Seelische Belastung: Lieber arbeitslos als einen miesen Job

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Seelische Belastung: Lieber arbeitslos als einen miesen Job

Arbeitslose sind gestresst, werden häufiger krank und sind oft von Selbstzweifeln geplagt. Doch eine neue Studie zeigt: Menschen, die mit ihrem Job unzufrieden sind, geht es noch schlechter.

Der sogenannten Generation Y ist es wichtig, sich im Beruf selbst verwirklichen zu können und die richtige Balance zwischen Arbeiten und Freizeit zu finden. Ein Job muss Sinn und Spaß machen, wie der 19-jährige Unternehmensberater Philipp Riederle im Interview mit der WirtschaftsWoche sagte. Und auch die zahlreichen Studien, die über die Generation verfasst wurden, zeigen: Junge Arbeitnehmer sind lieber arbeitslos als in einem Beruf zu arbeiten, der sie nicht glücklich macht.

Das mag arrogant erscheinen, denn jahrelang herrschte die Devise, dass jeder Job besser ist, als arbeitslos zu sein.

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Arbeitslosigkeit hat negative Auswirkungen auf Psyche und Gesundheit

Keine Frage, der Verlust des Jobs ist ein harter Einschnitt - und das nicht nur finanziell: Arbeitslose leiden häufiger unter chronischem Stress als Manager, sie sind häufiger krank, werden träger und leiden häufiger unter Depressionen. Das belegen verschiedene Studien.

"Erwerbslose haben eine höhere Stressbelastung als Erwerbstätige", bestätigt auch Jörg Marschall vom Forschungsinstitut IGES. Arbeitslose machen sich demnach sehr viel mehr Sorgen. "Sie sagen: Ich schaffe es einfach nicht, die Leistung zu bringen, die von mir erwartet wird", so Marschall.

Doch ein Job ist leider kein Garant für Zufriedenheit: Zwar sind laut einer Untersuchung des US-Marktforschungsinstituts Gallup 49 Prozent der Arbeitslosen mit ihrem Leben unzufrieden. Menschen, die ihren Job hassen, sind aber mit 54 Prozent noch unglücklicher.

Das zeigt sich der Umfrage zufolge schon an Kleinigkeiten: 80 Prozent der Arbeitslosen geben an, oft zu lachen oder zu lächeln. Menschen, die ihren Job nicht mögen, haben mit 70 Prozent noch weniger Grund zu lachen. Die beste Laune haben die, die ihren Job mögen. Aso doch lieber arbeitslos als unzufrieden?

So finden Sie den Spaß im Job wieder!

  • Tipps vom Ex-Banker

    "Keinen Bock mehr?" lautet der Titel des Buches von Klaus Schuster. Der ehemalige Vorstand einer internationalen Bankengruppe gibt Tipps, wie Sie wieder mehr Spaß bei der Arbeit haben. Das Buch ist im Redline Verlag erschienen.

  • Bullshit-Jobs bekämpfen!

    Sie müssen die gleiche Tätigkeit immer wieder erfüllen - ohne, dass sich ein Sinn ergibt: Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Ist es zum Beispiel ein Statusbericht, greifen Sie auf den alten zurück und aktualisieren Sie lediglich die Daten. Wenn der Chef dahinterkommt, ist ein Gespräch immer noch möglich. Es ist die Entscheidung zwischen Kadavergehorsam und Emotional Leadership.

  • Seien Sie nicht die Spaß-Bremse!

    Ein langer Konflikt im Vorstand eines Unternehmens. Alle Beteiligten schreiben einen Brandbrief, der zur Klärung auffordert und mit Streik droht. Beteiligen Sie sich daran.

  • Entscheidungsprozesse optimieren!

    Wenn Arbeit keine Freude bereitet, dann liegt das oft daran, dass eine Entscheidung verschleppt wurde. Treffen Sie diese! Wenn Sie nicht zuständig sind, bringen Sie einen übergeordneten Entscheidungsträger auf Trab. Opfer haben wenig Spaß, Spaß haben die Gestalter.

  • Lassen Sie aus dem Spaß keine Sucht werden!

    Kennen Sie den Unterschied? In vielen Führungsjobs gibt es die Gefahr, dass man es mit dem Spaß übertreibt, einfach zu viel davon haben will. Es gibt Gründe, wieso einige Manager zerrüttete Familien haben, Ehefrauen sich scheiden lassen, die Gesundheit leidet und die Kinder verhaltensauffällig sind. Wieso? Weil man sich selbst verarscht. Spaß muss gemanagt werden - bevor man eine Überdosis davon schnupft. Sonst nutzt er nicht.

  • Erfolg ist keine Sünde, man schämt sich nicht dafür!

