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Unsicherheit durch DigitalisierungDie Angst vor dem Jobkiller Fortschritt

Viele Deutsche haben Angst, dass die Digitalisierung sie und ihren Job überflüssig macht. Dabei schafft der technische Fortschritt von jeher mehr Jobs, als er vernichtet. 19.08.2015 - 14:48 Uhr

Gut jeder dritte Arbeitnehmer ist durch die Digitalisierung der Wirtschaft verunsichert.

Foto: dpa

"Hilfe, ein Roboter klaut meinen analogen Job!" Gut jeder dritte deutsche Arbeitnehmer befürchtet, dass Digitalisierung und Industrie 4.0 seinen Job mittelfristig überflüssig machen. Ein weiteres knappes Fünftel traut sich noch nicht zu, die Auswirkungen der anstehenden Umbrüche auf den eigenen Arbeitsplatz einzuschätzen. Angst und Unsicherheit sind unter den Arbeitnehmern also weit verbreitet. Wasser auf die ängstlichen Mühlen goss kürzlich noch die Deutsche Bank, die vor dem Verschwinden analoger Jobs gewarnt hat.

Die Angst vor dem Jobkiller Fortschritt ist so alt wie der Fortschritt selbst: Während zu Beginn der Industrialisierung in Großbritannien noch die Weber Angst vor der Konkurrenz durch den automatischen Webstuhl hatten, fürchten heute die Taxi- und Busfahrer das selbstfahrende Auto und die Einzelhandelskaufleute die Selbstzahlerkassen, wie sie beispielsweise bei Ikea zum Einsatz kommen.

Hilfe, ein Roboter klaut meinen Job!
Bedrohte Jobs
Reinigungskraft
Lehrer
Sportler
Pfleger
Verkäufer
Concierge
Schauspieler
Pilot

Dass die Veränderungen sich nicht nur auf Industrie-Jobs beschränken werden, bestreitet in der deutschen Wirtschaft mittlerweile fast niemand mehr, wie die Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert unter HR-Führungskräften und 1000 Arbeitnehmern zeigt. "Rund 90 Prozent der von uns befragten Führungskräfte sind sich sicher, dass Industrie 4.0 auch über die produzierende Industrie hinaus deutliche Auswirkungen haben wird", sagt Studienleiter Hans Schlipat. "Zudem sind gut drei Viertel der HR-Manager davon überzeugt, dass Industrie 4.0 alle Prozesse innerhalb eines Unternehmens beeinflussen dürfte."

Doch das muss keine negativen Auswirkungen haben. Eine Studie des britischen Magazins Economist und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zeigt, dass der Fortschritt in den letzten 140 Jahren mehr Jobs geschaffen als vernichtet hat. Die Studienautoren griffen dafür auf britische Zensusdaten seit dem Jahr 1871 zurück.

Sie fanden heraus, dass mit zunehmender Technologisierung zwar die körperlich anstrengenden und gefährlichen Berufe ausstarben, dafür entstanden aber immer mehr wissenschaftliche und Dienstleistungsberufe. So ging die Zahl der Weber und Stricker um 79 Prozent zurück, dafür erhöhte sich die Zahl der Lehrer um 580 Prozent. Und mit den Wissensberufen stieg auch das Einkommen.

Auf welche Bereiche wirkt sich die Digitalisierung im Arbeitsalltag aus?
Eigenständigkeit in der Arbeit
Zusammenarbeit unter den Teams
Lebensqualität bei der Arbeit
Qualität der Kundenbeziehungen
Gestaltungsfreiheit und Innovationsmöglichkeiten
Kompetenzen
Arbeitsmotivation
Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben
Führungskräfteverhalten

Dass auch mit der erneuten Industrialisierungswelle der Bedarf an Wissensarbeitern steigen wird, ist unumgänglich. Laut Rochus Mummert geht entsprechend jeder zweite Arbeitnehmer davon aus, dass an seinem Arbeitsplatz künftig mehr IT-Kenntnisse erforderlich sein werden. Auch erwarten 43 Prozent, dass ihre Aufgaben im Job künftig komplexer werden. Umso wichtiger ist es, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter mit der neuen Arbeitswelt vertraut machen. "Die Firmen können und wollen die voranschreitende Entwicklung zu Digitalisierung und Industrie 4.0 nicht mehr aufhalten", sagt Schlipat.

So haben sich Unternehmen auf die Digitalisierung vorbereitet
34 Prozent
28 Prozent
Je 25 Prozent
18 Prozent
16 Prozent
13 Prozent
Fünf Prozent
33 Prozent

Und Andreas Harting, Partner bei Deloitte Digital, ergänzt: "Die Gewinner der digitalen Transformation werden diejenigen sein, die Paradigmenwechsel im eigenen Unternehmen als Standard etablieren und immer wieder neue Geschäftsmodelle erschaffen. Voraussetzung dafür sind die richtigen Führungspersönlichkeiten und eine Netzwerkstruktur, die über das eigene Unternehmen hinausgeht."

Laut Deloitte muss sich das Top-Management eines jeden Unternehmen fragen, wann und wie die Digitalisierung der eigenen Branche die Firma betreffen wird und was die essenziellen nächsten Schritte sind, um die Rolle des Unternehmens in der digitalen Welt von morgen neu zu definieren. Und die Führungskräfte müssen ihren Angestellten die Angst vor der Veränderungen nehmen, wie Schlipat sagt.

Die Chancen, dass dies auch gelingt, sind dabei gar nicht mal so schlecht. Ein Ergebnis der Rochus Mummert-Umfrage ist nämlich auch, dass 35 Prozent der Arbeitnehmer schon heute davon ausgehen, dass ihnen die Digitalisierung mehr Vor- als Nachteile bringen wird. Zudem ist ein weiteres Drittel potenziell dazu bereit, sich von dieser Einstellung überzeugen zu lassen.

ked
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