Stress im Job : Diese Dinge machen uns bei der Arbeit krank

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Stress im Job : Diese Dinge machen uns bei der Arbeit krank

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Arbeit kann krank machen.

von Lisa Oenning

Wenn Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum unter großem Druck stehen, ist das Risiko hoch, dass sie krank werden. Elf Faktoren sind dafür ausschlaggebend. Wie Unternehmen ihre Angestellten schützen können.

Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Sie sind die Marionette Ihres Chefs. Sie machen für „den da oben“ ständig Überstunden. Sie müssen schneller arbeiten, immer mehr Leistung erbringen und natürlich wird Ihre Arbeit niemals anerkannt. So weit, so bekannt?

Weiter im Gedankenspiel: Sie haben keinerlei Entscheidungsspielraum. Ihr Chef hat ganz genaue Vorstellungen davon, wie das Produkt oder die Dienstleistung auszusehen haben. Aus Angst, dass Sie alles falsch machen, gibt es nicht nur genaue Vorschriften für jeden Handgriff – 8.03 Uhr bis 8.17 Uhr: Mails checken und beantworten, 8.17 Uhr bis 8.25 Uhr Reporting schreiben – Ihr Vorgesetzter kontrolliert auch alles, was Sie tun. Kein gutes Gefühl, oder?

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Elf Faktoren, die im Job krank machen können

Wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt ist, kann sich der Stress negativ auf seine Gesundheit auswirken. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) hat in ihrem aktuellen Report untersucht, wozu diese psychischen Belastungen in der Arbeitswelt führen können: Es gebe Hinweise darauf, dass durch die Belastungen nicht nur psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, sondern auch Muskel- und Herzerkrankungen mitverursacht werden können.

Denn: Wenn der Chef seine Mitarbeiter trotz hoher Arbeitsbelastung nicht auch mal lobt, ihn aber gleichzeitig permanent Überstunden machen lässt, kann das im schlimmsten Fall zu Depressionen, Diabetes oder sogar zu einem Herzinfarkt führen. Und es gibt zahlreiche weitere Faktoren auf der Arbeit, die Mitarbeiter möglicherweise krank machen:

Diese Dinge auf der Arbeit können krank machen

  • Überstunden

    Die Folgen von permanenten Überstunden können Angst, Depressionen, Schlafstörungen, Feindseligkeit, Irritation als auch Herz-Kreislauf-Schwäche sein. Vor allem Schichtarbeit erhöht laut Report das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

    Die Initiative Gesund und Arbeit hat in ihrem Report untersucht, welche Faktoren auf der Arbeit möglicherweise krank machen können.

  • Geringer Handlungsspielraum

    Wer wenig Handlungsspielraum bei der Arbeit hat, erkrankt laut Untersuchung mit höherer Wahrscheinlichkeit an Bluthochdruck. "Je geringer der Handlungsspielraum, desto höher der systolische Blutdruck", heißt es. Deshalb bewertet die IGA das Fehlen eines Handlungsspielraumes als Gesundheitsrisiko.

  • Arbeitsintensität

    Wenn die Arbeitsbelastung über einen längeren Zeitraum enorm stark ausfällt, besteht laut Studie die Gefahr, dass Arbeitnehmer an psychischen Störungen oder Depressionen erkranken. Für somatische Erkrankungen sei kein Risikofaktor nachweisbar gewesen.

  • Mobbing

    Mobbing, aber auch sexuelle Belästigungen führen möglicherweise zu Depressionen und Angstzuständen.

  • Mangelnde soziale Unterstützung

    Mit sinkender sozialer Unterstützung steigt laut Report das Risiko für Depressionen.

  • Rollenstress

    Wer seine Rolle bei der Arbeit nicht genau kennt – oder aufgrund seiner Arbeitsrolle Konflikte austragen muss, hat laut Studie ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Angst und Anspannung.

  • Job-Strain-Modell

    Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass beruflicher Stress insbesondere dann entsteht, wenn der Arbeitnehmer gleichzeitig hohen Anforderungen und geringem Kontroll- und Entscheidungsspielraum ausgesetzt ist.

    Die Folgen können psychische Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes sein.

  • Keine Anerkennung

    Geforderte Verausgabung ohne Belohnung kann laut Report zu psychischen Beeinträchtigungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

  • Pendeln

    Pendler neigen laut Studie eher dazu, gestresst zu sein.

  • Befristete Verträge

    Befristete Verträge sowie Leih- und Zeitarbeit können zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen. Das liegt laut Report daran, dass diese Arbeitnehmer das Leben nicht vorausschauend planen können, sich dem Unternehmen nicht zugehörig fühlen und meistens geringer entlohnt werden als andere Mitarbeiter.

  • Arbeitsplatz-Unsicherheit

    Arbeitsplatzunsicherheit kann laut Untersuchung zu einem signifikant erhöhten Risiko von psychischen Beeinträchtigungen wie Angst, Depressionen und Stresserleben führen sowie zu kardiovaskulären Erkrankungen.

Bislang gibt es keine statistischen Daten darüber, wie viele Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren krankfeierten, weil die Arbeitsbelastung zu hoch war. Allerdings erreichte der Krankenstand in Deutschland im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit der Jahrtausendwende: 4,1 Prozent der Erwerbstätigen waren 2015 laut dem DAK-Gesundheitsreport durchschnittlich an einem Tag so krank, dass sie arbeitsunfähig waren. Zum Vergleich: 2005 waren es 3,3 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Krankheitstage entfielen auf Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems, der Atemwege und der Psyche.

Unklar ist, wie lange es dauert, bis Stress womöglich gesundheitsgefährdend ist. "Ob ein Arbeitnehmer krank wird, hängt davon ab, wie lange der Stress anhält, wie intensiv er ist und wie ausgeprägt die Stresskompetenzen der Person sind", sagt Patricia Lück, Expertin für betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband. Eine extreme Herausforderung, die über mehrere Wochen anhält, kann ihrer Meinung nach eine ähnliche Wirkung auf die Gesundheit eines Angestellten haben wie eine starke Belastung über mehrere Monate.

Dauerhafte Erreichbarkeit fördert Stress

Diese starken Beanspruchungen sind laut den Experten Lück und Arbeitspsychologe Tim Hagemann ein Phänomen der modernen Arbeitswelt: "Die Digitalisierung führt dazu, dass viele Angestellte scheinbar grenzenlos arbeiten", sagt Lück. Dank Smartphone sind Arbeitnehmer heutzutage quasi zu jeder Uhrzeit und überall erreichbar, selbst nach Feierabend beantworten viele von ihnen E-Mails.

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Der letzte Gedanke vorm Einschlafen gilt dann oftmals der Arbeit, weil Arbeitnehmer verlernen, sich eine Auszeit zu gönnen. Gerade weil viele Angestellte unter Zeitdruck arbeiten und versuchen, gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen – bei denen sie auch noch ständig unterbrochen werden – ist es laut Hagemann umso wichtiger, dass sie in ihrer Freizeit abschalten, indem sie sich mit Bekannten treffen, Sport machen oder einfach nur faulenzen. Und: "Es bringt einem Arbeitnehmer wenig, wenn er immer nur zwei Tage am Stück Urlaub nimmt. Er braucht lange Urlaubszeiten, zum Beispiel über einen Zeitraum von zwei Wochen, um sich richtig auszuruhen", sagt Lück.

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