Resilienz: Selbstwahrnehmung stärken

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Resilienz: So bleibt der Burnout aus

Selbstwahrnehmung stärken

Neben dem körperlichen Gleichgewicht von Aktion und Ruhe beeinflussen auch Psyche, soziale Beziehungen sowie Werte und Einstellungen die Resilienz. Wolfgang Roth, Diplom-Psychologe und Burnout-Berater in Fürth, beschreibt diesen Zusammenhang wie einen Wagen mit vier Rädern, von denen allerdings oft einer platt sei. „Das passiert, wenn eines oder mehrere dieser vier Felder uns keine Energie geben, sondern rauben.“ Wenn etwa soziale Beziehungen, wie das Verhältnis zu den Eltern oder zum Partner, belastet sind. Oder negative Bilder und Glaubenssätze unser Denken bestimmen. „Es hilft, wenn man sich diese Felder strukturiert anschaut und Stärken und Schwächen bestimmt“, sagt Roth. Diese Selbstwahrnehmung sei der erste Schritt individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen und sich von nicht mehr ins Leben passenden Einstellungen zu befreien. Etwa indem man Glaubenssätze kritisch überprüft und gegebenenfalls ändert: Aus einem seit der Kindheit verankerten „Sei stark!“, kann zum Beispiel ein „Ich darf andere auch um Hilfe bitten!“ entstehen, was im Alltag viel Druck wegnimmt.

Die Analyse der vier Felder führt zu konkreten Handlungsoptionen, die man möglichst nicht auf die lange Bank schieben sollte. „Man kann zum Beispiel in einer Partnerschaft trainieren Konflikte anders zu lösen, wenn man weiß, warum man auf bestimmte Auslöser in einer gewissen Weise reagiert“, sagt Wolfgang Roth. Das Selbstvertrauen, die Grundlage des inneren Gleichgewichts, wachse, wenn wir uns zutrauten Veränderungen zu gestalten. Was jedoch Zeit brauche und Durchhaltevermögen. „Das ist genauso anstrengend wie das Training für einen Waschbrettbauch“, sagt Roth. „Von heute auf morgen geht es nicht.“

Burnout Schlechte Chefs lassen ihre Leute ausbrennen

Der Burnout gilt als Managerkrankheit. Tatsächlich leiden aber nicht Chefs, sondern Untergebene. Der Grund sind unpassende Bedingungen, vor allem ein Mangel an Freiheit.

Immer mehr Angestellte klagen über Erschöpfungszustände - Burnout. Quelle: Fotolia

Gerade im Berufsleben stößt diese individuelle Burnout-Prophylaxe jedoch schnell an Grenzen. „Wenn Betriebe die Bedürfnisse des Menschen aus dem Blick verlieren, wird das schnell ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Wolfgang Roth. Wer Burnout, psychische Erkrankungen und innere Kündigungen vermeiden wolle, müsse deshalb in der Führungskultur ansetzen. „Eine neue Unternehmenskultur kann etwa so aussehen, dass man ein Recht auf Pausen festlegt und diese schriftlich vereinbart“, sagt Manfred Nelting. „Wo das offiziell vielleicht noch nicht möglich ist, hilft eine inoffizielle Regelung.“ Chefs sollten zudem unterbrechungsfreies Arbeiten ermöglichen. Zum Beispiel durch eine E-Mail-Kultur, die es erlaubt Nachrichten nur zu bestimmten Zeiten abzurufen. Oder indem man für jeden im Team handyfreie Zeiten vereinbart, in denen im Notfall ein Kollege erreichbar ist.

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Unternehmen können so die Kreativität ihrer Mitarbeiter langfristig erhalten, was die Produktivität unmittelbar steigert. Bei Dauerstress sinkt dagegen die Hirnleistung merklich, weil das Gehirn auf bewährte Denkschablonen zurückgreift und keine Kapazität für neue Lösungen hat. „Diesen Zugewinn an Kreativität darf das Management natürlich nicht dafür nutzen, dem Einzelnen noch mehr Arbeit aufzulasten“, sagt Manfred Nelting. Wer die Gesundheit seiner Mitarbeiter dauerhaft erhalten wolle, müsse sich von dieser Art des Effizienzdenkens befreien. Wozu auch gehöre, nicht die Grenzen zwischen Privatem und Arbeitswelt aufheben. „Von der Idee, dass ein Mitarbeiter der Firma mit Haut und Haaren gehört, sollten wir uns verabschieden.“

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