das eine. Der ideale Arbeitnehmer des Arbeitgebers beendet allmorgendlich an der Eingangstür jeden privaten Gedanken und widmet für den Rest des Arbeitstages all sein Denken und Sinnen ganz der Arbeit.
Natürlich existiert dieser Übermensch in der Realität nicht. Allein schon deswegen, weil das Bewusstsein nicht mitspielt. Was man denkt, hat man nicht unter Kontrolle. Kein Mensch kann sich daher acht Stunden am Tag einzig und allein nur auf seine Arbeit konzentrieren.

Bei angenehmen, interessanten, selbstbestimmten Aufgaben gelingt das vielleicht eine Stunde lang. Bei unangenehmen Aufgaben ist womöglich schon nach zehn Minuten ein Aussetzen unausweichlich.

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Erschöpfte Gesellschaft Stress gehört auf die politische Agenda

Psychologen und Soziologen schlagen Alarm: Stress und Angst beherrschen die Seelen der Deutschen. Gefragt wäre die Politik. Doch die zeigt selbst Stresssymptome - und rennt kopflos weiter im Hamsterrad.

Quelle: Getty Images

Und was macht man dann? Tagträumen, etwas anderes Lesen, zuhause anrufen oder mit den Kollegen Tischfußball spielen. Jeder Vorgesetzte mit einem Minimum an Menschenkenntnis weiß, dass diese mehr oder weniger sichtbaren Pausen notwendig sind. Wenn sie verhindert oder stigmatisiert werden, steigert das nicht die Produktivität - sondern erzeugt Stress.
Wenn nun einige Unternehmen – wie zum Beispiel Bosch - öffentlichkeitswirksam verkünden, dass sie die private Nutzung von E-Mail, Internet und Telefon am Arbeitsplatz erlauben, so ist das eher eine erschreckende Nachricht: Ist das nicht ohnehin selbstverständlich?
Nein, leider nicht. Tatsächlich wurde in den vergangenen Jahren der pausenlose Über(arbeits)mensch immer mehr zum Maßstab. Dieser Anspruch der Arbeitgeberseite ist eine nachvollziehbare Reaktion auf die Verkürzung der absoluten Arbeitszeiten bis unter 40 Stunden pro Woche. Was die Arbeitnehmer in Jahrzehnten an den Rändern des Arbeitstages an Zeit gewonnen hatten, sollten sie während des Tages wieder hergeben, indem alles Private möglichst unterbunden wurde. Soziologen sprechen von der „Verdichtung“ der Arbeit.

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Nachvollziehbar, ja. Aber nicht akzeptabel. Denn der Preis für den übermenschlichen Anspruch ist die „erschöpfte Gesellschaft“ (Stephan Grünewald), die nicht nur Sozialpsychologen diagnostizieren. Zwischen 20 und 30 Prozent der deutschen Beschäftigten leiden unter Stress, meldet die Techniker Krankenkasse. Stress hat meist nicht mit der absoluten Arbeitszeit zu tun, sondern ist die Folge eines Missverhältnisses zwischen Anforderungen und Ressourcen.
Zu den Ressourcen gehört auch die Freiheit zur zwischenzeitlichen Entspannung – ohne das schlechte Gewissen, etwas Illegales zu tun. Die Erlaubnis zur privaten Nutzung des Internets am Arbeitsplatz sollte eine unbürokratische Selbstverständlichkeit sein. Ein Arbeitgeber, der das ernsthaft unterbinden will, hat verdient, dass ihm die Angestellten davonlaufen.

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