Sport und Karriere: Wie Sportlern duale Karrieren gelingen

Sport und Karriere: Wie Sportlern duale Karrieren gelingen

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Top im Sport, top an der Uni?

Siege sind nicht genug. Viele Top-Athleten studieren neben dem Sport. Auch darin sind sie oft spitze. Welche Fähigkeiten ihnen dabei helfen - eine Analyse.

Der Tagesablauf von Top-Athleten ist komplett durchgetaktet: Ausgewogenes Frühstück am Morgen, am Vormittag und Nachmittag Training, abends zeitig ins Bett. Wo bleibt da noch Zeit für Vorlesungen, Prüfungen und Referate? Doch vielen Spitzensportlern gelingen Spitzenleistungen in Studium und Beruf.

Ein prominentes Beispiel: der heutige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach. Er war Olympiasieger im Fechten und studierte parallel Jura. Schließlich promovierte er - mit summa cum laude. Welche Fähigkeiten zeichnen Athleten aus, die ihnen auch in der Karriere helfen? Und was kann zum Scheitern führen?

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Welche Fähigkeiten bei Sport und Karriere wichtig sind

  • Disziplin und Konzentrationsfähigkeit

    „Leistungssportler lernen von der Pike auf Disziplin. Sie lernen, die Zeit optimal zu nutzen“, erklärt Diplom-Sportwissenschaftler und Sportpsychologe Moritz Anderten. Sportler könnten sich zielorientiert sehr gut konzentrieren. Das beweist auch das Beispiel Wolfgang Maennig, Ruder-Olympiasieger und Professor für Wirtschaftspolitik. Er promovierte noch während seiner aktiven Zeit. In den Rennpausen saß er abseits und wälzte in seinen Studienbüchern: „Ich hab mir damals immer gesagt: Du hast jetzt genau drei Stunden zum Schreiben und den Rest des Tages musst du trainieren“, sagt Maennig.

    Außerdem haben Leistungssportler häufig einen physischen Vorteil: Es sei bekannt, dass sich gute konditionelle Werte positiv auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken, erklärt Anderten.

  • Freizeit ist sekundär

    Zig Stunden Training in der Woche, regelmäßige Trainingslager, Wettkämpfe, kaum freie Wochenenden, rackern und schuften bis der Körper nicht mehr kann - das alles ist für Topathleten selbstverständlich. Leistungssportler hätten gelernt, „ihre Ärmel hochzukrempeln“, sagt der Bundestrainer des Deutschland-Achters Ralf Holtmeyer. „Sie sind gewohnt, ihre Freizeitinteressen hinten anzustellen.“ Vielleicht mache sie das ja dann auch im Job erfolgreicher, wenn sie nicht immer schon an den Feierabend denken, vermutet der Erfolgscoach.

  • Ehrgeiz und Teamfähigkeit

    Was ist tatsächlich an der These dran, dass Hochleistungsathleten erfolgreicher in ihrem Studium oder im Beruf sind als Nichtsportler? Eine Studie, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe entstand, legt einen Zusammenhang nahe. Die Wissenschaftler untersuchten den beruflichen Erfolg anhand des Einkommens. Das Ergebnis: Je nach Analyse weisen die rund 260 befragten ehemaligen Leistungssportler ein um 600 bis 900 Euro höheres monatliches Einkommen auf als Nichtsportler. Ehemalige Mannschaftssportler verdienen nochmals mehr.

    Eine eindeutige Erklärung dafür finden die Wissenschaftler nicht. Doch eine Vermutung liegt nahe: Sie glauben, dass der Sport Charaktereigenschaften wie zum Beispiel Ehrgeiz, Ausdauer und Leistungsbereitschaft fördert, die auch im Beruf von Vorteil sind.

  • Balance beflügelt

    Eine weitere Erklärung liefert Triathletin Sophia Saller. Die 21-Jährige arbeitet sich derzeit nicht nur an die Weltspitze heran, sie studiert auch noch parallel Mathematik an der Elite-Uni Oxford und macht gerade ihre Master-Prüfungen. Zur EM im vergangenen Juni in Kitzbühel reiste sie unmittelbar nach der Bachelorprüfung an und gewann überraschend die Silbermedaille. Für Saller ist die duale Karriere eine Bereicherung. „Ich wüsste nicht, wie ich dem Druck im Leistungssport und dem akademischen Druck an einer der Top-Universitäten weltweit standhalten könnte, wenn ich nicht die Balance zwischen beiden hätte“, schreibt Saller auf ihrer Homepage.

  • Organisationsfähigkeit und Finanzen

    „Du musst die Ziele klar definieren - im Sport und im Beruf. Umso größer ist der Erfolg“, sagt der ehemalige Hockey-Spieler Michael Green, der heute als Orthopäde arbeitet. Eine der wichtigsten Faktoren sei zudem die Organisationsfähigkeit. Während andere auf den Zugfahrten zu den Spielstätten rumdaddelten und Musik hörten, schlug Green seine Medizin-Bücher auf. „Und normal gefeiert habe ich auch“, nur Zeit für einen Nebenjob blieb da nicht. Deshalb weist er darauf hin, wie wichtig die finanzielle Unterstützung der Stiftung Deutsche Sporthilfe war, die heute 3800 Athleten mit mehr als 12,5 Millionen Euro jährlich unterstützt.

Nachholbedarf in punkto Karriereplanung gibt es häufig bei den Fußballern. Gerade einmal 15 Prozent der aktiven Spieler haben eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium abgeschlossen. Das Institut für Sportmanagement der Hochschule Koblenz hat dafür gemeinsam mit der deutschen Spielergewerkschaft VDV knapp 20 Prozent der deutschen Fußball-Profis befragt. Immerhin: 72 Prozent der Befragten haben laut der jüngsten Studie Abitur oder die Fachhochschulreife - im Vergleich zu 60 Prozent im Jahr 2012.

Unabhängig von der Sportart entscheiden sich zahlreiche Sportler aufgrund des Studiums und der Karriere dazu, ihre Laufbahn als Leistungssportler zu beenden. 37,1 Prozent von rund 1500 Spitzensportler nennen dies in einer Umfrage als Grund. Verletzungen (10,5 Prozent) und Finanzen (4,2 Prozent) spielen nur eine untergeordnete Rolle, wie eine aktuelle Befragung der Sporthochschule Köln und der Deutschen Sporthilfe zeigt. „Karriere und Sport zu vereinen, ist eher schwieriger geworden“, glaubt auch Holtmeyer. Weil der Wehrdienst weggefallen und das Abitur verkürzt wurde, könnten die Nichtsportler noch schneller studieren und der Konkurrenzdruck bei der beruflichen Ausbildung sei weiter gewachsen. „Parallel sind die Anforderungen an Leistungssportler noch gestiegen.“

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