SMS, WhatsApp, Telefon: Warum wir in E-Mails nicht lügen

SMS, WhatsApp, Telefon: Warum wir in E-Mails nicht lügen

Täglich landen etwa eine Milliarde E-Mails in deutschen Postfächern. Das sollte uns freuen: Denn in Mails wird weniger gelogen als etwa am Telefon. Warum das so ist und wie Sie Lügen enttarnen.

Wenn Sie jemandem einen Bären aufbinden wollen, machen Sie das am besten via E-Mail. Das tut außer Ihnen nämlich so gut wie niemand, wie der kanadische Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Jeff Hancock herausgefunden hat. Er forscht an der Stanford University zum Verhalten im Netz.

Hancock zufolge lügen die Menschen am häufigsten beim Telefonieren. So kann das Gegenüber verräterische Anzeichen einer Lüge nicht sehen und es gibt keine Zeugen für das Gesagte.

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An zweiter Stelle folgt das direkte Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Erstaunlicherweise glaube die Mehrheit der Menschen, dass sie im direkten Gespräch eine Lüge erkennen würden, sagt Hancock. Die Quote liegt tatsächlich aber nur bei 54 Prozent. "Genauso gut könnte man eine Münze werfen." Seien Sie sich also bewusst: Wenn Sie jemand anlügt, dann wahrscheinlich am Telefon oder wenn er vor Ihnen steht.

Diese körperlichen Signale deuten auf eine Lüge hin

  • Diskrepanz zwischen verbalem und nichtverbalem Verhalten

    Laut den CIA-Agenten Philip Houston, Michael Floyd und Susan Carnicero - Autoren des Buches "Erkenne den Lügner" - gibt es einige körperliche Signale, die helfen, eine Lüge zu enttarnen. Eine häufige Diskrepanz zwischen verbalem und nichtverbalem Verhalten, auf die Sie achten sollten, besteht darin, dass Ihr Gesprächspartner bestätigend nickt, während er gleichzeitig "Nein" sagt, oder umgekehrt: Er sagt "Ja" und schüttelt dabei den Kopf.

  • Verbergen von Mund und Augen

    Wenn sich jemand die Hand vor den Mund hält, während er eine Frage beantwortet, hat das etwas zu bedeuten. Außerdem neigen wir alle von Natur aus dazu, uns vor der Reaktion eines Menschen abzuschirmen, den wir belügen. Wenn jemand bei der Antwort auf Ihre Frage also seine Augen abschirmt, verrät er damit auf unterbewusster Ebene womöglich, dass er Ihre Reaktion auf die faustdicke Lüge, die er Ihnen gerade erzählt, nicht mitansehen kann.

  • Räuspern und schlucken

    Wenn jemand sich vor seiner Antwort auf eine Frage räuspert oder deutlich spürbar schluckt, liegt hier womöglich ein Problem vor. Tut er das erst nach seiner Antwort, so brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen.

  • Gesicht, Hände und Kopf

    Achten Sie auf alles, was Ihr Gegenüber als Reaktion auf Ihre Frage mit seinem Gesicht oder Kopf anstellt. Vielleicht beißt oder leckt er sich die Lippen oder er zieht an seinen Lippen oder Ohren. Oder die betreffende Person ringt die Hände oder reibt sie sich.

  • Bewegung

    Wenn wir nervös sind, zeigt unser Körper das, beispielsweise durch sogenannte "Ankerpunkt"-Bewegungen. Die Ankerpunkte eines Menschen sind jene Körperteile, die ihn an einem bestimmten Punkt oder in einer bestimmten Position verankern. Wenn er steht, sind die Füße seine primären Ankerpunkte. Wer von einem Fuß auf den anderen tritt, gibt so seiner Anspannung ein Ventil. Wenn jemand auf einem Stuhl sitzt, sind die primären Ankerpunkte sein Gesäß, sein Rücken und seine Füße. Rutscht er im Stuhl hin und her oder wippt vor und zurück?

  • Zupfen und Streichen

    Manche Menschen versuchen ihre Nervosität auch durch Gesten zu vertreiben: Sie streichen oder zupfen an sich selber oder an irgendwelchen Gegenständen in ihrer unmittelbaren Umgebung herum.

  • Schwitzen

    Dass jemand schwitzt, ist unerheblich, aber wenn er sich bei seiner Antwort den Schweiß mit einem Taschentuch oder mit der Hand von der Stirn wischt, ist das ein Alarmsignal.

