Studie zu Fehlzeiten: Allzu flexible Arbeit macht krank

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Studie zu Fehlzeiten: Allzu flexible Arbeit macht krank

von Jan Willmroth

Immer erreichbar, ständig woanders, stundenlang pendeln: Der Bürotag von neun bis fünf ist Geschichte, Überstunden die Regel. Weil sie immer flexibler sein müssen, leiden Beschäftigte laut einer AOK-Studie zunehmend an psychischen Beschwerden.

Arbeitnehmer leiden zunehmend an psychischen Krankheiten und den Folgen hoher Arbeitsbelastung. Grund dafür sei die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt, schreibt die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) in einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie. Erschöpfung, Kopfschmerzen und Niedergeschlagenheit sind demnach typische Symptome moderner Beschäftigter.

"Flexibilität braucht ihre Grenzen", sagte Helmut Schröder, stellvertretender Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Im Grunde sei es zwar gut, wenn Beschäftigte ihre Arbeit räumlich und zeitlich an die eigene Bedürfnisse anpassen könnten. Oft bedeutet die hohe Flexibilität laut Studie allerdings auch höheren Druck. So gibt ein Drittel der Befragten an, im vergangenen Jahr E-Mails außerhalb der Arbeitszeit zu erhalten, ein knappes Drittel leistet Überstunden. 12 Prozent nahmen Arbeit mit nach Hause und jeder Zehnte arbeitete auch an Sonn- und Feiertagen.

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    Sich die Zähne putzen - ob man dabei Spaß hat oder nicht, das Ergebnis ist das gleiche. Anders ist es im Job. Den großen Durchbruch, Quantensprünge im Job dagegen, das ist viel leichter, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben.

  • Freude ist ein Tool. Setzen Sie es verantwortungsvoll ein!

    Natürlich ist Freude eine Emotion, aber auch ein Tool. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Spaß abgekommen, verhalten Sie sich wie ein Emotional Leader: Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr und gehen Sie zum Beispiel für drei Tage in eine Therme. Sie sollten die Kontrolle über Ihren eigenen Spaß behalten.

  • Vertrauen ist Supermotivation!

    Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen: Nicht den Dumpfbacken und Lemmingen, wohl aber den selbstständig denkenden und engagierten Kollegen. Setzen Sie mehr kontrolliertes Vertrauen in Ihre Leistungsträger. Als Lohn bekommen Sie Motivation, Engagement, Respekt, Loyalität und Leistung.

  • Auch als Kopfmensch können Sie Ihr Baugefühl aktivieren!

    Zwei junge Leute kommen zu Reinhard, er ist im Vorstand einer Volksbank tätig. Als Bauchmensch will er ihnen eine Freude machen. Damit hilft er dem jungen Paar. Die sind so dankbar, dass sie bald darauf zu ihm kommen und ihr ganzes Geld mitbringen: Sie vertrauen ihm. Er soll alles anlegen. Die größte Freude ist das Vertrauen des Kundens. Es ist mehr wert als Preis, Qualität und Leistung. Deshalb versuchen Sie auch als Kopfmensch Ihr Baugefühl zu aktivieren.

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Die Folge sind immer häufiger stressbedingte Beschwerden - bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Ein Fünftel der Befragten fühlt sich häufig erschöpft, genauso viele können nach Feierabend nicht abschalten. Kopfschmerzen sind für 13,5 Prozent ein Problem, mehr als jeder Zehnte fühlt sich niedergeschlagen. Wer angibt, Beruf und Freizeit nicht gut in Einklang bringen zu können, berichtet laut Studie im Schnitt über mehr als drei dieser vier Beschwerden. Wer Privates hinten anstellt und sonntags keine Freizeit hat, klagt häufiger über psychische Probleme.

Je weiter weg, desto kranker

Zudem haben die AOK-Forscher einen deutlichen Zusammenhang zwischen pendeln und krank sein errechnet. Wer weiter weg wohnt, fehlt öfter. Wer mehr als 500 Kilometer von zu Hause entfernt arbeitet, hat demnach ein um 20 Prozent höheres Risiko, psychisch krank zu werden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam vor einigen Monaten die Techniker Krankenkasse. Zu den psychischen Beschwerden zählt die AOK etwa auch Schlafstörungen, Wut und leichte Reizbarkeit.

Zwar ist die Zahl der Fehltage insgesamt auf niedrigem Niveau, doch psychische Beschwerden haben als Fehlgrund zugenommen - seit 1994 um 120 Prozent. Dabei fehlen psychisch Kranke länger als der Durchschnitt: 22,5 Fehltage waren es im Jahresdurchschnitt 2011, doppelt so viele Fehltage wie aufgrund anderer Erkrankungen. Auch auf das Stichwort "Burnout" geht der Report ein. Rund 130.000 gesetzlich Versicherte bekamen im vergangene Jahr diese Diagnose, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen waren, als Männer.

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Schröder forderte, moderne Kommunikationswege stärker zu nutzen, um Arbeitnehmer zu entlasten. Dazu gehörten etwa Videokonferenzen, die häufige Reisen überflüssig machen können. "Damit können Unternehmen den Spagat zwischen Flexibilitätsanforderungen und gesundem Arbeiten meistern", sagte er. Arbeitnehmer müssen diesen Spagat anscheinend auch meistern, wie die Daten zeigen.

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