Tipps für Bewerbung und Karriere : So setzen Sie sich gegen Selbstdarsteller durch

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Tipps für Bewerbung und Karriere : So setzen Sie sich gegen Selbstdarsteller durch

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Introvertierte haben es in unserer Gesellschaft schwer.

von Kristin Schmidt

Introvertierte Menschen sind diszipliniert und kreativ – doch bei Beförderungen werden sie oft übersehen. Ein Aufstieg der Schüchternen und Leisen in einer lauten Welt scheint unmöglich. Das lässt sich ändern.

In zehn Jahren 30.000 handgeschriebene Danksagungen für seine Mitarbeiter – das ist die Bilanz von Douglas Conant. Der ehemalige Chef des Lebensmittelkonzerns Campbell Soup wusste, dass öffentliche Dankesreden nicht zu seinen Stärken zählten. Doch als Chef von knapp 20.000 Mitarbeitern führte kein Weg vorbei an wertschätzenden Gesten. Daher wurde Conant kreativ. Er fand heraus, wer für einen Erfolg verantwortlich war, dann schrieb er der Person einen Brief. Die Methode half: In seiner Amtszeit stiegen die von der Beratung Gallup ermittelten Zufriedenheitswerte in der Belegschaft deutlich. Auch wirtschaftlich ging es dem angeschlagenen Konzern bald besser. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass Introvertierte im Job durchaus Erfolg haben können – vorausgesetzt, sie entwickeln originelle Herangehensweisen, die zu ihrer Persönlichkeit passen. Und die sind auch notwendig.

Leicht haben es Introvertierte in Konferenzräumen und Chefetagen dieser Tage nicht, vielleicht war es für sie sogar niemals schwieriger: Obwohl das Verhältnis von Introvertierten und Extrovertierten zahlenmäßig in etwa ausgeglichen ist, dominieren Selbstdarsteller berufliche Besprechungen ebenso wie Talkshows und Elternabende. Viele Zurückhaltende fühlen sich fehl am Platz in einer Welt, in der via Twitter im Sekundentakt steile Thesen verbreitet werden und Eigenmarketing wichtiger scheint als Expertenwissen. Doch wie schaffen es die Leisen, das Getöse der Lauten zu übertönen? Im Job trotz ihrer Bescheidenheit voranzukommen? Und vermeintliche Schwächen in Stärken zu verwandeln?

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Wie Introvertierte knifflige Situationen meistern

  • Bewerbungsgespräche

    „Warum sollten wir Sie einstellen?“ Diese Frage macht alle Introvertierten nervös. Wem Eigenwerbung zuwider ist, der sollte schnell auf die Sachebene zurückkehren. Die beste Antwort lautet deshalb: „Ich kann Ihre Probleme lösen.“ Dieser Satz ermöglicht es dem Bewerber, die Herausforderungen zu erläutern und seine Lösungen zu präsentieren, ohne Ich-bin-so-toll Floskeln. Damit zeigt er Expertise und eine strukturierte Herangehensweise. Eine ausgiebige Vorbereitung ist besonders wichtig, weil Introvertierte ihre Argumentation vor allem auf Fakten stützen – und sich durch überraschende Fragen verunsichern lassen.

  • Netzwerkveranstaltungen

    Während Extrovertierte Meister des Small Talks sind und auf Veranstaltungen leicht neue Menschen kennenlernen, müssen Introvertierte andere Strategien entwickeln. Aber das muss kein Nachteil sein, im Gegenteil. Kontakte, die im ausführlichen Dialog entstehen, sind meist wertvoller als reihenweise Small Talk-Bekanntschaften. Tipp: Verabreden Sie schon vor solchen Terminen Gespräche via E-Mail. Zurückhaltenden fällt es leichter, schriftlich Interesse zu bekunden, als spontan auf jemanden zuzugehen. Lassen Sie sich außerdem von gemeinsamen Bekannten vorstellen, das reduziert die Hemmschwelle.

  • Verhandlungen

    Schlagfertigkeit und spontane Einfälle zählen nicht zu den Stärken der Introvertierten. Deshalb ist es für sie besonders wichtig, sich vom Gesprächspartner nicht überrumpeln zu lassen. Macht dieser zum Beispiel einen konkreten Vorschlag, sollten zurückhaltende Menschen versuchen, Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Das gelingt am besten, indem sie einige sachliche Nachfragen stellen. Dadurch nehmen Introvertierte nicht nur das Tempo aus dem Gespräch. Gleichzeitig strahlen sie Souveränität aus, weil sie sich von ihrem Gegenüber nicht treiben lassen. Frei nach dem Motto: Wer fragt, der führt.

  • Besprechungen

    Introvertierte bereiten sich auf Sitzungen meistens gut vor – und kommen währenddessen häufig trotzdem nicht zu Wort. Je größer die Runde, desto unsichtbarer werden Zurückhaltende. Zwei Methoden können helfen: Zum einen sollte sich der Introvertierte vorab überlegen, welche Aspekte ihm am wichtigsten sind, und sich fest vornehmen, dazu etwas zu sagen. Zum anderen kann er schon vor dem Treffen Allianzen schmieden. Wer könnte an der Idee interessiert sein? Wer kann die Argumentation stützen? Besonders hilfreich ist es, aus dem Kollegenkreis einen guten Verkäufer zu identifizieren – und ihn vorher auf die eigene Seite ziehen.