  • Beschäftigung mit Gegenständen

    Manchmal räumt jemand, der eine Lüge erzählt, auch plötzlich sein näheres Umfeld auf: Man stellt ihm eine Frage und plötzlich muss das Telefon zurechtgerückt werden, das Glas Wasser steht zu nah oder der Bleistift liegt nicht am richtigen Ort.

Dass jemand in einer WhatsApp-Nachricht lügt, ist dagegen relativ unwahrscheinlich. In Hancocks Ranking der ehrlichsten Medien liegt sie auf Platz drei. Auf Platz zwei folgt die SMS, auf Rang eins die gute alte E-Mail. Weil sie gespeichert und weitergeleitet werden können, flunkern Menschen dort weniger. Schließlich gibt das geschriebene Wort dem Belogenen einen Beweis an die Hand. "Das habe ich so nie gesagt", zählt nicht. Wer etwas aufschreibt, muss also zwangsläufig gewissenhafter sein.

Außerdem komme die E-Mail hauptsächlich im beruflichen Kontext zum Einsatz, wo nicht ganz so viel geflunkert wird, wie privat, erklären die Forscher.

Mit diesen Fragen bringen Sie Lügen ans Licht

  • Keine negativen Fragen stellen

    In Situationen, in denen wir nicht die Antwort bekommen, mit der wir gerechnet haben, greifen wir oft zu negativ formulierten Fragen. Angenommen, Sie fragen eine Autofahrerin, ob sie schon einmal die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten hat, und sie antwortet darauf: "Nein, noch nie." Diese Antwort wird Sie vermutlich überraschen, also haken Sie spontan noch einmal nach: "Sie haben noch niemals die Höchstgeschwindigkeit überschritten? Wirklich noch nie?" Doch damit bestärken sie Ihren Gesprächspartner, bei seiner Antwort zu bleiben.

  • Fragenprolog

    Beginnen Sie Ihre Frage mit einer Einleitung: "Als Nächstes möchte ich Sie nach XYZ befragen. Bevor wir auf dieses Thema eingehen, will ich Ihnen erklären, warum diese Frage wichtig ist und worum es uns geht." Legitimierungen führen dazu, dass Menschen die Frage ehrlicher beantworten. Auch Rationalisierungen eignen sich sehr gut als Prolog zu einer Frage. Zum Beispiel: "Niemand ist perfekt" oder "Jeder macht einmal etwas falsch". Das kann enorm dazu beitragen, Ihren Gesprächspartner für die Frage zu öffnen, die Sie ihm stellen möchten. Auch durch Minimierung können Sie verhindern, dass sich jemand hinter seiner Lüge verschanzt – zum Beispiel mit Äußerungen wie: "Wir möchten diese Angelegenheit ja nicht unnötig aufbauschen."

  • Verdachtsfragen

    Es ist wichtig, zwischen Verdachtsfragen und Suggestivfragen zu unterscheiden. Mit einer Suggestivfrage versucht man den Gesprächspartner zu beeinflussen und ihm eine bestimmte Antwort in den Mund zu legen: "Sie haben doch gestern Abend das Geld genommen?" Eine Verdachtsfrage ist: "Was ist gestern Abend mit dem Geld passiert?" Der Unschuldige sagt "Keine Ahnung." Wer schuldig ist, muss nachdenken und sagt also eher: "Sie fragen mich, was da passiert ist? Woher soll ich denn das wissen?"

  • Köderfragen

    Eine klassische Köderfrage wäre "Könnte es einen Grund geben, warum jemand behauptet, Sie hätten das Geld genommen?" Es handelt sich um eine hypothetische Frage, die auf einem psychologischen Prinzip namens "Gedankenvirus" beruht. Wenn der Kollege auf Sie zukommt und sagt: "Die Chefin möchte dich sofort in ihrem Büro sprechen", schlägt ein solches Gedankenvirus zu. Wir machen uns nämlich sofort Gedanken darüber, was wir angestellt haben könnten, was uns jetzt droht und spielen alle Konsequenzen durch.

  • Bestrafungsfragen

    Fragen Sie: "Was sollte Ihrer Meinung nach mit der Person passieren, die das getan hat?" Wenn Sie jemanden befragen, der kein reines Gewissen hat, fordern Sie die verdächtige Person mit dieser Frage im Grunde genommen dazu auf, sich selbst zu verurteilen. Dahinter steht die Theorie, dass jemand, der schuldig ist, naturgemäß eine ziemlich milde Strafe vorschlagen wird. Wer unschuldig ist, wird sich dagegen wohl für eine strengere Bestrafung aussprechen.
    Das Problem mit dieser Theorie ist nur, dass Lügner und Betrüger immer nach Möglichkeiten suchen, unsere Wahrnehmung ihres Charakters zu manipulieren: Ignorieren Sie also die Forderung nach einer harten Strafe, aber werden Sie bei zu milden Strafen hellhörig.

