Überstunden: Mehrarbeit gehört zum guten Ton

Überstunden: Mehrarbeit gehört zum guten Ton

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Deutsche machen mehr Überstunden.

Überstunden gehören in vielen deutschen Unternehmen zum Alltag. Im Vorjahr ist ihre Zahl wieder etwas gestiegen. Auf lange Sicht geht sie aber zurück, auch dank sogenannter Arbeitszeitkonten.

Mal zwingen volle Auftragsbücher zu Sonderschichten, mal die Erkrankung von Kollegen zu Mehrarbeit - Arbeiter und Angestellte in Deutschland haben im vergangenen Jahr wieder mehr Überstunden geleistet. Die bezahlte Mehrarbeit habe sich 2016 auf 820,9 Millionen Stunden belaufen, teilte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag mit. Dies seien gut 56 Millionen Überstunden mehr als 2015. Das IAB beruft sich dabei auf eine jährliche Umfrage unter 30 000 Personen in 11.000 Haushalten.

Bezogen auf den einzelnen Beschäftigten fiel der Anstieg jedoch vergleichsweise moderat aus. Demnach lag die geleistete bezahlte Mehrarbeit pro Kopf mit 20,9 Stunden um 1,2 Stunden über dem Niveau von 2015.

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In diesen Branchen sind Überstunden am häufigsten

  • Mitarbeiter mit und ohne Leitungsfunktion

    Grundsätzlich arbeitet der Manager eines Unternehmens länger als der gewöhnliche Angestellte. Insgesamt geben 44 Prozent der Vollzeitkräfte mit Leitungsfunktion an, mehr als 45 Stunden pro Woche zu arbeiten, bei den Angestellten ohne Leitungsfunktion sind es 28 Prozent.

    Quelle: DGB-Sonderauswertung

  • Verkehr und Lagerei

    Laut der DGB-Auswertung gibt es auch zwischen den einzelnen Branchen große Unterschiede. Im Bereich "Verkehr und Lagerei" geben 54 Prozent der Beschäftigten an, deutlich länger zu arbeiten, als vertraglich vereinbart. Hier besonders betroffen die Gruppe der Fahrzeugführer: 59 Prozent der Spediteuere, Busfahrer, LKW-Fahrer & Co. machen Extraschichten.

  • Land- und Forstwirtschaft

    Im Sektor Land- und Forstwirtschaft, Energie, Wassser und Entsorgung geben 47 Prozent an, dass eine Arbeitswoche von 45 Stunden un dmehr nichts Ungewöhnliches ist.

  • Wirtschaftliche Dienstleistungen

    In den Bereich "sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen" fallen unter anderem Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau sowie Unternehmensdienstleistungen. Für 43 Prozent der Arbeitnehmer aus diesem Sektor sind 45 Stunden und mehr pro Woche die Regel.

  • Gastgewerbe

    Im Gastgewerbe arbeiten durchschnittlich 41 Prozent mehr als 45 Stunden. Schaut man sich die einzelnen Branchen des Sektors genauer an, trifft es besonders die Arbeitnehmer aus den Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen: Dort geben 63 Prozent an, mehr als 45 Stunden in der Woche zu arbeiten.

  • Gesundheits- und Sozialwesen

    Im Gesundheitsbereich gaben 29 Prozent - also mehr als jeder vierte an, 45 Wochenstunden und mehr zu arbeiten.

  • Verarbeitende Gewerbe

    Im verarbeitenden Gewerbe machen ebenfalls 29 Prozent die 45-Stunden-Woche voll.

  • Andere Dienstleistungen

    In den Bereich andere Dienstleistungen fallen überwiegend persönliche Dienstleistungen also Beratung, Personentransport, Schulung, Unterhaltung & Co. Hier arbeitet jeder Vierte (25 Prozent) 45 Stunden pro Woche oder mehr.

  • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

    Bei Banken und Versicherungen machen 23 Prozent viele Überstunden. Damit entfällt auf diese Branche der geringste Anteil an überlangen Arbeitszeiten.

Deutlich mehr Überstunden leisteten die 39,288 Millionen Beschäftigten im Jahr 2016 ohne Bezahlung - nämlich 941,2 Millionen und damit 1,6 Millionen mehr als 2015. Auf Pro-Kopf-Basis berechnet ging die Zahl der Überstunden wegen der gestiegenen Beschäftigtenzahl allerdings zurück. Danach hat jeder Beschäftigte im Schnitt 24 Überstunden geleistet, ohne dafür einen Ausgleich zu erhalten. Die Mehrarbeit sank damit im Vergleich zu 2015 um 0,3 Stunden. Wegen des zunehmenden Einsatzes von Arbeitszeitkonten, die ein späteres Abfeiern von Mehrarbeit ermöglichen, sehen Forscher „einen langfristigen Trend zu weniger bezahlten Überstunden“.

Branchenbezogen fallen besonders viele bezahlte Überstunden in der Industrie und im Baugewerbe an. Überstunden ohne finanziellen Ausgleich sind nach IAB-Einschätzung vor allem im Dienstleistungsbereich üblich. Zu unbezahlter Mehrarbeit müssten in der Regel auch hoch qualifizierte Beschäftigte und Mitarbeiter in Führungspositionen bereit sein.

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