Skype, FaceTime & Co. : Video-Konferenzen statt Geschäftsreisen

Skype, FaceTime & Co. : Video-Konferenzen statt Geschäftsreisen

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Arbeitnehmer fordern Videokommunikation von ihren Arbeitgebern.

Dem Team in Berlin schnell ein paar Unterlagen zeigen und erklären? Mit den Kollegen in Washington den neuen gemeinsamen Webshop planen? Mit Skype und Co. geht das günstig und schnell. Nur macht es kaum jemand.

Es könnte alles so einfach sein: Ein Programm lässt sich nicht richtig installieren? Der Kollege aus der IT-Abteilung überprüft via Teamviewer, woran es liegt. Der Chef hält an einem Standort einen wichtigen Vortrag? Die Kollegen aus den anderen Niederlassungen schalten sich per Video zu. Der Mehrwert von Videokommunikation für das Berufsleben ist da. Das sehen auch die Arbeitnehmer so, wie eine Umfrage von BlueJeans Network unter 4000 Arbeitnehmern aus vier Ländern zeigt. Schließlich nutzen sie auch privat Skype & Co., wenn sie mit ihren Freunden oder Angehörigen am anderen Ende der Welt reden wollen und setzen sich nicht ins Flugzeug.

"Wir beobachten es sehr häufig, dass der erste Schritt in Richtung Live-Video von den Mitarbeitern initiiert wird. Denn sie haben die Vorteile von Videokonferenzen wie effektives und flexibles Arbeiten sowie Zeit- und Kostenersparnisse längst erkannt", sagt James Campanini, Vice President des Anbieters cloudbasierter Videokonferenzlösungen. Konkret wollte BlueJeans Network, wissen, was die Beschäftigten über den Einsatz der Technologie am Arbeitsplatz denken und ob ihre Arbeitgeber derartige Kommunikationsmöglichkeiten anbieten.

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Unterwegs für den Chef: Was Angestellte über ihre Rechte auf Geschäftsreisen wissen sollten

  • Geschäftsreise: Pflicht oder Kür?

    Es gibt Berufe, bei denen sich die Frage eigentlich nicht stellt, ob eine Geschäftsreise angetreten werden muss. Vertriebsmitarbeiter, Manager und Außendienstangestellte können oft ihren beruflichen Verpflichtung gar nicht ohne solche nachkommen. Aber auch für alle anderen Angestellten gilt, dass eine vom Arbeitgeber angeordnete Reise unabhängig davon, was im Arbeitsvertrag vereinbart wurde, Pflicht sein kann. Voraussetzung ist, dass der Umfang der Reise zumutbar ist.

    Quelle: Flightright

  • Erarbeitete Bonusmeilen gehören dem Chef

    Wer beruflich viel unterwegs ist und zu Geschäftspartnern per Flugzeug reist, nimmt in der Regel auch an einem Bonus-Programm teil und sammelt fleißig Meilen. Das ist sinnvoll und von Vorteil – für den Arbeitgeber. Denn das Bundesarbeitsgericht entschied (Az.: 9 AZR 500/05), dass diesem die dienstlich gesammelte Bonusmeilen seines Angestellten zustehen. Denn demjenigen, in dessen Auftrag eine Geschäftsreise stattfindet und auf dessen Kosten diese durchgeführt wird, stehen auch die Sondervorteile der genutzten Fluggesellschaft zu. Die Abgabe der Bonusmeilen kann jedoch auch von den individuellen Regelungen des Arbeitsvertrags bzw. einer Betriebsvereinbarung abhängen. Eine so genannte Herausgabepflicht besteht laut Bürgerlichen Gesetzbuch (Paragraph 667 2. Alt. BGB) auch bei allen anderen Vorteilen, die einem Arbeitnehmer im Zusammengang mit seiner beruflichen Tätigkeit zuteil werden.

  • Entschädigung für Flugverspätung steht dem Angestellten zu

    Geschäftsreisen sind meistens streng durchgetaktet und schon alleine deshalb zuweilen nervenaufreibend. Wenn dann aber noch Verzögerungen hinzukommen, weil das Flugzeug verspätet oder aber gar nicht startet, gerät der Reisende schnell ins Schwitzen und muss nicht selten einen ganz neuen Plan aufstellen. Die EU-weit geltende Fluggastrechte-Verordnung (EG VO 261/2004) hat festgelegt, dass Passagiere entschädigt werden sollen, wenn sie aufgrund einer Flugverspätung oder -annullierung mehr als drei Stunden später als geplant ans Ziel kommen und die Fluggesellschaft diese Verzögerung verschuldet hat. „Die wenigsten Geschäftsreisenden wissen, dass ihnen als unmittelbar Betroffenen diese Entschädigung in Höhe von bis zu 600 Euro zusteht und nicht ihrem Arbeitgeber - auch wenn dieser das Ticket gezahlt hatte“, weiß Jonas Swarzenski, Leiter der Rechtsabteilung von flightright. „Und das gilt auch für alle dienstreisenden Beamte, wie das Bundesministerium des Innern seine Behörden in einem Schreiben bereits 2014 informierte“, ergänzt der Jurist.