  • Allgemeine Frage

    Mit solchen Fragen kann man Lügen vom Weglassungstyp auf die Schliche kommen. "Gibt es noch irgendetwas Wichtiges zu Ihrer Beziehung mit dieser Person, das wir bisher nicht besprochen haben?" oder "Gibt es noch irgendetwas, was ich wissen sollte und worüber wir bisher nicht gesprochen haben?"

Und wer doch via Messenger oder SMS lügt, schreibt laut Hancock "Ich bin unterwegs", obwohl er noch auf der Couch sitzt. Die großen Lügen hebt man sich dann für das Telefonat auf.

Dass die Menschen in der digitalen Welt ehrlicher sind, als in der analogen, stimmt so aber auch nicht. Gerade auf Bewertungsportalen werde gelogen, dass sich die Balken biegen. Zumindest, wenn man die gefälschten Bewertungen von Agenturen oder den Herstellern miteinbeziehe. Diese falschen Bewertungen könne man jedoch leicht erkennen, so Hancock.

Diese Antworten weisen auf eine Lüge hin

  • Ausweichmanöver

    Wer beschuldigt wird, etwas bestimmtes getan zu haben, wird sich in einem besseren Licht dastehen lassen. Auf die Frage: "Haben Sie das Geld gestohlen?" antwortet der Lügner nicht mit "nein", sondern mit: "Ich arbeite schon seit 20 Jahren in diesem Unternehmen und stehe kurz vor der Pensionierung. Wieso sollte ich jetzt auf die Idee kommen und so etwas tun?"

  • Unspezifische Verneinungen

    Wer etwas nicht getan hat, sagt: Nein, das war ich nicht. Sagt das Gegenüber dagegen: "Ich habe doch gar nichts gemacht" oder "So etwas würde ich nie tun" sollten Sie hellhörig werden.

  • Langatmige Antworten

    Wenn jemand Ihre Frage nach einem Fehlverhalten verneint, dieses "Nein" aber in eine weitschweifige Antwort kleidet, sollten Sie hellhörig werden. Wenn der Prozentsatz der Antwort, der sich auf die Verneinung bezieht, relativ klein ist, so ist das ein ausgesprochen schlechtes Zeichen. So etwas können Sie getrost als Lügenindiz werten.

  • Aussage, die keine Antwort ist

    Dahinter steckt ein ganz ähnlicher psychologischer Mechanismus wie hinter der Wiederholung einer Frage: Ihr Gegenüber möchte peinliches Schweigen vermeiden und Zeit gewinnen, um sich eine Antwort zu überlegen. Typische Floskeln, mit denen man die Antwort auf eine Frage umgeht, sind zum Beispiel: "Das ist eine gute Frage" oder "Ich bin froh, dass Sie diese Frage gestellt haben."

  • Wiederholen der Frage

    Wer eine Frage wiederholt, will Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Durch diese Wiederholung kann man zwar nur zwei bis drei Sekunden herausschinden. Aber wenn jemand zehnmal so schnell denkt, wie er spricht, dann hat er de facto 20 bis 30 Sekunden gewonnen, in denen er sich hoffentlich eine gute Antwort zurechtlegen kann. Aber Vorsicht: Es gibt durchaus legitime Gründe dafür, eine Frage zu wiederholen – vielleicht hat Ihr Gesprächspartner sie nicht gehört oder möchte sich vergewissern, ob er Sie richtig verstanden hat. Und manchmal ist das auch einfach nur eine Angewohnheit.

  • Verbale Angriffe

    Wenn jemand sich durch die Fakten einer Situation in die Enge getrieben fühlt, empfindet er das normalerweise als ziemlich belastend. Oft sieht so jemand sich dann gezwungen, zum Angriff überzugehen. Vielleicht versucht er Ihre Glaubwürdigkeit oder Kompetenz anzuzweifeln, und zwar normalerweise mit Fragen wie: "Warum vergeuden Sie meine Zeit, indem Sie mir das erzählen?" Kinder versuchen es bei Auseinandersetzungen mit ihren Eltern sehr oft mit dieser Strategie. Fragen wie "Warum hackst du immer auf mir herum?" oder "Warum hast du kein Vertrauen zu mir?" fallen zum Beispiel in diese Kategorie.

