Stephans Spitzen: Glück statt Planwirtschaft

kolumneStephans Spitzen: Glück statt Planwirtschaft

Kolumne von Cora Stephan

Frauen verdienen in Deutschland deutlich weniger als Männer. Das aber ist keine schreiende Ungerechtigkeit, sondern eine Folge der unterschiedlichen Entscheidungen von Menschen.

„Ich bin keine Feministin, ich bin Egoistin“, schrieb die 23-jährige Ronja von Rönne kürzlich in einem Debattenbeitrag für die „Welt“ und erntete viel Zustimmung. Und einen Shitstorm, natürlich, bei den feministischen Frauen und Männern. Denn der Feminismus ist wie die Gewerkschaftsbewegung: Vorwärts und nicht vergessen – die Solidarität! Was den einen die Arbeiter, sind den anderen die Frauen, als deren VertreterInnen auf Erden sie sich fühlen. Sofern es sich nicht um niedliche Mädchen mit „Pausbäckchen“, einem „von“ im Namen und Modelkarriere handelt, die „Textchen“ schreiben - Solidarität gibt es nur für Gleichgesinnte.

Anzeige

Es ist schon verblüffend, wie schnell noch immer nach der Kandare gerufen wird, wenn jemand es wagt, sich nicht einzureih’n im Kampf an vorderster Front. Kampf natürlich nicht für die eigenen Rechte, die man als „privilegiertes“ Jungding offenbar nicht hat, sondern für die Entrechteten und Geknechteten, als die sich Frauen selbst im genderwahnsinnigen Deutschland noch zu fühlen haben, glaubt man den Bewegten.

Feminismus ist zur "Charityaktion" geworden

Verblüffend ist auch der rohe Ton, der gegenüber der Autorin angeschlagen wird: da werden selbst FrauenfreundInnen ganz macho, da wird verkleinert und diffamiert und Dreiundzwanzigjährige zählen plötzlich nicht mehr zu Erwachsenen, die auch mal eine eigene Meinung haben dürfen.

Gleichberechtigung Kluge Anleitung für eine geschlechtergerechte Welt

Anke Domscheit-Berg hat ein intelligentes Buch über Gleichberechtigung geschrieben. Darin macht sie sich zu einer pragmatischen Vordenkerin für eine gerechtere Welt.

Publizistin Anke Domscheit-Berg. Quelle: CC-BY Julia Tham

Ist denn Ronja von Rönnes Analyse so falsch, dass der Feminismus heute eine Art „Charityaktion“ der privilegierten für unterprivilegierte Frauen geworden ist, „Symptom einer Empörungskultur, die sich fester an die Idee der Gleichheit klammert als jedes kommunistische Regime“? „Mir ist mein Glück wichtig“, schreibt sie. „Dafür kämpfe ich. Nicht für die Planwirtschaft einer Fünfzig-Prozent-Ideologie.“

Das, scheint mir, ist der Punkt. Das Recht, nach individuellem Glück zu streben, steht in der amerikanischen Verfassung, doch leider nicht im Grundgesetz, bei uns darf man nur fürs Glück aller kämpfen – und wehe, das individuelle Glück steht dem Goldenen Kalb im Wege, das da Gleichheit heißt.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

  • Wie werden die 21 Prozent errechnet?

    Die Berechnung stützt sich allein auf den durchschnittlichen Stundenlohn. Aus den 21 Prozent lässt sich also nicht ableiten, dass alle Frauen in Deutschland 21 Prozent weniger als Männer verdienen. Die Qualifikation der Beschäftigten und ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten, wird nicht berücksichtigt. Daran stören sich Kritiker. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet zum Beispiel ein, die Berechnung sei „kein Indikator für mögliche Diskriminierung, denn er vergleicht eben gerade nicht vergleichbare Tätigkeiten miteinander“.

  • Warum gibt es die Ungleichheit?

    Die Statistiker führen rund zwei Drittel der Differenz darauf zurück, dass Frauen in eher schlechter bezahlten Berufen tätig sind - zum Beispiel als Reinigungskraft (Frauenanteil 85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent). Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, deutlich weniger in höheren Führungsebenen.

    Das letzte Drittel der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern lässt sich daraus aber nicht erklären: Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienen Frauen auch bei ähnlicher Tätigkeit und Qualifikation im Schnitt sieben Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. Das wird unter anderem damit erklärt, dass Frauen häufiger eine Auszeit vom Beruf nehmen - um sich um Kinder zu kümmern oder Angehörige zu pflegen. Und sie treten bei Gehaltsverhandlungen anders auf.

  • Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?

    Denkbar schlecht. EU-weit betrug der Rückstand 2013 lediglich 16 Prozent. In Slowenien zum Beispiel verdienten Frauen im Schnitt 3,2 Prozent weniger als Männer, in Italien 7,3 Prozent. Nur in Estland (30 Prozent), Österreich (23 Prozent) und Tschechien (22 Prozent) war die Lücke noch größer als hierzulande.

  • Wird die Lücke durch den Mindestlohn korrigiert?

    Davon gehen Experten zumindest aus. „Wenn der Mindestlohn eingehalten wird, werden Frauen davon profitieren, weil eben der größere Teil derjenigen, die unter 8,50 Euro verdient haben, Frauen waren“, sagt Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen solchen Effekt. Erhebungen gibt es aber noch nicht.

  • Wie soll die Ungleichheit sonst noch überwunden werden?

    Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, die Entwicklung zumindest abzumildern. Ein Ziel ist demnach, dass Unternehmen ab 500 Beschäftigte künftig transparenter machen sollen, was Frauen und Männer verdienen. Einen Gesetzesentwurf gibt es allerdings noch nicht.

Frauen entscheiden anders als Männer

Denn darum scheint es auf denkbar phantasielose Weise nur noch zu gehen, schaut man sich die Debatte um den berühmten „Gender Pay Gap“ an, gegen den alljährlich am „Equal Pay Day“ demonstriert wird. Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen hierzulande im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Das wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, stimmte es denn so. Schaut man jedoch genauer hin, liegen dieser Schere nicht Ungerechtigkeit und Unterdrückung zugrunde, sondern die unterschiedlichen Entscheidungen von Menschen, die unterschiedliche Vorstellungen von Glück haben. Der Unterschied schmilzt auf, je nach Berechnung, zwei bis sieben Prozent, wenn man diese Entscheidungen berücksichtigt.

Denn seit sie frei wählen dürfen, entscheiden sich Frauen anders als Männer: weit häufiger etwa für die weniger karriereträchtigen Ausbildungen und Berufe. Überdies unterbrechen sie ihre Berufstätigkeit öfter und für längere Zeit und sie arbeiten weit häufiger in Teilzeit. Zwischen 30 und 40 Jahren wird die Differenz am größten, denn wenn Männer Karriere machen, bekommen Frauen Kinder. Das, genau das unterscheidet Männer und Frauen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%