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Vorstellungsgespräche: Persönlichkeitstests taugen nichts

Die meisten Arbeitnehmer halten Persönlichkeitstests für untauglich. Zu recht, denn 80 Prozent der Tests entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand, wie eine Studie zeigt.

Astronautenkorps der ESA

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA wählt nur alle paar Jahre eine kleine Zahl von Astronauten aus. Das letzte Verfahren begann im Mai 2008 und endete etwa ein Jahr später mit der Einstellung von neun Astronauten. Bewerber müssen dieselben ärztlichen Atteste wie Privatpiloten vorlegen; die Untersuchung muss von einem vom jeweiligen nationalen Luftfahrtgesundheitsamt zugelassenen Fliegerarzt vorgenommen werden. Dann folgen: Zwei psychologische und fachliche Eignungsprüfungen, darunter Verhaltenstests und Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten. Ärztliche Untersuchungen durch Flieger- und andere Fachärzte, Laboruntersuchungen und weitere spezifische Verfahren. Alle durchgekommenen Bewerber werden dann von einem Auswahlausschuss der ESA befragt. Die ausgewählten Bewerber werden ins Europäische Astronautenkorps eingegliedert und beginnen im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln mit ihrer Grundausbildung.

Bild: dpa/dpaweb

57 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland haben die Erfahrung gemacht, dass Persönlichkeitstests an den konkreten beruflichen Anforderungen vorbeizielen. Doch die Ergebnisse solcher Tests seien trotzdem bedeutsam für die Karriere, das glauben zumindest 47 Prozent der 1.100 Arbeitnehmer, die repräsentativ von den Assessment-Spezialisten der "Metaberatung" befragt wurden.

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59 Prozent der Arbeitnehmer erscheinen die Tests der Unternehmen nicht ausreichend fundiert zu sein, um die eigene Persönlichkeit und beruflichen Fähigkeiten treffend zu erfassen. „Die Ergebnisse der Umfrage decken sich weitgehend mit den Beobachtungen, die wir in der Unternehmenspraxis machen“, sagt Rainer M. Neubauer, Geschäftsführer der Metaberatung.

Alternative Frage

"Warum möchten Sie sich beruflich verändern? Entspricht das jetzige Gehalt nicht Ihren Vorstellungen? Oder reizt Sie bei uns das internationale Umfeld?"

Darum geht´s: Der Personaler will Ihre Überzeugungen aufspüren - und er sucht keinen Mitarbeiter, der nur durch ein hohes Gehalt zu motivieren ist. Aber: Weder die eine noch die andere dargebotene Antwortvariante muss die Sachlage tatsächlich treffen. Vermutlich gibt es noch zig weitere Gründe für einen Arbeitgeberwechsel. Nennen Sie lieber einen, der sich mit dem Bedarf des neuen Arbeitgebers deckt.

Clevere Antwort: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden auf meiner jetzigen Stelle. Mein Einsatz bei der Firma x hat gezeigt, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand ist in meinem Team um 15 Prozent gesunken und die Fluktuation hat sich bei 3 Prozent eingependelt. Ich suche nach einer Herausforderung, bei der ich mich in ähnlicher Weise engagieren kann, und wünsche mir ein Umfeld, in dem ich mich selbst auch noch weiterentwickeln kann.

Quelle: Karriere.de

Bild: Fotolia

„Von den rund 1.000 in Deutschland verwendeten Testverfahren halten gut 80 Prozent neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Human-Resources-Forschung nicht stand.“ Der Mangel an methodischer Professionalität führt zudem dazu, dass die wenigsten Testanwender zertifiziert sind (DIN 33430). Sie entsprechen oft nicht den neuesten Anforderungen des deutschen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und werden oft den bekannten internationalen Fachstandards nicht gerecht, die von der American Psychological Association aufgestellt wurden.

Die Arbeitnehmer kritisieren jedoch nicht nur die fachliche Qualität, sondern auch die Verfahren der durchgeführten Tests. Drei Viertel der Befragten bemängeln, dass die Auswertung ihres Persönlichkeitstests durch den Arbeitgeber derzeit hinter verschlossenen Türen stattfindet. Die Ergebnisse der Tests werden den Getesteten nicht detailliert mitgeteilt.

Gleichzeitig ist das Interesse der Berufstätigen an Gesprächen über die Karriereaussichten mit den Vorgesetzten groß. Zwei Drittel der Mitarbeiter wünschen sich einen Austausch über die Ergebnisse von Persönlichkeitstests, um den beruflichen Werdegang gemeinsam zu gestalten.

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"Wie die Praxis zeigt, werden die Persönlichkeitstests mangels Schulung des Personals häufig nicht richtig angewendet oder die Ergebnisse liefern langfristig keine haltbaren Aussagen", sagt Neubauer. Daher sollten Arbeitgeber umdenken und wissenschaftlich fundierte Persönlichkeitstests anwenden, die den Dialog mit den Arbeitnehmer erleichtern. "So lassen sich insbesondere Talente im eigenen Unternehmen zuverlässig identifizieren und auf Grundlage einer gemeinsamen Strategie fördern. Angesichts des Fachkräftemangels ist die Einführung eines solchen modernen Talent-Managements unverzichtbar“, so Neubauer.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 13.09.2012, 12:52 Uhrbig-five

    Schön, dass das Thema mal wieder aufgegriffen wird!
    Für den Leser ist vielleicht aber auch wissenswert, welche Verfahren von der Fachwelt als wissenschaftlich fundierte Tests angesehen werden, z.B. Verfahren, die auf dem Big Five Modell begründet sind.
    siehe:
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/assessment-center-schwaetzer-bevorzugt-1.70196

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