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Ratgeber: Russisch Roulette im Vorstellungsgespräch

Quelle: Handelsblatt Online

Unternehmen müssen die besten Leute treffsicher identifizieren. Die Auswahlstrategien können dabei reichlich schräg sein. „Brainteaser“ im Vorstellungsgespräch sind eine beliebte Taktik. Wie Sie sich darauf vorbereiten.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. Quelle: CAEPSELE
In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. Quelle: CAEPSELE

DüsseldorfAb und zu spielen die Recruiter der Schweizer Bank UBS mit ihren Bewerbern eine Runde Russisch Roulette. Angehende Banker müssen sich auf makabere Gedankenspiele einstellen: Sie sollen sich vorstellen, sie seien an einen Stuhl gefesselt – und der Interviewer habe einen Revolver mit einer Sechs-Schuss-Trommel.

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Die Anekdote erzählen ehemalige Bewerber, die das Verfahren durchlaufen haben. Der Interviewer schiebe als nächstes zwei imaginäre Kugeln in aufeinander folgende Kammern und ziehe den Abzug. Nichts passiert. Will der Kandidat, dass der Interviewer den Abzug gleich noch einmal zieht oder zuerst die Trommel dreht? Smarte Kandidaten wissen, dass es besser ist gleich noch einmal den Abzug zu ziehen – so stehen die theoretischen Überlebenschancen bei 75 anstatt bei 67 Prozent.

Die Personalabteilungen der UBS stehen ebenso wie andere Unternehmen vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits müssen sie in Zeiten des Fachkräftemangels eine Strategie zum Erkennen junger Talente vorweisen. Andererseits sollen sie mit ihren Selektionstaktiken dem „Employer Branding” in die Hände spielen: Kreative Rekrutierungsmechanismen gelten als Chance, sich abzuheben und bei begabten Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber zu erscheinen.

Eine Taktik, die potenziell beiden Anforderungen gerecht wird, ist der Einsatz von Brainteaser- und „Puzzle”-Fragen. Sie gehen auf sogenannte „Puzzle”-Interviews amerikanischer Unternehmen wie „Microsoft” und „Google” zurück.

Wie schwer ist Manhattan? Wieso sind Gully-Deckel rund? Wie viele Smarties passen in einen Golf? Diese Art der Bewerbungsfragen nennen die amerikanischen Personaler „Puzzle”-Fragen. „Ihr Einsatz ist ein unkonventioneller Ansatz, informelle Kompetenzen abzufragen, die für einen Arbeitgeber nicht weniger interessant als ein fundiertes Fachwissen sind”, sagt Rosmarie Schwartz-Jaroß, Leiterin des Career Centers der Humboldt-Universität zu Berlin. 

Alternative Frage

"Warum möchten Sie sich beruflich verändern? Entspricht das jetzige Gehalt nicht Ihren Vorstellungen? Oder reizt Sie bei uns das internationale Umfeld?"

Darum geht´s: Der Personaler will Ihre Überzeugungen aufspüren - und er sucht keinen Mitarbeiter, der nur durch ein hohes Gehalt zu motivieren ist. Aber: Weder die eine noch die andere dargebotene Antwortvariante muss die Sachlage tatsächlich treffen. Vermutlich gibt es noch zig weitere Gründe für einen Arbeitgeberwechsel. Nennen Sie lieber einen, der sich mit dem Bedarf des neuen Arbeitgebers deckt.

Clevere Antwort: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden auf meiner jetzigen Stelle. Mein Einsatz bei der Firma x hat gezeigt, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand ist in meinem Team um 15 Prozent gesunken und die Fluktuation hat sich bei 3 Prozent eingependelt. Ich suche nach einer Herausforderung, bei der ich mich in ähnlicher Weise engagieren kann, und wünsche mir ein Umfeld, in dem ich mich selbst auch noch weiterentwickeln kann.

