Studie: Jeder Zweite bildet sich im Beruf weiter

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Studie: Jeder Zweite bildet sich im Beruf weiter

"Lebenslanges Lernen" ist nicht mehr nur eine Forderung, es wird Realität. In Deutschland haben im vergangenen Jahr so viele Menschen eine Weiterbildung gemacht wie niemals zuvor.

Mehr Menschen als je zuvor in Deutschland bilden sich beruflich weiter. Fast jeder zweite Bürger (49 Prozent) im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 64 Jahre hat zwischen April 2011 und Juni 2012 an einer Weiterbildung teilgenommen. Dies geht aus einer Studie von TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des Bundesbildungsministeriums hervor. Im Jahr 2007 lag die Weiterbildungsquote aller Erwerbsfähigen mit 42 Prozent noch deutlich niedriger. Bei der ersten Erhebung 1979, damals nur in Westdeutschland, hatte die Beteiligungsquote noch 23 Prozent betragen.

Erstaunlich ist, dass vor allem die Älteren sich stärker weiterbilden: Bei der Gruppe der über 60-Jährigen nimmt der Studie zufolge mittlerweile fast jeder Dritte mindestens einmal pro Jahr an einer Weiterbildung teil. Im Jahr 2007 waren es nur 18 Prozent.

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Fakten zur Weiterbildung

  • Gesetzliche Regelungen

    Da Bildung Ländersache ist, wird der Bildungsurlaub in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Welches Recht gilt, entscheidet sich nach dem Ort des Arbeitsplatzes. Während für Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen keine gesetzlichen Regelungen über den Bildungsurlaub haben, sind die Gesetze in den übrigen Ländern recht ähnlich geregelt.

  • Anspruch

    In den Bundesländern, die eine gesetzliche Regelung haben, hat ein Arbeitnehmer nach sechs Monaten in einem Unternehmen Anspruch auf Bildungsurlaub. Einzige Ausnahme: Rheinland-Pfalz. Dort sind es zwei Jahre. Zudem hat Nordrhein-Westfalen für Auszubildende und Beamte sowie Mitarbeiter in Kleinbetrieben mit weniger als zehn Beschäftigten getroffen. Ihnen steht gesetzlich kein Bildungsurlaub zu.

  • Länge

    Wer fünf Tage die Woche arbeiten geht, hat üblicherweise Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr. Wer weniger arbeitet, bekommt auch entsprechend weniger Bildungsurlaubstage. Möchte man längere Weiterbildungen besuchen als die jährlichen fünf Tage, kann der Bildungsurlaub auch verlängert werden. Dann gelten zehn Tage für zwei Jahre, die dann am Stück genommen werden können.

  • Voraussetzungen

    Wer eine Fortbildung besuchen möchte, muss seinen Arbeitgeber mindestens sechs Wochen im Voraus informieren – im Saarland sind es acht, in Niedersachsen und Bremen vier Wochen im Voraus. Der Arbeitgeber muss seine Zustimmung generell geben. Ablehnen kann er ihn nur, wenn es wichtige betriebliche Gründe gibt, die gegen einen Weiterbildungsurlaub zu diesem Zeitpunkt sprechen.

  • Arten der Weiterbildung

    Generell fallen unter den Begriff der Weiterbildung, die einen Bildungsurlaub rechtfertigt, berufliche und politische Fortbildungsmaßnahmen. In Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, dem Saarland und Schleswig-Holstein ist der Arbeitnehmer noch freier in seiner Wahl: Hier spricht der Gesetzgeber von Weiterbildung allgemeiner Art. In Brandenburg wird darüber hinaus auch die kulturelle Weiterbildung noch eingeschlossen.

  • Einschränkungen

    Obwohl die Arten der Weiterbildung zunächst sehr schwammig klingen und viel Auswahl bieten, müssen Weiterbildungsgewillte doch die eine oder andere Einschränkung beachten. So gibt es verschiedene Ausschlusskriterien, die die Bundesländer festgelegt haben. Veranstaltungen, die in erster Linie der Erholung oder Unterhaltung dienen – also eher allgemeine Freizeitveranstaltungen sind – können nicht als Weiterbildungsmaßnahmen genutzt werden. Auch Angebote, die nur dadurch zugänglich werden, dass man beispielsweise einer bestimmten Gewerkschaft, Partei oder Religionsgemeinschaft angehört, werden vom Gesetzgeber zumeist ausgeschlossen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Weiterbildungseinrichtung muss vom jeweiligen Bundesland anerkannt werden. Das gilt etwa für Volkshochschulen oder verschiedene Fortbildungswerke.

  • Wer zahlt die Weiterbildungskosten?

    Wer Bildungsurlaub macht, bekommt zunächst auf jeden Fall seinen Lohn in voller Höhe weitergezahlt. Handelt es sich um eine betriebliche Weiterbildung trägt der Arbeitgeber zudem die Seminarkosten. Handelt es sich allerdings um eine andersartige Weiterbildung, muss der Arbeitnehmer selbst dafür aufkommen. Trotzdem lohnt es sich mit dem Arbeitgeber zu sprechen. Auch wenn dieser gesetzlich nicht dazu verpflichtet ist, übernehmen viele Chefs trotzdem die Kosten, wenn es sich für die Firma lohnt. Außerdem gibt es verschiedene Förderungen, die Arbeitnehmer für ihre Weiterbildung beantragen können. So gibt es bei der Agentur für Arbeit sogenannte „Bildungsgutscheine“, die für Fortbildungen verwendet werden können. Wer in Hessen arbeitet, kann zudem auf einen Qualifizierungsscheck vom hessischen Wirtschaftsministerium hoffen.

Weiterbildung aufgrund gestiegener Beschäftigungsrate

Die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland liegt weit über dem EU-Durchschnitt. Ein entscheidender Grund für den Anstieg dürfte die gestiegene Beschäftigungsrate sein, denn Weiterbildung findet zu 69 Prozent in den Betrieben statt. Angesichts der Befürchtungen vor dem Mangel an gewünschten Arbeitnehmern haben viele Unternehmen ihre Weiterbildungsanstrengungen verstärkt. Der Anteil der von den Arbeitgebern veranlassten Weiterbildungsaktivitäten übersteigt mittlerweile den der selbst initiierten. Auch der Anteil der Weiterbildungen während der Arbeitszeit steigt.

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33 Prozent aller Weiterbildungsmaßnahmen befassen sich mit dem Themenfeld "Wirtschaft, Arbeit und Recht", 25 Prozent mit "Natur, Technik, Computer", 19 Prozent mit "Gesundheit und Sport", 13 Prozent mit "Sprachen, Kultur, Politik" und 8 Prozent mit "Pädagogik und Sozialkompetenz".

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sieht die Ergebnisse als Zeichen dafür, dass Deutschland sich zu einer „lernenden Gesellschaft“ entwickle. „Weiterbildung ist der Schlüssel für die persönliche Entwicklung des Einzelnen und die Innovationsfähigkeit von Unternehmen“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Bund und Länder hatten sich 2008 beim Dresdner Bildungsgipfel das Ziel einer Weiterbildungsbeteiligung von 50 Prozent im Jahr 2015 gegeben.

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