Quote: Die entzauberten Top-Managerinnen

Quote: Die entzauberten Top-Managerinnen

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von Manfred Engeser, Jürgen Berke und Kristin Schmidt

Erst hochgelobt, dann abgewatscht: Viele der Managerinnen, die im Zuge der Diskussion um die Frauenquote in Top-Positionen gehievt wurden, haben die Erwartungen nicht erfüllt. Weil ihre Leistung nicht reichte. Weil sie mit falschen Versprechen gelockt wurden, der Aufstieg zu früh kam, die männliche Konkurrenz sie auflaufen ließ.

Sie war die erste Frau im Zentralvorstand des mehr als 160 Jahre alten Konzerns, kam auf einen Posten, den der Vorstandschef eigens für sie geschaffen hatte, verantwortete einen Etat von mehr als 40 Milliarden Euro. Und verdiente mit knapp vier Millionen Euro mehr mancher Vorstandskollege: Als Barbara Kux am 17. November 2008 ihren Posten als Einkaufsvorstand bei Siemens antrat, schrieb sie Wirtschaftsgeschichte.

Kux’ doppelte Mission: den Einkauf zentralisieren und den Konzern zum grünen Unternehmen umbauen. Sie spart laut eigener Rechnung einen höheren einstelligen Milliardenbetrag ein, reduziert die Zahl der Zulieferer um 20 Prozent, erhöht das grüne Portfolio von 19 auf 33 Milliarden Euro und damit auf 42 Prozent des Konzernumsatzes. Ihr Fazit nach fünf Jahren: Auftrag erfüllt.

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Offenbar nicht gut genug: "Die Crux mit der Kux" – ein Kreuz sei es, mit der 59-Jährigen zusammenzuarbeiten, heißt es intern gern, wenn die Sprache auf die Schweizerin kommt. Ihre Strategie habe sie schlecht umgesetzt, mit ihrer spröden, zurückhaltenden Art sei sie angeeckt, ihren wichtigsten Einkäufer habe sie an ThyssenKrupp verloren. Der Konzern kaufe nach wie vor zu teuer ein, das Ökogeschäft stagniere.

Unterdurchschnittliche Leistungen

Die Folge: Kux’ Vertrag wurde nicht verlängert, ihr Posten ersatzlos gestrichen – Kux scheidet im November 2013 aus. Und das, obwohl Siemens-Vorstandschef Löscher schon das nächste Mammutsparprogramm angekündigt hat: Mit "Siemens 2014" soll der Konzern weitere sechs Milliarden Euro sparen, die Hälfte des Volumens der Einkauf beisteuern. Eine Aufgabe, die Löscher Kux offenbar nicht mehr zugetraut hat.

Gerade noch hochgelobt, jetzt abgewatscht: So wie Kux ging es in den vergangenen Monaten vielen hochrangigen Managerinnen. Erst mit großem Tamtam öffentlichkeitswirksam in höchste Führungspositionen gehoben, wurde das Amt zur Bürde, die Leistung bei Lichte betrachtet unterdurchschnittlich. Und der Abschied von der gerade errungenen Macht absehbar.

Ohne Zweifel: Es gibt jede Menge Frauen, die in jüngster Vergangenheit auf einem Vorstands- oder Aufsichtsratsstuhl gelandet sind und ihren Job professionell und geräuschlos erledigen – darunter etwa Henkels Personalchefin Kathrin Menges, Hauke Stars, IT-Vorstand der Deutschen Börse. Oder Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne, die nach 23 Jahren in verschiedenen Positionen bei Lufthansa seit Juli 2012 die Finanzen des Konzerns im Vorstand verantwortet.

Nur wenige positive Beispiele

Auch der gute Ruf von BASF-Personalchefin Margret Sukale hat mit exzellenter Vorbereitung zu tun: Bevor die frühere Personalchefin der Deutschen Bahn 2011 in gleicher Funktion in den Vorstand des Chemiekonzerns aufrückte, hatte sie als Senior Vice President rund zwei Jahre lang die Gelegenheit, sich eine Führungsebene darunter mit allen für den Konzern weltweit wichtigen Personalthemen vertraut zu machen. Dass ihre Kompetenz auch außerhalb von BASF geschätzt wird, beweist der nächste Karriereschritt der 56-Jährigen: Anfang Juni soll sie den Bundesarbeitgeberverband Chemie leiten – als erste Frau überhaupt.

Trotz dieser positiven Beispiele aber scheint die Phase, in der Managerinnen eine Art Freifahrtschein in Spitzenpositionen lösen konnten, erst einmal gestoppt. Viele Frauen müssen nun feststellen: Nachdem die öffentliche Debatte der vergangenen Jahre den Eindruck entstehen lassen konnte, dass ihnen aufgrund ihres Geschlechts alle Hindernisse auf dem Weg nach oben schon selbstverständlich aus dem Weg geräumt würden, dämmert es nun auch den Karrierefrauen – das Leben ist kein Wunschkonzert, die Wirklichkeit kein Ponyhof.