Quelle: Karriere.de

Bild: Fotolia

Die Interviewer schätzen an Brainteaser- und „Puzzle”-Fragen, dass sie Lösungsfindungsprozesse der Bewerber auf die Probe stellen. Katrin Luzar, Senior PR Manager beim Karriereportal monster.de sagt, solche Fragen fänden in Interviews um jene Positionen eine Verwendung, in denen es auf besondere Lösungskompetenz, Kreativität und Belastbarkeit ankomme, zum Beispiel bei Ingenieur-Berufen. Sie werden aber auch verstärkt im Marketing- und IT-Bereich und im Finanz- sowie Beratungswesen eingesetzt.

So wollen beispielsweise die Recruiter von Roland Berger wissen: „Wenn die Zahnfee in Deutschland zehn Euro für jeden Milchzahn bezahlt, wie hoch liegt dann ihr jährliches Budget?” Hierauf erwarten sie keine aus der Luft gegriffene Zahl, sondern einen „educated guess” - eine überlegte und gut argumentierte Vermutung.

Brainteaser und „Puzzle”-Fragen sind aber nur empfehlenswert, wenn sie einen erkennbaren Bezug zum Unternehmen oder zu zukünftigen Herausforderungen der Kandidaten haben: „Man sollte Bewerber in Zeiten des Fachkräftemangels nicht wie Schuljungen behandeln und ihnen merkwürdige Rätsel aufgeben”, meint Armin Trost, Professor für Human Resource Management an der Hochschule Furtwangen.

Aufgrund des Fachkräftemangels müssen sich Unternehmen bewusst sein, dass der hochqualifizierte Bewerber am Ende die Entscheidung für oder gegen das Unternehmen fällt - nicht umgekehrt.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.04.2013, 00:58 UhrEhrlich_gesagt

    Munter weiter so!
    So ausgewählte Mitarbeiter sind Garant für den nächsten Börsencrash.
    Mit so ausgewählten Mitarbeitern dümpeln Unternehmen einheitlich im Brei des Mittelmaßes im Wettbewerb und sehen folglich ihr einziges Heil darin, ihre künftigen Kaufkräfte (=Personal) mit heller Begeisterung auszustellen.
    Gibts schon Preise für jene, die den Ast dem sie selbst sitzen am Stamm absägen und sich wundern, warum ihr Laden immer schlechter läuft?

  • 29.12.2011, 17:49 UhrKurt

    Das Problem ist, daß die Firmen gar keine Antwort auf solchen Schwachsinn erwarten und auch ganz erstaunt sind, wenn man eine Antwort parat hat. Dies kann man dann einfach im Raum stehen lassen. Denn wer will sich schon ernsthaft auf eine Diskussion über die Anzahl der in einem Auto speicherbaren Smarties einlassen ? Wenn man der ersten von mglw. weiteren derartigen Fragen so spontan begegnet, lassen die Personaler weitere Fragen dieser Art sehr schnell unter den Tisch fallen um sich nicht lächerlich zu machen.. Ich habe schon Gesprächspartner erlebt, die mich mit der Aussage konfrontiert haben "Gute Leute gehen nicht. Warum bewerben Sie sich aus einer sicheren Position ?". Meine Antwort war, daß dieses Statement unwahr ist. Daß ich dann 2 Tage später die Absage bekam, war dann für mich kein Wunder aber für mein weiteren Seelenheil mglw. sehr befreiend. Denn wer will in einem solchen Unternehmen unter solchen (angestellten) Businessunitleitern arbeiten ? Ich nicht. (Das war vor einem halben jahr. Die Firma sucht immer noch per Anzeige. Ich habe einen anderen Job gefunden.)

  • 29.12.2011, 06:23 UhrJoselyn

    Unfassbar. Da fehlen einem die Worte. Bewusst Menschen unter Druck setzen, um zu sehen wie "belastbar" sie sind. Was hat das Ganze mit Begabung, Fachwissen oder Qualifikation zu tun ??? Warum denken sich Firmen solche kranken Spielchen aus ?
    Alle reden vom Fachkräftemangel. Warum nehmen die Firmen sich nicht die Zeit, um selbst ihre Fachkräfte auszubilden ? Aber das würde ja dauern. Heutzutage soll ein Bewerber gleich alles können.

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