Strategie: Wer Wissen weitergibt, gewinnt

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Strategie: Wer Wissen weitergibt, gewinnt

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Wer anderen unter die Arme greift, ist meist erfolgreicher als Egoisten

Kommilitonen beim Lernen helfen, Wissen mit Kollegen teilen, Zeit haben für die Nöte der Mitarbeiter: US-Psychologe Adam Grant zeigt, warum großzügige Geber langfristig erfolgreicher sind als rücksichtslose Egoisten. Ein exklusiver Vorabdruck seines neuen Buchs "Geben und Nehmen".

An einem sonnigen Samstagnachmittag standen zwei stolze Väter am Rand eines Fußballplatzes im Silicon Valley. Sie schauten ihren kleinen Töchtern beim Spielen zu, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auf ihre Arbeit zu sprechen kamen: Der eine war Danny Shader, ein Serienunternehmer, der bei Netscape, Motorola und Amazon gearbeitet hatte. Er war gerade dabei, sein viertes Start-up zu realisieren. Der andere, David Hornik, hatte sich seine Brötchen mit Investitionen in Unternehmen verdient. Horniks Spezialgebiet waren Internet-Firmen, deshalb schien er Shader ein idealer Investor zu sein. Das Interesse war gegenseitig: 1999 war Shaders erstes Start-up, Accept.com, für 175 Millionen Dollar von Amazon erworben worden. Und 2007 hatte Motorola seine nächste Firma, Good Technology, für 500 Millionen Dollar gekauft. Shaders neueste Idee: Fast ein Viertel aller Amerikaner haben Schwierigkeiten bei Online-Käufen, weil sie weder Bankkonto noch Kreditkarte besitzen. Für dieses Problem bot Shader eine innovative Lösung an.

Erfolg hängt vom Umgang ab

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Hornik wollte Shaders Unternehmen finanzieren. Wenn er zum Zug kommen wollte, bestand die beste Methode darin, Shader nur wenig Zeit für seine Entscheidung zu lassen. So versuchen viele Risikoanleger, die Chancen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Hornik setzte Shader jedoch keine Frist. "Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie brauchen, um die richtige Entscheidung zu treffen", sagte er. Genau das tat Shader. Ein paar Wochen später klingelte Horniks Telefon. "Tut mir leid", sagte Shader, "aber ich werde mit einem anderen Investor zusammenarbeiten."

David Hornik lernte es auf die harte Tour: Die Guten haben immer das Nachsehen. Oder nicht?

Erfolg hängt in hohem Maße davon ab, wie wir an unsere Interaktionen mit anderen Menschen herangehen. Jedes Mal, wenn wir bei der Arbeit mit einer anderen Person interagieren, müssen wir eine Entscheidung treffen: Versuchen wir, so viel wie möglich für uns herauszuholen, oder investieren wir, ohne uns Gedanken darüber zu machen, was wir dafür bekommen?

Adam Grant: "Geben und Nehmen - Erfolgreich sein zum Vorteil aller", Droemer Verlag 2013, Preis: 19,90 Euro Quelle: PR

Adam Grant: "Geben und Nehmen - Erfolgreich sein zum Vorteil aller", Droemer Verlag 2013, Preis: 19,90 Euro

Bild: PR

Nehmer möchten mehr bekommen, als sie geben. Sie glauben, dass die Welt von Konkurrenz geprägt sei und dass jeder nur an sich selber denke. Sie sind davon überzeugt, dass sie besser sein müssen als andere, um Erfolg zu haben. Um ihre Kompetenz zu beweisen, beweihräuchern sie sich selbst und sind darauf erpicht, möglichst viel Anerkennung für ihre Bemühungen zu ernten.

Geber ziehen es vor, mehr zu geben, als sie bekommen. Dabei geht es nicht um Geld – etwa, wie viel sie spenden oder wie hoch ihr Gehalt ist. Sondern um ihre Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen. Nehmer helfen anderen aus taktischen Gründen, sofern der Nutzen, den sie daraus ziehen, ihre persönlichen Kosten überwiegt. Geber helfen immer dann, wenn der Nutzen für andere ihre persönlichen Kosten übersteigt.

An der Spitze der Erfolgsleiter stehen die Geber

Es scheint, als wären Geber über alle Berufe hinweg einfach zu fürsorglich, zu vertrauensvoll und zu willig, ihre eigenen Interessen zum Nutzen anderer zu opfern. Es gibt sogar Untersuchungsergebnisse, denen zufolge Geber im Vergleich zu Nehmern durchschnittlich 14 Prozent weniger verdienen und ein doppelt so großes Risiko haben, einem Verbrechen zum Opfer zu fallen. Hinsichtlich Macht und Dominanz werden sie um 22 Prozent schwächer eingeschätzt als Nehmer. Wenn Geber also mit größter Wahrscheinlichkeit am Fuß der Erfolgsleiter landen, wer steht dann am oberen Ende? Es sind wieder die Geber.

Sie haben in allen Berufen die besseren Chancen, Cracks zu werden – und nicht bloß Krücken. Geber stellen das gängige Modell, zuerst Erfolg zu haben und später etwas zurückzugeben, auf den Kopf und führen uns vor Augen, dass diejenigen, die zuerst geben, oftmals die beste Ausgangsposition für den späteren Erfolg haben. Der Erfolg von Gebern verstärkt den Erfolg der Menschen in ihrer Umgebung. "Man kann ein Geber sein", sagt Bobbi Silten, Ex-Präsidentin der Schuhmarke Dockers, jetzt bei der Modekette Gap für die Sozial- und Umweltpolitik des Unternehmens zuständig, "und erfolgreich."

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