Diese Fragen beschäftigen auch Psychologen und Autoren populärwissenschaftlicher Literatur. In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Studien und Bücher zu dem Thema. Das bekannteste stammt von der ehemaligen Anwältin und bekennenden Introvertierten Susan Cain. Ihr Buch „Still“ widmet sich der „Kraft der Introvertierten“ und schaffte es auf die „New York Times“-Bestsellerliste: „Wir leben in einem Wertesystem, das vom Ideal der Extraversion geprägt ist“, sagt Cain, „dem allgegenwärtigen Glauben, der Idealmensch sei gesellig, ein Alphatier und fühle sich im Rampenlicht wohl.“

"Introvertierte werden unterschätzt"

Das bestätigt Psychologieprofessor Jens Asendorpf, der bis zu seiner Emeritierung 2014 an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrte: „Introvertierte werden in unserer Gesellschaft unterschätzt.“

Die zehn Hürden introvertierter Personen

  • Hürde 1 - Angst

    An den passenden Stellen ist Angst ein lebenserhaltendes Gefühl, doch unangemessene Angst blockiert, stört und hemmt. Was tun? Stellen Sie sich Ihrer Angst, nehmen Sie bewusst wahr, wovor Sie sich fürchten und gehen Sie dann kalkulierte Risiken ein, die sich für Sie lohnen, weil Sie ein Ziel vor Augen haben.

  • Hürde 2 - Kleinteiligkeit

    Einzelinformationen blockieren den Blick auf Prioritäten und das "große Ganze". Im Gespräch verlieren sich Menschen mit dieser Neigung in Kleinigkeiten und beachten den großen inhaltlichen Bogen und die Bedürfnisse des Gesprächspartners nicht.

  • Hürde 3 - Überstimulation

    Introvertierte fühlen sich durch zu viele, laute und schnelle Eindrücke überfordert und dosieren deswegen soziale Anlässe sehr vorsichtig. "Gehen leise Menschen ständig gegen das Bedürfnis nach Rückzug an, so treibt sie dies in die Erschöpfung."

  • Hürde 4 - Passivität

    Um zu vermeiden, dass ein Extro-Gesprächspartner Sie als passiv wahrnimmt, weil Sie mehr Zeit zum Nachdenken brauchen, äußern Sie Ihr Bedürfnis, und bringen Sie auch das Ergebnis Ihrer Bemühungen ins Gespräch ein.

  • Hürde 5 - Flucht

    "Manchmal ist die Flucht das Mittel der Wahl, um Restenergie zu bewahren", gibt die Autorin zu bedenken. Leider kann der ständige Rückzug leise Menschen vom aktiven Handeln und dem Erreichen ihrer Ziele abhalten.

  • Hürde 6 - Verkopftheit

    Introvertierte neigen dazu, Gefühle zu vernachlässigen. Kommunikation besteht nicht nur aus dem Austausch von Fakten - eher trifft das Gegenteil zu. Die Beziehungsebene zu unterschätzen, wirkt sich auch im Beruf nachteilig aus!

  • Hürde 7 - Selbstverleugnung

    Die Unterdrückung bzw. negative Bewertung introvertierter Merkmale und Bedürfnisse führt dazu, dass sich leise Menschen als abweichend von ihrer Umgebung wahrnehmen. Sie riskieren damit soziale Entfremdung oder sogar Selbstentfremdung.

  • Hürde 8 - Fixierung

    In einer bestimmten Situation immer gleich zu reagieren macht berechenbar und verhindert eine gelungene Kommunikation. Ein leiser Mensch, der mit dieser Hürde zu tun hat, nimmt sich selbst Spielraum und die Souveränität, einer Situation aktiv zu begegnen.

  • Hürde 9 - Kontaktvermeidung

    Leise Menschen haben gewöhnlich lieber wenige, aber gute Freunde als viele oberflächliche Kontakte. Beginnt ein Intro jedoch, sich von der Außenwelt abzuschotten, riskiert er sich sozial zu isolieren. Dadurch fehlen wichtige Impulse und Korrekturen durch andere, sowohl privat als auch beruflich.

  • Hürde 10 - Konfliktscheu

    Viele Intros bewerten Konfliktsituationen als zu aufwändig und unvorhersehbar, vermeiden den Energieaufwand völlig und wälzen sich dann nachts schlaflos im Bett, weil sie der Konflikt dennoch stark beschäftigt.

Sorgsames Abwägen wird in einer schnelllebigen Welt als Zaudern ausgelegt. In Konferenzen bleiben Introvertierte oft unsichtbar, obwohl sie gute Ideen haben. Als Gegenmittel empfiehlt Asendorpf: Sie sollten ihre eigenen Stärken anerkennen und ausspielen – aber auf keinen Fall Extrovertierte kopieren. „Es geht um Selbstakzeptanz, nicht um Selbstoptimierung“, sagt der Persönlichkeitspsychologe.

„Die introvertierte Angela Merkel kann keine flammende Wahlkampfrede im Stile ihres extravertierten Vorgängers Gerhard Schröder halten.“ Sollte sie es dennoch versuchen, wirke dies unecht. Und genau da liegt die Gefahr: In einer Studie der Akademie für Führungskräfte gaben mehr als 95 Prozent der Manager an, dass Authentizität für die Motivation der Mitarbeiter essenziell sei. Introversion zuzulassen ist also der erste Schritt zum Erfolg.

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