
Ohne Doktorarbeit kein Spitzenposten in der deutschen Wirtschaft, könnte man meinen - angesichts von 18 Vorstandsvorsitzenden allein bei den 30 Dax-Unternehmen, die einen Doktortitel führen.
Doch schaut man genauer hin, finden sich auf den höchsten Rängen auch vielfältige Gegenbeispiele und alternative Karriere-Modelle: Telekom-Chef René Obermann zum Beispiel, gelernter Industriekaufmann, der sein VWL-Studium abgebrochen hat. Oder Siemens-Chef Peter Löscher, der auf sein Wirtschaftsstudium in Wien statt des Doktors lieber einen MBA-Abschluss sattelte.
Bild: dapdAnnette Schavan (CDU)
Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" beschäftigte die Prüfungskommission der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach dem Vorwurf eines anonymen Plagiatejägers im Frühjahr 2012 hatte sich die Kommission des Falls angenommen. Anfang Februar 2013 hat nun die Hochschule der Bundesbildungsministerin den Doktortitel aberkannt. Am 9. Februar ist Annette Schavan als Bundesbildungsministerin zurückgetreten.
Bild: dapdKarl-Theodor zu Guttenberg (CSU)
Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte ihm die Uni Bayreuth den Doktortitel ab. Nach heftigen Protesten der Opposition und in der Bevölkerung trat Guttenberg von allen seinen Ämtern zurück. Die Universität Bayreuth erklärte in ihrem Abschlussbericht, der CSU-Politiker habe vorsätzlich getäuscht.
Bild: dpaSilvana Koch-Mehrin (FDP)
Wegen rund 120 Plagiaten in der Doktorarbeit der Europapolitikerin entzog die Universität Heidelberg ihr den Titel Mitte Juni 2011. Koch-Mehrin war nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und als dessen Vizepräsidentin zurückgetreten. Koch-Mehrin klagt den Titel derzeit vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe ein, nachdem ein Widerspruch gegen die Aberkennung bei der Universität erfolglos geblieben war.
Bild: dapdJorgo Chatzimarkakis (FDP)
Der Europaabgeordnete verlor seinen Titel im Juli 2011, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit nach Angaben der Uni Bonn aus fremder Feder stammte. Zuvor waren im Internet Plagiatsvorwürfe laut geworden. Der FDP-Politiker kündigte an, er werde eine neue Arbeit vorlegen.

Margarita Mathiopoulos (FDP)
Die FDP-Beraterin verlor im April 2012 ihren Doktortitel, weil sie bei ihrer Dissertation abgeschrieben haben soll. Der Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn beschloss den Entzug. Mathiopoulos' Anwälte kündigten eine Klage an. Sollte der Entzug rechtskräftig werden, will ihr die Universität Potsdam eine Honorarprofessur entziehen.
Bild: dpaDieter Jasper (CDU)
Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete wurde Anfang Mai 2011 zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt, weil er einen Doktortitel zu Unrecht geführt hatte. Jasper hatte den Doktor der Wirtschaftswissenschaften 2004 an einer Universität in der Schweiz erworben, die gegen Geld akademische Grade vergeben soll.
Bild: ScreenshotKai Schürholt (CDU)
Der Oberbürgermeisterkandidat der Landauer CDU hatte sich 2007 im Wahlkampf mit einem Doktortitel geschmückt, obwohl er seine Promotion noch längst nicht abgeschlossen hatte. Das Amtsgericht Landau verurteilte den studierten Theologen im Juni 2009 wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 7500 Euro.
Annette Schavan (CDU)
Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" beschäftigte die Prüfungskommission der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach dem Vorwurf eines anonymen Plagiatejägers im Frühjahr 2012 hatte sich die Kommission des Falls angenommen. Anfang Februar 2013 hat nun die Hochschule der Bundesbildungsministerin den Doktortitel aberkannt. Am 9. Februar ist Annette Schavan als Bundesbildungsministerin zurückgetreten.
Von rund 2.000.000 deutschen Doktoranden schlossen 27.000 ihre Promotionen in 2011 ab. Tendenz leicht steigend. Diejenigen Arbeitgeber, die sich einen Doktor frisch von der Uni leisten, bezahlen ihm laut Kienbaum-Gehaltsstudien im Schnitt 25 Prozent mehr Gehalt als Berufseinsteigern ohne Doktortitel – die jedoch auch schon früher mit dem Geldverdienen anfangen können.
Später verringert sich dieser Gehaltsunterschied, denn dann bestimmen der Wert der bekleideten Funktion und deren Zuordnung zu bestimmten Gehaltsbändern das jeweilige Salär. Der Doktortitel ist dafür unerheblich, denn die Weiterentwicklung im Gehaltsband hängt von der persönlichen Leistung ab und nicht davon, welche akademischen Ehren zuvor einmal errungen wurden.
Die drei nützlichsten Programme zum Aufspüren von Plagiaten
PlagAware
Platz 1 im Test machte die Software PlagAware. Das Programm bekam allerdings auch nur die Note 3,3. Preislich schlägt das Programm mit maximal 15 Euro zu Buche. Für Hochschulen ist PlagAware aber nur mäßig nützlich, weil jeder Text einzeln hochgeladen werden muss.
Turnitin
Turnitin ist eine in den USA recht weit verbreitete Software. Die Berliner Experten von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin gaben dem Programm aber nur die Note vier. Damit erreicht Turnitin Platz zwei im Ranking. Der Preis hängt von der Anzahl der Studierenden ab.
Ephorus
Platz drei geht an die Software Ephorus. In puncto Benutzerfreundlichkeit hat die Software nach einer Überarbeitung Rang zwei erhalten. Bei der durchschnittlichen Bewertung gab es nur die Note 4,8.
Wenn sich der Doktor-Titel also nicht als Gehaltsturbo auswirkt, wirkt er dann wenigstens als Karriere-Beschleuniger? Allenfalls beim Berufseinstieg, meinen Experten. Ulrich Goldschmidt, Geschäftsführer des Verbandes „Die Führungskräfte“, der alljährlich Gehaltsanalysen unter seinen rund 20.000 Mitgliedern vornimmt, meint sogar: „Doktortitel haben in Unternehmen an Relevanz verloren. Dieser Titel spielt allenfalls beim Einstiegsgehalt eine Rolle, wenn er einen Aufschlag erzielt. Schon hier machen aber immer weniger Unternehmen eine Ausnahme für Titelträger.“
Dennoch: In einigen Branchen wird nach wie vor auf den Titel geschaut. Sörge Drosten, Geschäftsführer bei der auf Top-Management-Positionen spezialisierten Personalberatung Kienbaum, sagt: Speziell „dort, wo die Funktion mit Wissenschaftlichkeit in Verbindung gebracht wird, also etwa in der Forschung, wirkt der Doktortitel als Nachweis für die Fähigkeit, wissenschaftlich arbeiten zu können“.
- Seite 1: Ist der Doktortitel wirklich ein Karriere-Turbo?
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