    Es eröffnet sich für Sie eine Chance, eine potentielle Erfolgsgelegenheit - hadern Sie nicht lange: Treffen Sie die Entscheidung. Sonst zieht sie an Ihnen vorbei. Es gilt: Du bist Manager! Du willst Erfolg! Und für Erfolg schämt man sicht nicht! Diese Imperative sollte man konsequent im Alltag beherzigen und verfolgen. Das ist Emotional Leadership.

  • Je mehr Offenheit, desto mehr Vertrauen!

    Wenn man Ihnen mit beruflichem Misstrauen begegnet, versuchen Sie die Gründe zu finden und reagieren Sie darauf. Sprechen Sie die Person darauf an. Vielleicht können Sie den Spieß sonst umdrehen. Seien Sie in jedem Fall so offen wie möglich - das schafft Vertrauen!

  • Menschen haben keine Freude an Produkten, sondern an Problemlösungen!

    Niemand braucht einen Hammer. Aber viele einen Nagel in der Wand. So weit der Leitspruch. Das sollte man auch im Geschäftsalltag beherzigen. Wenn es um den Verkauf geht zum Beispiel. Eine Schuhverkäuferin sollte es nicht darum gehen, um jeden Preis ein Paar zu verkaufen. Sondern als Emotional Leader auch dem Kunden ein gutes Gefühl mitgeben. Dann kommt er wieder.

  • Lernen Sie Ihre Präferenzen besser kennen!

    Je besser Sie sich selbst kennen, desto mehr Spaß haben Sie an Leben und Arbeit. Es gibt verschiedene Typen: Exra- und Introvertierte, Kopf- und Bauchmenschen, Praktiker und Visionäre, Ordnungsliebende und Spontane. Wenn Sie wissen, welcher Typ Sie selbst sind, können Sie Ihre eigenen Entscheidungen besser einschätzen und wissen, wie Sie damit umgehen sollten.

  • Bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu!

    Es geht um Mohrrüben: Chefetagen halten sie Managern gerne vor die Nase. Sie wollen den Mitarbeitern Anreize geben. Das führt oft dazu, dass man sich zu Falschem verleiten lässt und über das Ziel hinaus schießt. Vermeiden Sie Pyrrhus-Siege, lassen Sie sich nicht aufs Kreuz legen - bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu.

  • Spaß macht Erfolg!

    Sich die Zähne putzen - ob man dabei Spaß hat oder nicht, das Ergebnis ist das gleiche. Anders ist es im Job. Den großen Durchbruch, Quantensprünge im Job dagegen, das ist viel leichter, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben.

  • Freude ist ein Tool. Setzen Sie es verantwortungsvoll ein!

    Natürlich ist Freude eine Emotion, aber auch ein Tool. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Spaß abgekommen, verhalten Sie sich wie ein Emotional Leader: Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr und gehen Sie zum Beispiel für drei Tage in eine Therme. Sie sollten die Kontrolle über Ihren eigenen Spaß behalten.

  • Vertrauen ist Supermotivation!

    Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen: Nicht den Dumpfbacken und Lemmingen, wohl aber den selbstständig denkenden und engagierten Kollegen. Setzen Sie mehr kontrolliertes Vertrauen in Ihre Leistungsträger. Als Lohn bekommen Sie Motivation, Engagement, Respekt, Loyalität und Leistung.

  • Auch als Kopfmensch können Sie Ihr Bauchgefühl aktivieren!

    Zwei junge Leute kommen zu Reinhard, er ist im Vorstand einer Volksbank tätig. Als Bauchmensch will er ihnen eine Freude machen. Damit hilft er dem jungen Paar. Die sind so dankbar, dass sie bald darauf zu ihm kommen und ihr ganzes Geld mitbringen: Sie vertrauen ihm. Er soll alles anlegen. Die größte Freude ist das Vertrauen des Kundens. Es ist mehr wert als Preis, Qualität und Leistung. Deshalb versuchen Sie auch als Kopfmensch Ihr Bauchgefühl zu aktivieren.

  • Es zählen nicht nur Zahlen, Umsatz und Preis!

    Notieren Sie die Liste mit fünf Kundennamen. Was fällt Ihnen, wenn Sie die Namen durchgehen, bei den Einzelnen auf Anhieb ein. Dem Emotional Leader fällt sofort ein, was dem jeweiligen Geschäftspartner am meisten Spaß im Leben oder im Business bringt. Das ist das Sesam-öffne-dich jeder Verhandlung.

Abgesehen vom monetären Aspekt scheint das zuzutreffen: Forscher der Australischen Nationaluniversität in Canberra untersuchten mehr als 7.000 Erwachsene aus repräsentativ ausgewählten Haushalten über einen Zeitraum von sieben Jahren. Dabei verglichen sie die seelische Verfassung der Teilnehmer mit ihrem Berufsstand und den Arbeitsbedingungen - also etwa der Bezahlung, der Jobsicherheit, den beruflichen Anforderungen oder der Unterstützung am Arbeitsplatz.

