Vorstände: IT-Profis stehen im Abseits

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Vorstände: IT-Profis stehen im Abseits

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Nur wenige IT-Verantwortliche schaffen es in die Vorstände ihrer jeweiligen Unternehmen. Diejenigen, die den Kabelsalat sortieren könnten, bleiben von den Schlüsselentscheidungen ausgeschlossen.

Eine Studie stellt fest: Nur wenige IT-Chefs schaffen es in die obersten Gremien eines Unternehmens. Sie bleiben von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen. Doch dafür sind sie teilweise selbst verantwortlich.

Sie halten die IT-Netzwerke am Laufen, sie sorgen dafür dass die Datenbanken funktionieren und kümmern sich darum, dass die Kosten bei der IT-Infrastruktur nicht aus dem Ruder laufen: Ohne einen fähigen Chief Information Officer (CIO) kann heute kaum ein Unternehmen halbwegs gut funktionieren.

Trotzdem spielt eine Mehrheit der CIOs in ihren jeweiligen Firmen eine untergeordnete Rolle. Einer Studie von Ernst & Young zufolge sind lediglich 17 Prozent von 300 befragten IT-Spezialisten Teil der Unternehmensführung. Diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren scheinbar kaum verändert – obwohl die Rolle von CIOS und ihre Aufgaben seit fast zwei Jahrzehnten einen festen Platz im Unternehmensgefüge einnehmen, haben sie kaum die obersten Positionen in den Unternehmen erobert.

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Die Ernst &Young-Studie hat für diesen Widerspruch – die Aufgaben und tatsächliche Rolle der CIOS  - zwei Hauptgründe ausgemacht.

12 Karriere-Mythen

  • Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

    Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

    Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

  • Ohne Doktortitel geht es nicht

    „Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

  • Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

    Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

  • Nur wer sich anpasst kommt weiter

    Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

  • Der MBA ist ein Karriere-Turbo

    Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

  • Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

    Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

  • Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

    Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

  • Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

    Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

  • Der erste Job muss der richtige sein

    Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

  • Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

    Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

  • Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

    Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

  • In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

    „In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Zum einen sind zwei Drittel der befragten IT-Spezialisten – und Verantwortlichen mit ihrer zugewiesenen Rolle vollkommen zufrieden. Es mangele den CIOs an Motivation, um in der Hierarchie des Unternehmens aufzusteigen. „Der CIO der Zukunft muss Beziehungen aufbauen, aktiver werden und sich mit Blick auf künftige Unternehmensentwicklungen besser positionieren“, sagt Olaf Riedel von Ernst & Young. Die IT-Verantwortlichen bräuchten nicht nur Business-Skills sondern verstärkt Kommunikationskompetenzen. 72 Prozent der Befragten sehen das ein – sie sind der Ansicht, dass der Ausbau von Beziehungen im Unternehmen für den Aufstieg in der Hierarchie förderlich sind.

"Sie müssen offensiver kommunizieren"

Auf der anderen Seite würde es an Unterstützung seitens des Topmanagements fehlen. 38 Prozent der befragten Fachbereichsleiter sind sich dessen bewusst: Die Unternehmensspitze würde sie nicht ausreichend unterstützen und einbinden.

Die Folge: Die meisten IT-Direktoren bleiben von Schlüsselentscheidungen ausgeschlossen.  Und der Stillstand bei ihrer Position innerhalb des Unternehmen könnte langfristige Folgen für die Entwicklung künftiger Geschäftsfelder sein – und für die Karriere der IT-Verantwortlichen selbst. „Wenn sie sich nicht entscheidend weiterentwickeln, dann droht ihnen der weitere Abstieg in der Unternehmenshierarchie oder gar das Karriere-Abstellgleis“ so Ernst & Young-Mann Olaf Riedel.  Er skizziert auch einen Ausweg vor der drohenden Karriere-Sackgasse: „De CIOS müssen offensiver kommunizieren und ihren Auftritt verbessern – intern als auch extern.“

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