Überstunden: Manager und Handwerker arbeiten am meisten

Überstunden: Manager und Handwerker arbeiten am meisten

Bild vergrößern

Langfristig sinkt die Zahl der Überstunden, die die Deutschen leisten.

821 Millionen bezahlte Überstunden haben die Deutschen 2016 geleistet - und damit deutlich weniger als noch vor fünf oder gar 16 Jahren. Es gibt allerdings Berufsgruppen, an denen der Trend vorbei geht.

Überstunden bringen regelmäßig Gewerkschaften und Arbeitnehmer auf die Palme: So fordert beispielsweise die Ärztegewerkschaft Marburger Bund für die Mediziner an den 20 deutschen Universitätskliniken zumindest mehr Geld für die vielen Überstunden, die sie leisten. Betroffen sind bundesweit mehr als 20.000 Ärzte. Auch Fernfahrer klagen über Mehrarbeit, von Unternehmensberatern, Gastronomie- und Hotelangestellten ganz zu schweigen.

Tatsächlich hat die Zahl der geleisteten Überstunden in Deutschland in den letzten Jahren jedoch verringert: Im Jahr 2006 machte jeder Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt 23,8 bezahlte und 35,0 unbezahlte Überstunden. Zehn Jahre später leistete jeder nur noch 20,9 bezahlte und 24 unbezahlte Überstunden. Insgesamt kamen so im vergangenen Jahr 821 Millionen bezahlte Überstunden zusammen, wie Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen.

Anzeige

Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das nichts: damals kamen alle deutschen Arbeitnehmer zusammen noch auf mehr als 1,1 Millionen bezahlte Überstunden pro Jahr. Auch im Jahr 2011 war die Millionengrenze deutlich greifbarer als noch vergangenes Jahr. Der Trend geht - zumindest langfristig - weg von Überstunden. Und zwar sowohl von bezahlten als auch unbezahlten. Kurz und mittelfristig schwankt die Entwicklung.

Unabhängig vom aktuellen Trend gibt es Branchen, bei denen die Extrastunden zum Standard gehören. Und es sind nicht nur Ärzte, Manager und Selbstständige, die über Gebühr ranklotzen. Eine Befragung des Online-Stellenportals meinestadt.de unter Fachkräften mit Berufsausbildung zeigt: Sowohl im Management, in Handwerk und Produktion als auch bei ganz einfachen Hilfstätigkeiten sind zehn bis zu 20 Überstunden pro Woche keine Seltenheit. Auch in anderen Branchen arbeitet fast jeder Fünfte zwischen acht und 15 Stunden mehr, als im Arbeitsvertrag vorgeschrieben.

Die Extrastunden stören allerdings nicht jeden: 42 Prozent der Befragten finden es grundsätzlich unbedenklich, Überstunden zu machen.

In diesen Branchen sind Überstunden am häufigsten

  • Mitarbeiter mit und ohne Leitungsfunktion

    Grundsätzlich arbeitet der Manager eines Unternehmens länger als der gewöhnliche Angestellte. Insgesamt geben 44 Prozent der Vollzeitkräfte mit Leitungsfunktion an, mehr als 45 Stunden pro Woche zu arbeiten, bei den Angestellten ohne Leitungsfunktion sind es 28 Prozent.

    Quelle: DGB-Sonderauswertung

  • Verkehr und Lagerei

    Laut der DGB-Auswertung gibt es auch zwischen den einzelnen Branchen große Unterschiede. Im Bereich "Verkehr und Lagerei" geben 54 Prozent der Beschäftigten an, deutlich länger zu arbeiten, als vertraglich vereinbart. Hier besonders betroffen die Gruppe der Fahrzeugführer: 59 Prozent der Spediteuere, Busfahrer, LKW-Fahrer & Co. machen Extraschichten.

  • Land- und Forstwirtschaft

    Im Sektor Land- und Forstwirtschaft, Energie, Wasser und Entsorgung geben 47 Prozent an, dass eine Arbeitswoche von 45 Stunden und mehr nichts Ungewöhnliches ist.

  • Wirtschaftliche Dienstleistungen

    In den Bereich "sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen" fallen unter anderem Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau sowie Unternehmensdienstleistungen. Für 43 Prozent der Arbeitnehmer aus diesem Sektor sind 45 Stunden und mehr pro Woche die Regel.

  • Gastgewerbe

    Im Gastgewerbe arbeiten durchschnittlich 41 Prozent mehr als 45 Stunden. Schaut man sich die einzelnen Branchen des Sektors genauer an, trifft es besonders die Arbeitnehmer aus den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen: Dort geben 63 Prozent an, mehr als 45 Stunden in der Woche zu arbeiten.

  • Gesundheits- und Sozialwesen

    Im Gesundheitsbereich gaben 29 Prozent - also mehr als jeder vierte an, 45 Wochenstunden und mehr zu arbeiten.

  • Verarbeitende Gewerbe

    Im verarbeitenden Gewerbe machen ebenfalls 29 Prozent die 45-Stunden-Woche voll.

  • Andere Dienstleistungen

    In den Bereich andere Dienstleistungen fallen überwiegend persönliche Dienstleistungen also Beratung, Personentransport, Schulung, Unterhaltung & Co. Hier arbeitet jeder Vierte (25 Prozent) 45 Stunden pro Woche oder mehr.

  • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

    Bei Banken und Versicherungen machen 23 Prozent viele Überstunden. Damit entfällt auf diese Branche der geringste Anteil an überlangen Arbeitszeiten.

Und für 38 Prozent spielt beim Thema Überstunden die Wertschätzung durch den Chef eine ausschlaggebende Rolle: Sich aufreiben, ohne entsprechendes Lob? Nein, danke. Wird die zusätzliche Arbeit dagegen gesehen und anerkannt, stört sie die Befragten weniger.

Auf die leichte Schulter sollten Arbeitgeber das Thema deshalb aber nicht nehmen. Nicht für jeden ist mit einem Schulterklopfen alles erledigt.

Gerade wenn Überstunden zum Dauerzustand werden, weil die Personalplanung zu wünschen übrig lässt, verblasst die Anerkennung. Wer dauerhaft über seine Belastungsgrenzen hinausgehen muss, riskiert psychische, mitunter auch körperliche Beschwerden. Dagegen hilft auch das größte Lob nicht mehr.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%