Studie: Wer wenig Geld hat, betrügt schneller

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Studie: Wer wenig Geld hat, betrügt schneller

von Daniel Rettig

Fühlen sich Menschen finanziell benachteiligt, werfen sie moralische Prinzipien schneller über Bord – und neigen eher zum Betrügen. Diese Ungleichheit wirkt sich auf das seelische Wohlbefinden aus.

Dass Geld allein nicht glücklich macht, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Dennoch ist eine gewisse finanzielle Ausstattung notwendig, um tagsüber gut zu leben und nachts ruhig zu schlafen. Fakt ist aber auch: In den vergangenen Jahrzehnten hat die materielle Ungleichheit stark zugenommen, sowohl die gefühlte als auch die tatsächliche. Im Herbst 2009 fand das Umfrageinstitut TNS Infratest heraus: 24 Prozent der Deutschen finden, dass die Globalisierung soziale Ungleichheiten verschärft. Ein Jahr später veröffentlichte die Europäische Kommission eine Umfrage zu Einkommensunterschieden. Das Ergebnis: 63 Prozent der Befragten in Deutschland stimmten der Aussage voll und ganz zu, dass die Einkommensunterschiede hierzulande viel zu groß seien. Dieses subjektive Gefühl wird von Zahlen untermauert. Die Deutsche Bundesbank gab vor wenigen Monaten bekannt: Die reichsten zehn Prozent der deutschen Haushalte besitzen 58 Prozent des gesamten deutschen Privatvermögens.

Nun könnte man diese Ungleichheit leicht abtun, nach dem Motto: Das Leben ist eben ungerecht, in einer Marktwirtschaft gibt es Gewinner und Verlierer. Doch diese Ungleichheit wirkt sich nicht nur auf das seelische Wohlbefinden aus. Sie kann sich auch negativ auf das Verhalten auswirken. Wer sich finanziell benachteiligt fühlt, vernachlässigt seine moralischen Prinzipien. Mehr noch: Er ist auch eher dazu bereit, zu lügen und zu betrügen. Das behaupten zumindest US-Wissenschaftler um die Assistenzprofessorin Eesha Sharma von der Tuck School of Business.

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Für ihre neue Studie konzipierte sie gemeinsam mit einigen Kollegen, darunter auch die renommierten Verhaltensökonomen Dan Ariely (Duke Universität) und Adam Alter (New York Universität), fünf verschiedene Experimente.

Im ersten setzten sich 89 Studenten an einen Computer. Zunächst sollten sie vier Mal den Hebel eines digitalen Spielautomaten ziehen. Sofort danach erfuhren sie, ob sie 2,50 US-Dollar gewonnen oder verloren hatten. Sharma hatte das Spiel vorab allerdings manipuliert. Gruppe A verlor alle vier Durchgänge, Gruppe B gewann jedes Mal. In einem anschließenden Spiel wollten die Forscher testen, wie ehrlich die Probanden waren. Antworteten sie wahrheitsgemäß, konnten sie 2,30 US-Dollar gewinnen. Wenn sie flunkerten, konnten sie fünf Dollar verdienen. Es gab also einen Anreiz zum Schummeln. Und siehe da: Die Mitglieder von Gruppe A – jene also, die im ersten Experiment Geld verloren hatten –, flunkerten wesentlich öfter als jene in Gruppe B.

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Ähnlich war es in einem weiteren Experiment. Hier sollten sich 50 Studenten an eine Situation erinnern, in der sie finanziell schlechter gestellt waren als ein Freund oder Bekannter. Der Clou war jedoch: Gruppe A sollte zwei solcher Beispiele nennen, Gruppe B deren zehn. Der Sinn der Sache: Zwei Beispiele findet vermutlich jeder, deshalb wird einem die finanzielle Unterlegenheit viel eher bewusst. Zehn Beispiele hingegen fallen kaum jemandem spontan ein. Also denkt man: So schlimm kann es um meine Finanzen ja noch nicht bestellt sein.

Wenig überraschend: Die Manipulation wirkte. Wieder nutzten die Mitglieder von Gruppe A im Anschluss wesentlich häufiger die Chance, in die eigene Tasche zu wirtschaften und zu betrügen.

"Finanzielle Benachteiligung kann moralische Entscheidungen verändern", resümiert Eesha Sharma. Sie glaubt: Wer sich ungerecht behandelt fühlt und ohne eigenes Verschulden weniger Geld hat als seine Mitmenschen, der verschiebt gewissermaßen seinen moralischen Kompass. Er will sich zurückholen, was ihm seiner Meinung nach zusteht – selbst bei vermeintlich kleinen Summen.

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