  • Übertrieben höfliche Antworten

    Wenn jemand als Reaktion auf eine Frage plötzlich übertrieben höflich wird, ist das ein Alarmsignal. Vielleicht sagt diese Person dann bei einer bestimmten Antwort: "Ja, mein Herr" oder baut ein Kompliment in ihre Antwort ein: "Das ist aber eine schöne Krawatte, die Sie da anhaben." Welche Strategie dahintersteckt, liegt auf der Hand: Je mehr Sympathien wir für unseren Gesprächspartner haben, umso eher sind wir geneigt, ihm zu glauben.

  • Herunterspielen der Frage

    Wer etwas zu verbergen hat, befindet sich in einem Dilemma, aus dem er sich befreien muss: Die Tatsachen sprechen gegen ihn, also wird er vielleicht versuchen, die Bedeutung der Sache, um die es geht, herunterzuspielen: "Wieso ist denn das so wichtig?" oder "Warum regen sich die Leute so sehr darüber auf?" Unter Umständen wird er sogar versuchen, die Sache ins Lächerliche zu ziehen.

  • Verzögerungstaktik

    Manche Menschen, die ein schlechtes Gewissen haben, greifen ihren Gesprächspartner nicht direkt an, sondern erheben Einwände gegen seine Vorgehensweise. In diese Kategorie fallen Sätze wie: "Warum fragen Sie mich danach?" oder "Wie lange wird diese Befragung dauern?"

  • Verweis auf zuvor Gesagtes

    Manchmal weisen Menschen, die etwas zu verbergen haben, darauf hin, dass sie die betreffende Frage früher schon einmal beantwortet haben: "In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auf meine frühere Stellungnahme verweisen, in der ich gesagt habe …" oder "Wie ich schon beim letzten Mal erklärt habe …" oder "Wie wir in unserem Geschäftsbericht bereits mehrfach erwähnt haben …"

  • Schwüre

    Wenn jemand Gott ins Spiel bringt, ist das eine extreme Form von Verschleierungstaktik. Also lassen Sie sich von Redensarten wie "Ich schwöre bei Gott" nicht beeindrucken, sondern erkennen Sie sie als das, was sie höchstwahrscheinlich sind: den Versuch Ihres Gesprächspartners, eine Lüge in ihrem besten Sonntagsanzug herauszuputzen, ehe er sie Ihnen auftischt.

  • Einschränkungen

    Es gibt zwei verschiedene Arten von Einschränkungen, die auf eine Lüge hindeuten: verschleiernde Einschränkungen und der Glaubwürdigkeit dienende Einschränkungen. Mithilfe verschleiernder Einschränkungen kann jemand eine Frage ehrlich beantworten, ohne die heikle Information preisgeben zu müssen. Beispiele für solche Floskeln sind: "im Grunde genommen", "größtenteils", "im Prinzip", "wahrscheinlich", "eigentlich", "so etwas Ähnliches wie" oder "meistens". Mit der Glaubwürdigkeit dienenden Einschränkungen will Ihr Gesprächspartner glaubwürdig erscheinen, zum Beispiel, indem er Floskeln wie "offen gesagt", "um ganz ehrlich zu sein" oder "um die Wahrheit zu sagen" nutzt.

Anders als echte Kunden schreiben die Fälscher nämlich regelrechte Abenteuergeschichten, in denen Häufig das Wörtchen "Ich" auftaucht. Wer wirklich ein Hotel loben möchte, schreibt aber nicht: "Ich habe die Aussicht sehr genossen" oder "Ich habe wunderbar gegessen", sondern: Das Zimmer war schön, das Essen im Restaurant lecker, das Personal freundlich.

Und auch mit Superlativen wirft der normale Kunde in der Regel nicht um sich. Bezahlte Agenturen kommen aus dem "großartig", "toll" und "wunderschön" dagegen gar nicht mehr heraus. Aber im Grunde sei die Mehrheit der Menschen bemüht, ehrlich zu sein. Das zeige sich selbst im Digitalen: Schließlich behandeln die vielen Airbnb-Kunden ihre Wohnungen auf Zeit genauso pfleglich, wie das Car-Sharing-Auto oder die über "Rent the Runway" geliehene Abendgarderobe. Der Grund ist laut Hancock nicht nur die Angst, erwischt zu werden: "Wir wollen, wenn wir in den Spiegel schauen, einen ehrlichen Menschen sehen."

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