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Promotion: Ist der Doktortitel wirklich ein Karriere-Turbo?

von Claudia Obmann Quelle: Handelsblatt Online

Der Fall Schavan weckt den Verdacht, dass in der „Bildungsrepublik Deutschland“ Schein mehr zählt als Sein. Fakt ist: Die Doktorwürde bringt für die Karriere weniger als gedacht. In welchen Positionen sie wirklich nutzt.

Die Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan stellen nicht nur die Reputation der Ministerin infrage, sondern auch die Standards am Bildungsstandort Deutschland. Quelle: dpa
Die Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan stellen nicht nur die Reputation der Ministerin infrage, sondern auch die Standards am Bildungsstandort Deutschland. Quelle: dpa

Ohne Doktorarbeit kein Spitzenposten in der deutschen Wirtschaft, könnte man meinen - angesichts von 18 Vorstandsvorsitzenden allein bei den 30 Dax-Unternehmen, die einen Doktortitel führen.

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Doch schaut man genauer hin, finden sich auf den höchsten Rängen auch vielfältige Gegenbeispiele und alternative Karriere-Modelle: Telekom-Chef René Obermann zum Beispiel, gelernter Industriekaufmann, der sein VWL-Studium abgebrochen hat. Oder Siemens-Chef Peter Löscher, der auf sein Wirtschaftsstudium in Wien statt des Doktors lieber einen MBA-Abschluss sattelte.

Annette Schavan (CDU)

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" beschäftigte die Prüfungskommission der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach dem Vorwurf eines anonymen Plagiatejägers im Frühjahr 2012 hatte sich die Kommission des Falls angenommen. Anfang Februar 2013 hat nun die Hochschule der Bundesbildungsministerin den Doktortitel aberkannt. Am 9. Februar ist Annette Schavan als Bundesbildungsministerin zurückgetreten.

Bild: dapd


Von rund 2.000.000 deutschen Doktoranden schlossen 27.000 ihre Promotionen in 2011 ab. Tendenz leicht steigend. Diejenigen Arbeitgeber, die sich einen Doktor frisch von der Uni leisten, bezahlen ihm laut Kienbaum-Gehaltsstudien im Schnitt 25 Prozent mehr Gehalt als Berufseinsteigern ohne Doktortitel – die jedoch auch schon früher mit dem Geldverdienen anfangen können.

Später verringert sich dieser Gehaltsunterschied, denn dann bestimmen der Wert der bekleideten Funktion und deren Zuordnung zu bestimmten Gehaltsbändern das jeweilige Salär. Der Doktortitel ist dafür unerheblich, denn die Weiterentwicklung im Gehaltsband hängt von der persönlichen Leistung ab und nicht davon, welche akademischen Ehren zuvor einmal errungen wurden.

Die drei nützlichsten Programme zum Aufspüren von Plagiaten

  • PlagAware

    Platz 1 im Test machte die Software PlagAware. Das Programm bekam allerdings auch nur die Note 3,3. Preislich schlägt das Programm mit maximal 15 Euro zu Buche. Für Hochschulen ist PlagAware aber nur mäßig nützlich, weil jeder Text einzeln hochgeladen werden muss.

  • Turnitin

    Turnitin ist eine in den USA recht weit verbreitete Software. Die Berliner Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gaben dem Programm aber nur die Note vier. Damit erreicht Turnitin Platz zwei im Ranking. Der Preis hängt von der Anzahl der Studierenden ab.

  • Ephorus

    Platz drei geht an die Software Ephorus. In puncto Benutzerfreundlichkeit hat die Software nach einer Überarbeitung Rang zwei erhalten. Bei der durchschnittlichen Bewertung gab es nur die Note 4,8.

Wenn sich der Doktor-Titel also nicht als Gehaltsturbo auswirkt, wirkt er dann wenigstens als Karriere-Beschleuniger? Allenfalls beim Berufseinstieg, meinen Experten. Ulrich Goldschmidt, Geschäftsführer des Verbandes „Die Führungskräfte“, der alljährlich Gehaltsanalysen unter seinen rund 20.000 Mitgliedern vornimmt, meint sogar: „Doktortitel haben in Unternehmen an Relevanz verloren. Dieser Titel spielt allenfalls beim Einstiegsgehalt eine Rolle, wenn er einen Aufschlag erzielt. Schon hier machen aber immer weniger Unternehmen eine Ausnahme für Titelträger.“

Dennoch: In einigen Branchen wird nach wie vor auf den Titel geschaut. Sörge Drosten, Geschäftsführer bei der auf Top-Management-Positionen spezialisierten Personalberatung Kienbaum, sagt: Speziell „dort, wo die Funktion mit Wissenschaftlichkeit in Verbindung gebracht wird, also etwa in der Forschung, wirkt der Doktortitel als Nachweis für die Fähigkeit, wissenschaftlich arbeiten zu können“.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2012, 14:15 Uhrmathias

    Wenn man 300 Seiten zusammen(klaut) wird man Titelträger !!!

    Es sind aber nur AFFEN die etwas gelesenes nachschreiben, ohne selbst
    im Leben etwas geleistet zu haben.

    Bayer hat ab Abteilungsleiter nur Doktoren rumlaufen(Intern.Titel)

    Quotenfrauen als Richter haben auch schon ein Doktor-Titel.
    Ohne das 1X1 zu können.

    Noch besser Prof. Dr.Dr. schon bei Uni-Abgang-Deutschland geht unter!

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