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8 Kommentare zu Quote: Die entzauberten Top-Managerinnen

  • Ich bin überzeugt, dass man bei stringenter Suche auch eine Reihe von Fehlbesetzungen mit Personen männchlichen Geschlechts gefunden hätte. Denn auch dort gibt es welche, die überfordert sind, denen zu viel aufgehalst wird, die einen miserablen Führungsstil haben oder die nicht akzeptiert werden, weil sie durch das "Dachfenster" anstatt durch den "Kamin" kamen. Es ist aber nach wie vor wichtig, dass es gelingt, mehr Frauen in die richtigen Warteschleifen zu bringen. Das dürfte in manchen MINT-Berufen (wenn man die Geschlechtsverteilung der Studierenden betrachtet) noch einige Zeit dauern. Ein besonderer Bonus allein aufgrund des Geschlechts wird bei diesen Tätigkeiten immer problematisch sein - ganz egal, von welchem Geschlecht ein Arbeitsbereich derzeit dominiert wird!

  • Diese Diskussion ist wirklich lächerlich.Wenn die Quote kommt,welche Frauen werden denn dann in die Aufsichtsräte marschieren?Aktuelles Beispiel ist Sabine Christiansen,die in den Aufsichtsrat von Hermes Paketshops einziehen wird.Es kommen also (genau wie bei den Männern)Leute dahin,die es eh schon geschaft haben.Oder glaubt wirklich jemand,dass sich Frau Christiansen für die Frauen einsetzen wird?Vielleicht werden bei mitbestimmten Aufsichtsräten,noch ein paar Frauen aus dem Betriebsrat in den AR kommen.Aber was die Gewerkschaften ausrichten kann man zur Zeit bei Opel in Bochum beaobachten.Ich möchte wissen,wie die Gewerkschaften den Opelanern,die ab 2014 auf der Strasse stehen (weil sich der Betriebsrat verzockt hat)helfen werden.Auf ihrem Gang zum Arbeitsamt werden sie keinen Gewerkschafter mehr sehen,die sind nur solange zuständig,solange es Arbeit gibt,dann soll der Staat bezahlen.Bei Lufthansa seh ich übrigens das Gleiche kommen.AAuch da wird es nach den endlosen Streiks auch zu Entlassungen und Ausgliederungen kommen (siehe Germanwings)

  • Ich bin eine Frau und habe folgende Beobachtungen zu dem Thema gemacht.
    Der erste Punkt wäre die Vetternwirtschaft. Entweder der eigene Sohn, der Sohn eines Geschäftspartners, der Sohn eines Verwandeten, der Patensohn, etc. kriegen erstmal einen solchen Posten zugeschanzt, egal ob sie die Kenntnisse und/oder Fähigkeiten für die Position haben. Ansonsten wird oftmals ein Mitarbeiter herausgepickt, der dann schon lange vorher als Nachfolger ausgebildet und gefördert wird. Eine Ausschreibung erfolgt dann nur noch pro forma. Eine Chance hat man da nicht.

    Zum Zweiten erhält eine Frau, die ein Kind bekommen hat, bei ihrer Rückkehr zwar die gleiche Position wieder, aber meist mit 1-2 Gehaltsstufen Verlust wegen der "Einarbeitungszeit". Selbstverständlich werden diese in den meisten Fällen danach nicht wieder aufgehoben. Warum sollte man also eine höherwertige Tätigkeit ausüben, wenn man 1-2 Gehaltsstufen weniger als ein männlicher Kollege, der die gleiche Arbeit verrichtet ?

    Zum Dritten sind da noch die Frauen, die einen solchen Posten erhalten haben, indem sie mit dem Richtigen ins Bett gehen. Diese Damen nimmt sowieso keiner ernst. Die meisten Frauen verachten sie.

    Dann gibt es die Quoten-Frauen bzw. diejenigen für die Außenwirkung. Das sind dann oftmals nur Vorzeige-Tussis, die eher in Richtung Frühstücks-Direktor gehen. Wirkliche Macht haben die nicht und Enscheidungen können sie oftmals auch nicht treffen. Ich zweifele daran, ob das so erstrebenswert ist. Richtig ernst nimmt die auch niemand.

    Ich denke schon, dass viele Frauen einen solchen Posten fachlich und kompetent ausfüllen können, aber Ihnen oftmals die Gelegenheit nie gegeben wird und sie keine Chance haben. Die wenigen Frauen, die wirklich fachlich, charakterlich und sozial kompetent einen solchen Job ausfüllen, kann man mit der Lupe suchen.

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