Reform der Berufsausbildung: Spaniens Jugend soll langfristiges Planen lernen

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Reform der Berufsausbildung: Spaniens Jugend soll langfristiges Planen lernen

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Studenten bei Protesten gegen die geplanten Kürzungen im spanischen Bildungssektor

Die hohe Arbeitslosigkeit auf der Iberischen Halbinsel hat eindeutige Gewinner: deutsche Ausbildungsinstitute und Handelskammern gewinnen Terrain in Spanien und Portugal. Vor allem das duale Lehrsystem überzeugt die Südländer.

Marta García ist theoretisch Anwältin. Seit einem Jahr ist die 24-jährige mit ihrem Studium fertig. Schon heute weiß sie, dass sie in ihrem an der Universidad de Complutense  in Madrid akademisch erlernten Beruf wahrscheinlich nie arbeiten wird: "Ich habe Recht studiert, weil meine Eltern das wollten. Aber es gibt so viele Juristen und einfach keine qualifizierten Jobs in Spanien." Deswegen arbeitet die Akademikerin jetzt als Verkäuferin in einem Modeladen auf der zentralen Einkaufsstraße Calle Goya. García verdient 800 Euro im Monat. Ausgebildet wurde sie für den Job nicht.  

"Das ist ein Skandal, wir verlieren jährlich Milliarden Euro, weil wir die Leute falsch oder gar nicht ausbilden", sagt Unternehmensberater Ignacio de Benito, der sich zwischen vielen verschiedenen Welten bewegt und Deutschland sehr gut kennt. "Das deutsche berufliche Ausbildungssystem ist besser, weil es eine attraktive Alternative zum Studium an der Uni bietet und den Unternehmen spezifisch vorbereitetes Personal liefert. Ein Anwalt ist nicht automatisch ein guter Verkäufer."

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Dualsystem soll Jugendarbeitslosigkeit beenden

Wie viele andere spanische Wirtschaftsexperten glaubt er, dass die "deutsche Lehre", die jetzt auch auf vielen Ebenen in Spanien und Portugal eingeführt wird, ein sicherer Weg aus der Jugendarbeitslosigkeit darstellt, die derzeit in seinem Land bei weit über 50 und in Portugal bei über 40 Prozent liegt: "Wir verschwenden Geld in unserem Erziehungssystem durch falsche Prioritäten und das können wir uns aufgrund unserer Schuldensituation und unserem derzeit schlechten Image nicht leisten."

Spaniens Wirtschaft und private Haushalte stehen tief in der Kreide, Portugals Situation ist noch gravierender. Die Staatsverschuldung in Spanien hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand von 84,1 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes erreicht. Die Neuverschuldung liegt bei sieben Prozent. Deswegen ist auch das, was Deutschland sagt und will, in Spanien und Portugal aufgrund der wirtschaftlichen und finanziellen Abhängigkeit von der EU und den deutschen Banken inzwischen enorm wichtig. Angela Merkel und kürzlich auch die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen weisen immer wieder auf die Bedeutung ihres dualen Ausbildungssystem hin, weswegen inzwischen fast jeder weiß, was mit "deutscher Lehre" gemeint ist. Überall im Land wird sie promoviert. Die Hauptstadt Madrid ist der Vorreiter.  30 000 "duale" und bezahlte Lehrlinge gibt es bereits landesweit.  

Akademiker gesucht

Auch wenn der Anteil für Schul- und Ausbildungswesen statt der neun Prozent des Staatshaushalt in Spanien in 2013 nur noch 0,7 Prozent ausmacht, glaubt de Benito, dass das noch zu viel ist, wenn es falsch investiert wird: "Wir brauchen einen Mentalitätswandel, bei dem auch die Eltern gefragt sind. Die Krise beschleunigt diesen notwendigen Prozess," glaubt der Eigentümer von Crisbe Consultores, der in den Verwaltungsräten verschiedener spanischer Unternehmen sitzt.

Bisher studieren 20 Prozent der spanischen Bevölkerung an der Universität, 29 Prozent haben einen akademischen Titel, womit das Land theoretisch besser ausbildet als viele andere europäische Nachbarn: "Aber wir haben keine hochentwickelte Wirtschaft, wo so viele Akademiker notwendig sind. Wir leben von der Bau- und Landwirtschaft und dem Tourismus", sagt de Benito.  

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