"Vordenker"-Studie: Sind die Deutschen eher Nesthocker oder Weltenbummler?

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"Vordenker"-Studie: Sind die Deutschen eher Nesthocker oder Weltenbummler?

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Auslandsaufenthalt: Wohin soll die Reise gehen?

von Lin Freitag

Eine Umfrage der WirtschaftsWoche in Kooperation mit BCG hat untersucht, wie mobil junge Führungskräfte sind. Die meisten finden einen Auslandsaufenthalt attraktiv – in einem anderen Land leben aber nur die wenigsten.

Wer heute Karriere machen will, muss auch einmal länger im Ausland gearbeitet haben. Um neue Sprachen und Kulturen kennen zu lernen. Um Kontakte zu knüpfen und Einblicke in andere Geschäftsmodelle zu erlangen. 

„Wer sich nicht bewegt, hat immer die gleiche Perspektive“, heißt es etwa beim Konsumgüterhersteller Henkel. Um das zu ändern, müssen alle Mitarbeiter, die einmal etwas werden wollen, auch mal ins Ausland. Zumindest für diejenigen, die eine der Top-Positionen ab zwei Ebenen unterhalb des Vorstandes anstreben.

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Aber wie sehen das die jungen Talente? Sind sie genauso von der Wichtigkeit des Auslandsaufenthalts überzeugt wie ihre Arbeitgeber? Wird doch gerade der Generation Y ein besonders großes Bedürfnis nach Sicherheit nachgesagt.

Junge Führungskräfte Manager bleiben lieber zu Hause, als ins Ausland zu gehen

Wer Karriere machen will, muss mal im Ausland arbeiten. Doch inzwischen scheuen viele Nachwuchskräfte das Leben als Expat. Sie bleiben lieber zu Hause in Deutschland. Für die Unternehmen wird das zunehmend zum Problem.

Quelle: Illustration: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Eine Umfrage der WirtschaftsWoche in Kooperation mit BCG gibt Einblicke in die Gedanken der Vordenker, einer Gruppe von jungen Führungskräften. Insgesamt haben 120 der 320 daran teilgenommen. Das Ergebnis zeichnet ein gespaltenes Bild.

So bewerten zwar 64 Prozent der Befragten einen Auslandsaufenthalt als attraktiv, hinzu kommen noch einmal 27 Prozent die ihn als „eher attraktiv“ empfinden. Und immerhin 31 Prozent der Vordenker wollen künftig im Ausland arbeiten. Weitere 43 Prozent können es sich zumindest vorstellen. Immerhin zwei von drei Vordenkern haben auch schon einmal länger als sechs Monate im Ausland gearbeitet.

So weit, so global. Doch dem gegenüber steht eine andere Zahl: Tatsächlich in einem anderen Land leben aktuell aber nur sieben Prozent. Die große Mehrheit arbeitet also in Deutschland.

Besonders beliebt sind die USA als Entsendungsziel. 60 Prozent der Befragten gaben, gerne einmal dort arbeiten zu wollen. Vor allem aufgrund der kulturellen Ähnlichkeiten. Auf dem zweiten Platz befindet sich das ebenfalls wenig exotische Kanada, gefolgt von Australien. Weniger beliebt ist hingegen Asien. Für 47 Prozent der Vordenker kommt ein Aufenthalt dort aktuell nicht in Frage. Grund dafür sind Sicherheitsbedenken und Sorgen um die politische Instabilität. Gleiches gilt auch für die Arabischen Staaten und Afrika.

Top-Entscheider Vordenker-Community

Gemeinsam mit der Boston Consulting Group hat die WirtschaftsWoche die besten Nachwuchsführungskräfte identifiziert. Ein regelmäßiges Panel ermittelt die Stimmung unter den Vordenkern, die WiWo und BCG laden zu regelmäßigen Veranstaltungen. Sie möchten sich bewerben?

Top-Entscheider: Vordenker-Community

Diese Ergebnisse zeigen, dass sich junge Führungskräfte doch eher auf Länder fokussieren, die ihnen kulturell näher sind. Ein bisschen Spießertum steckt also auch in der global denkenden Elite. Insgesamt gehören die Vordenker aber noch zu den mobilen Deutschen. Vor einigen Jahren erstellte BCG eine große Studie mit über 200.000 Teilnehmern. Darin wurde die Mobilität von Arbeitnehmern weltweit untersucht.

Demnach waren nur 44 Prozent der Bundesbürger bereit, für einen Job längere Zeit ins Ausland zu gehen. Weltweit sind es im Schnitt 63 Prozent. Und in den Nachbarländern Frankreich und Niederlande würden mehr als 90 Prozent diesen Schritt wagen. Damit gehört Deutschland zu den absoluten Umzugsmuffeln. Ganz getreu dem Motto: Zuhause ist es doch am schönsten.

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