  • Kein Dienstunfall bei privatem Vergnügen

    Wenn man schon für den Chef weit reist, dann möchte man auch nach getaner Arbeit etwas von der Fremde sehen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Denn wird man bei seinen privaten Ausflügen während einer Geschäftsreise überfallen und verletzt, gilt dies nicht zwingend als Dienstunfall und die gesetzliche Unfallversicherung tritt nicht in Kraft, bloß weil man sich auf Anordnung des Arbeitgebers fern der Heimat befindet. Wie das Wiesbadener Sozialgericht in einem Fall entschied, entfalle der Versicherungsschutz, wenn der Betroffene sich rein persönlichen und nicht mehr von der Betriebstätigkeit beeinflussbaren Belangen widme (SG Wiesbaden, Az.: S 1 U1528/04).

  • Zu Steuergunsten des Reisenden: Private Telefonate während der Geschäftsreise

    Dass während einer Geschäftsreise telefoniert werden muss, versteht jeder. Unterwegs sind  jedoch nicht nur Rücksprachen mit Kollegen, Partnern und den Arbeitgebern nötig, auch private Gespräche lassen sich häufig nicht verschieben. Der Bundesfinanzhof hat entschieden (Az.: VI R 50/10), dass Telefonkosten als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar sind, wenn Geschäftsreisende mindestens eine Woche aufgrund einer Tätigkeit oder einer Fortbildung außer Haus seien. In der Begründung hieß es, dass sich nach einer auswärtigen Tätigkeit von mindestens einer Woche die notwendigen privaten Dinge aus der Ferne nur mit Kosten regeln ließen, die über dem normalen Lebensbedarf lägen.

  • Unterwegs mit dem eigenen Auto: Bei Unfall zahlt der Arbeitgeber

    Nutzt ein Arbeitnehmer für einen dienstlich angeordneten Termin seinen eigenen PKW und hat auf dem Weg zu oder von diesem einen Unfall, kann er bei seinem Arbeitgeber für den Schaden Ersatz verlangen. Das Bundesarbeitsgericht setzt hierfür allerdings voraus, dass der Arbeitgeber die Fahrt genehmigt und der Arbeitnehmer den Unfall nur mit maximal leichter Fahrlässigkeit verursacht hat (BAG, Az.: 8 AZR 647/09).

  • Reisezeit geht nicht immer auf Arbeitszeitkonto

    Nicht jeder Arbeitnehmer hat das Glück, dass ihm sein Arbeitgeber die gesamte, für eine Geschäftsreise aufgebrachte Zeit vergütet oder gutschreibt. Mit Verweis auf den bestehenden Tarifvertrag hatte das Bundesarbeitsgericht (Az.: 9 AZR 519/05) die Klage eines Angestellten des öffentlichen Dienstes zurückgewiesen, der seine durch Hin- und Rückreise für auswärtige Termine aufgebrachten Überstunden gutgeschrieben haben wollte. Eine Geschäftsreise müsste generell jedoch weder entgelt- noch arbeitszeitrechtlilch als tatsächliche Arbeitszeit gewertet werden, wenn der Arbeitgeber es seinem Angestellten überlässt, wie er die Dienstreisezeit nutzt. Erst wenn der Geschäftsreisende diese An- und Abreisezeit nicht frei gestalten und somit als Erholungsphase nutzen kann, sondern auf Anordnung des Arbeitgebers mit dem eigenen PKW fährt oder aber beispielsweise sich auf der Hinreise auf den Geschäftstermin  vorbereitet, ist die investierte Zeit als Arbeitszeit zu quittieren. Allerdings ist dem Angestellten mindestens die tägliche regelmäßige Arbeitszeit zu vergüten – auch dann, wenn er während des auswärtigen Termins vor Ort weniger als seine Regelarbeitszeit gearbeitet hat.

  • Sonderregelung Außendienst

    Für Angestellte im Außendienst entschied der Europäische Gerichtshof erst im vergangenen September, dass bei diesen auch die An- bzw. Abreisereise zum ersten Termin bzw. vom letzten Termin zur Arbeitszeit zähle: Der Arbeitnehmer stünde hier nämlich während dieser Fahrzeiten dem Arbeitgeber zur Verfügung und unterstehe auch dessen kurzfristigen Anweisungen, beispielsweise in welcher Reihenfolge die Termine zu leisten sind. Von einer frei zu gestaltenden Zeit können folglich nicht die Rede sein.

Deutsche Unternehmen sind zurückhaltend

Die Antwort ist wenig überraschend: Nur eines von sieben Unternehmen bekommt von seinen Mitarbeitern die Note "sehr gut", was die Bereitstellung moderner Kommunikationstools angeht. Die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) gibt an, dass ihr Unternehmen immerhin dabei ist, neuartige Kommunikationstools zu testen.

Mehr als ein Drittel bemängelt jedoch, dass sich ihr Arbeitgeber nur sehr zögernd für neue Kommunikationstrends öffnet. Besonders deutsche Unternehmen hinken hinterher. So klagen hierzulande 52 Prozent der Umfrageteilnehmer darüber, dass ihr Unternehmen innovativen Technologien die kalte Schulter zeigt.

Dabei würde der Einsatz der Videotools viel Geld sparen. So sagt fast die Hälfte der deutschen Umfrageteilnehmer, dass sie viel seltener auf Geschäftsreisen wären, wenn sie mit Kunden oder Partnern Probleme einfach per Live-Video klären könnten. Entsprechend weisen 45 Prozent darauf hin, dass ein Vorteil der Videonutzung die Vermeidung von hohen Reisekosten für Bahn, Flieger und Hotel wäre. Von einer größeren Flexibilität und effektiveren Meetings einmal ganz zu schweigen.

Das sollte doch zumindest das Controlling überzeugen.

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