Überstunden: Deutsche machen 1,8 Milliarden Extrastunden

Überstunden: Deutsche machen 1,8 Milliarden Extrastunden

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Mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten leisten Überstunden, ein Drittel arbeitet mehr als 45 Stunden die Woche.

Die Bundesagentur für Arbeit hat nachgerechnet: Im letzten Jahr haben die Deutschen insgesamt 1,8 Milliarden Überstunden geschoben. Rund eine Milliarde davon unbezahlt. Das ließe sich ändern - durch mehr Stellen.

Die Deutschen machen Extraschichten - nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit sogar mehr als 1,8 Milliarden Überstunden. Davon waren rund eine Milliarde Überstunden unbezahlt, wie eine aktuelle Erhebung des zur Bundesagentur gehörendenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IBA) zeigt. Genau das kritisiert Annelie Buntenbach, Mitglied des Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes: "Fast eine Milliarde unbezahlter Überstunden sind ein Skandal, der schnell beendet werden muss." Wer schon mehr leistet, als er muss, soll dafür wenigstens entlohnt werden, so Buntenbach gegenüber der "Saarbrücker Zeitung".

Immer weniger Leute müssen immer mehr leisten

Und die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, sagt: "Deutschland würde ein wahres Jobwunder erleben, wenn die Unternehmen, statt Überstunden zu verlangen, Stellen einrichten würden." Wenn eine Belegschaft dauerhaft Überstunden mache, sei das ein Zeichen für eine dünne Personaldecke, Arbeitsverdichtung und zunehmendem Stress. Im Vergleich zum Jahr 2014 habe die Zahl der Überstunden sogar zugenommen - sowohl die der bezahlten, als auch der unbezahlten. Das sei ein deutliches Zeichen.

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Hinzu kommt: Es sind immer die Gleichen, die mehr arbeiten, als in ihrem Arbeitsvertrag steht. Wie der aktuelle Arbeitszeitmonitor des Vergütungsdienstleisters Compensation Partner GmbH zeigt, machen zum Beispiel Männer tendenziell mehr Überstunden als Frauen. So machen 39 Prozent der Frauen in einer Woche bis zu fünf Extrastunden. Bei den Männern arbeiten 61 Prozent bis zu fünf Stunden länger. Aber: Unter den Arbeitnehmern, die auch mal 26 bis 30 Überstunden pro Woche leisten - also pro Tag fünf bis sechs Stunden dranhängen, sind 80 Prozent Männer. Die sind vermutlich Unternehmensberater bei einer der großen Kanzleien. Diese Herrschaften sind nämlich Überstunden-Spitzenreiter. Sie bekommen dafür aber auch in der Regel ein entsprechendes Schmerzensgeld.

In diesen Branchen sind Überstunden am häufigsten

  • Mitarbeiter mit und ohne Leitungsfunktion

    Grundsätzlich arbeitet der Manager eines Unternehmens länger als der gewöhnliche Angestellte. Insgesamt geben 44 Prozent der Vollzeitkräfte mit Leitungsfunktion an, mehr als 45 Stunden pro Woche zu arbeiten, bei den Angestellten ohne Leitungsfunktion sind es 28 Prozent.

    Quelle: DGB-Sonderauswertung

  • Verkehr und Lagerei

    Laut der DGB-Auswertung gibt es auch zwischen den einzelnen Branchen große Unterschiede. Im Bereich "Verkehr und Lagerei" geben 54 Prozent der Beschäftigten an, deutlich länger zu arbeiten, als vertraglich vereinbart. Hier besonders betroffen die Gruppe der Fahrzeugführer: 59 Prozent der Spediteuere, Busfahrer, LKW-Fahrer & Co. machen Extraschichten.

  • Land- und Forstwirtschaft

    Im Sektor Land- und Forstwirtschaft, Energie, Wasser und Entsorgung geben 47 Prozent an, dass eine Arbeitswoche von 45 Stunden und mehr nichts Ungewöhnliches ist.

  • Wirtschaftliche Dienstleistungen

    In den Bereich "sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen" fallen unter anderem Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau sowie Unternehmensdienstleistungen. Für 43 Prozent der Arbeitnehmer aus diesem Sektor sind 45 Stunden und mehr pro Woche die Regel.

  • Gastgewerbe

    Im Gastgewerbe arbeiten durchschnittlich 41 Prozent mehr als 45 Stunden. Schaut man sich die einzelnen Branchen des Sektors genauer an, trifft es besonders die Arbeitnehmer aus den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen: Dort geben 63 Prozent an, mehr als 45 Stunden in der Woche zu arbeiten.

  • Gesundheits- und Sozialwesen

    Im Gesundheitsbereich gaben 29 Prozent - also mehr als jeder vierte an, 45 Wochenstunden und mehr zu arbeiten.

  • Verarbeitende Gewerbe

    Im verarbeitenden Gewerbe machen ebenfalls 29 Prozent die 45-Stunden-Woche voll.

  • Andere Dienstleistungen

    In den Bereich andere Dienstleistungen fallen überwiegend persönliche Dienstleistungen also Beratung, Personentransport, Schulung, Unterhaltung & Co. Hier arbeitet jeder Vierte (25 Prozent) 45 Stunden pro Woche oder mehr.

  • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

    Bei Banken und Versicherungen machen 23 Prozent viele Überstunden. Damit entfällt auf diese Branche der geringste Anteil an überlangen Arbeitszeiten.

Laut Arbeitsmonitor werden die meisten Überstunden in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, in Hessen, Sachsen und dem Saarland gemacht. Dort arbeiten die Angestellten im Durchschnitt sechs Stunden zusätzlich pro Woche. Laut dem Arbeitszeitmonitor hängt die Zahl der Überstunden aber vor allem von der Position ab: Indianer gehen pünktlich, Häuptlinge bleiben länger: Wer mehr als 120.000 Euro jährlich verdient, macht jede Woche fast zehn Überstunden.

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