Erwartungsgemäß waren arbeitslose Teilnehmer generell in schlechterer mentaler Verfassung als berufstätige Menschen. Aber bei näherer Analyse hing das Wohl der Beschäftigten wesentlich von der Qualität ihres Jobs ab. Fanden arbeitslose Teilnehmer eine gute Anstellung, so besserte sich ihr seelischer Zustand. Bekamen sie aber einen schlechten Job, so sank die psychische Verfassung vieler Menschen auf einen neuen Tiefpunkt.

Diese Berufe machen krank

  • Floristen

    Gemäß dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse fallen Gärtner und Floristen durchschnittlich 20,3 Tage im Jahr krankheitsbedingt aus. Schuld daran ist die ungesunde Arbeitshaltung, die diese Berufsgruppen größtenteils einnehmen müssen. Wer den ganzen Tag kniet oder hockt, tut seinen Knien und seinem Rücken nichts Gutes. Laut Statistischem Bundesamt müssen Floristen und Gärtner ihren Beruf besonders häufig aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

  • Metallbauer

    Im Schnitt fallen Metallbauer pro Jahr 20,7 Tage krankheitsbedingt aus. Und je älter, desto schlimmer wird es. Besonders häufig krank sind die 50- bis 64-Jährigen.

  • Krankenpfleger

    Patienten heben, waschen, tragen: Das geht auf Bandscheiben und Gelenke. Dementsprechend fallen Gesundheits- und Krankenpfleger an durchschnittlich 21,2 Tagen im Jahr aus. Krankenpfleger gehen auch häufig vorzeitig in den Ruhestand - und geben bei ihrem Renteneintritt meistens gesundheitliche Gründe an.

  • Berufskraftfahrer

    Am häufigsten krank sind Führer von Fahrzeugen und Transportgeräten mit 26,9 sowie Bus- und Straßenbahnfahrer mit 28 Krankentagen im Jahr. Meistens gehen sie aus gesundheitlichen Gründen früher in den Ruhestand.

"Nur mit dem richtigen Job sind die meisten Menschen wirklich glücklich und zufrieden", sagt auch Charles Purdy, Karriereexperte bei der Online-Stellenbörse Monster. Die Plattform hatte vor zwei Jahren knapp 3000 Arbeitnehmer zu ihrer Lebensqualität und ihrer Zufriedenheit mit ihrem Job befragt.

Rund 20 Prozent der Befragten gaben damals an, dass ihr Beruf entscheidend zu ihrer Lebensqualität beitrage. Nur 13 Prozent waren der Ansicht, dass Job allein dazu da sei, die Miete zu bezahlen. Für deutsche Arbeitnehmer hat die Zufriedenheit sogar einen besonders hohen Stellenwert: 76 Prozent gaben an, dass der richtige Job ausschlaggebend für Glück und Zufriedenheit sei.

Dementsprechend sollten wir vielleicht unsere Einstellung zur Arbeit überdenken. "Die Politik mit dem Grundsatz 'Hauptsache Arbeit' basiert auf der Auffassung, dass jeder Job besser ist als keiner, weil er das wirtschaftliche wie auch das persönliche Wohl steigert", schreiben die Forscher der Nationaluniversität Canberra in der Zeitschrift "Occupational and Environmental Health". Dabei werde die psychosoziale Qualität der Arbeit außer Acht gelassen. Was ein Fehler sei.

Weitere Artikel

Derzeit sind laut einer Arbeitsmarktstudie des Personalunternehmens Orizon allein in Deutschland 24,3 Prozent aller Arbeitnehmer unzufrieden mit ihrem Job - und suchen eine neue Stelle. Die Gründe für die schlechte Stimmung sind dabei vielfältig - vom jähzornigen Chef über fehlende Aufstiegschancen bis zu monotonen Aufgaben ist alles dabei.

"Die zunehmende Befristung von Stellen – selbst im Öffentlichen Dienst – verunsichert die Arbeitnehmer. Sogar wenn die Möglichkeit auf einen Anschlussvertrag besteht, schaut sich ein Arbeitnehmer mit Weitblick nach anderen Optionen um", sagt Dieter Traub, Geschäftsführer von Orizon. Dem wollen viele entfliehen.

Wer jeden morgen mit Bauchschmerzen zu Arbeit geht und abends mit Kopfschmerzen wieder nach Hause kommt, sollte nicht auf Dauer an dieser Stelle festhalten, riet auch Psychologin Ilona Bürgel im Interview mit der WirtschaftsWoche.

"Wenn es gar nicht geht, muss ich die Situation verlassen. Nämlich dann, wenn ich für mich entscheide, dass die Art mit Kunden umzugehen, mit Mitarbeitern umzugehen, die Arbeitszeiten oder was auch immer nicht gut für mich sind. Dann muss ich da raus."

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