Weconomy: Rat und Hilfe für die Unternehmer von morgen

Weconomy: Rat und Hilfe für die Unternehmer von morgen

, aktualisiert 25. November 2011, 15:02 Uhr
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Rat und Hilfe für junge Gründer: Joachim Enenkel, Vorstandsmitglied der Bilfinger Berger SE.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Die Wirtschaft braucht frische Ideen. Bei den Weconomy-Awards trafen am Wochenende junge Existenzgründer mit erfahrenen Firmenlenkern wie Jürgen Hambrecht zusammen. Ein Austausch zwischen zwei Generationen von Managern.

Baden-BadenEin herrliches Herbstwochenende in der Kurstadt Baden-Baden. Sonnig und doch so kühl, dass der Geldadel aus aller Welt seine neuen Pelzmäntel herausholt und auf Kurpromenade, vor dem Casino oder dem Burda-Museum spazieren trägt. In der badischen Kurmetropole tummeln sich am vergangenen Samstag vorwiegend ältere Menschen, die das genießen, was sie geschafft haben.

So weit sind die Gewinner des Gründer-Wettbewerbs Weconomy noch nicht. Aber sie riskieren einen Weg mit viel Mut, der vielen ihrer Altersgenossen fehlt. „Mir imponiert, dass da Leute Mitte Zwanzig mit Summen jonglieren, die einem veritablen Eigenheim gleichkommen“, sagt Eckard Gatzke, Deutschland-Chef des Personaldienstleisters Randstad. Er ist einer von neun Topmanagern, die diesen Samstag freigenommen haben, um den Gewinnern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

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Das ist der Preis, den es bei Weconomy zu gewinnen gibt: Exklusive Tips von Bosch-Chef Franz Fehrenbach, Würth-Chef Franz Fehrenbach, Bilfinger-Berger-Vorstand Joachim Enenkel  oder auch von Carl Heiner Schmid, ihm gehört Deutschlands größter Handwerksbetrieb mit über 3000 Beschäftigten. Im 20 Minuten-Takt wechseln die intensiven Einzelgespräche im Salon Maler.

Mit  acht Meter Höhe und Holzkasettendecke ist er das Schmuckstück des Fünf-Sternehotels Dorint direkt neben dem Casino in Baden-Baden. Die Gründer sollen an diesem Wochenende schon mal Schnuppern an der Welt der Reichen und Berühmten. Schließlich haben die neun Gewinner sich zuvor gegen über 100 Mitbewerber durchgesetzt. Auch wenn es in den Gesprächen vorwiegend um sachdienliche und wohlgemeinte Ratschläge geht.

Die Erfinder - beispielsweise einer Wolle aus Kuhmilch, Produktionsverfahren für Silizium mit einer Microwelle oder einer Zange mit Doppelgriff - sind allesamt beseelt von ihrem Produkt. Da kann es nicht schaden wenn die Experten den Blick auf den Vertrieb richten, ohne den das beste Produkt scheitern kann.

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Aber es geht an dem Wochenende auch ein wenig ums Türeöffnen. Ex-BASF-Chef  Jürgen Hambrecht ist als Vermittler gefragt. Er ist einer der Gründerväter der Wissensfabrik. Sie hat sich als Zusammenschluss führender Unternehmen die Nachwuchsförderung auf die Fahnen geschrieben. Ziel ist es nächste Generation wettbewerbsfähig zu machen.

Philipp Tillmans Unternehmen Phenospex hat einen Pflanzenscanner entwickelt, der dem Großgärtner die Dosierung von  Wasser, Licht und Düngemittel exakt dem Pflanzenwachstum erlaubt. Konkret geht es dem Unternehmensgründer seine Anlage nicht nur an Gartenbauer sondern auch an Großunternehmen für deren Entwicklungsprojekte zu verkaufen. Bei BASF war Tilmanns schon vorstellig.  Da kann ein interner Hinweis von Hambrecht, sich das Angebot von Phenospex genauer anzuschauen, schon etwas bewirken.

Großes Interesse fand bei den Topmanagern das junge Unternehmen Deon, das eine Multimedia-Päsentationssystem für Konferenzen und Besprechungen entwickelt hat, eine Art lasergesteuerter Touchscreen im Kinoformat mit Verknüpfung zu individuellen PC-Arbeitsplätzen. Auch Bosch-Chef Franz Fehrenbach fand das System der Berliner Thomas Sommer und Jacek Jonczyk „sehr interessant“. Es soll bei Gelegenheit in der Bosch-Zentrale auf der Schillerhöhe getestet werden.

Media Metrics erweckte die Aufmerksamkeit von Bilfinger-Berger-Vorstand Joachim Enenkel. Firmengründer Patrick Bunck hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe sich ein Kunde ein genaues Meinungsbild schaffen kann, was weltweit in 38 Sprachen im Internet und besonders bei Twitter und Facebook über sein Unternehmen getuschelt wird.

„Das ist für Unternehmen sehr wichtig“, betonte Enenkel und nannte gleich ein Beispiel. Im Internet kam beim Libyen-Konflikt das Gerücht auf, Bilfinger Berger habe für Gaddafi gebaut. Und solle doch gefälligst die Baupläne rausrücken, damit die Kampfflugzeuge der Allianz zielgenauer treffen können. „Ein sehr sensibles Thema, das sich leicht verbreitet und dem Unternehmen schaden kann, auch wenn absolut nichts dran war, wie in diesem Fall“, sagt Enenkel.

„Ich bin begeistert, was es hier für tolle Ideen umgesetzt werden“, sagte  Robert Friedmann. Der Würth-Chef versprach, selbst die Idee mit der Zange mit Doppelgriff - ähnlich wie bei einem Hummer - nicht zu klauen. „Wir wissen schon genau, wie wichtig es ist, geistiges Eigentum zu respektieren“, versicherte Bosch-Chef Franz Fehrenbach. Was Fenna Neubauer, die das Gerät mit ihrem Bruder auf den Markt bringen will, zu dem Kommentar veranlasste: „Sonst klagen wir“.

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Aber Sinn der Veranstaltung ist ja nicht, dass Großunternehmer den Gründern ihre Ideen stibitzen. Es ging schon eher um ernste Fragen, wie positioniert man so eine Zange. Für den Chef des größten Handwerksunternehmens darf so ein Gerät nicht mehr als 10 Euro kosten. Das finden die Geschwister zu niedrig, „Lieber erst höher positionieren. Runtergehen kann man immer noch“, sagt Fenna Neubauer selbstbewusst Die jungen Gründer wollen in der Regel ein eigenes Unternehmen aufbauen und eigenständig bleiben.

Teil des Gewinner-Wochenendes ist am Abend das Treffen mit den Vorjahressiegern beim Abendessen. Dabei soll ein kleines Netzwerk Gleichgesinnter entstehen. Heiße und nicht ganz so heiße Informationen werden bei feinsten italienischen Vorspeisen ausgetauscht. „Hast Du gehört; xy hat verkauft, will verkaufen.“ Ist ein häufiges Thema. Denn schnell kommen kleine Unternehmen dann doch an den Punkt,  wo ihnen das Geld für den Markteintritt oder den Gang ins Ausland fehlt. Häufig verkaufen sie dann doch ihre Idee als Lizenz, oft auch zu billig.

Heute hat der Bosch-Konzern den Abschluss des Kauf des Softwareunternehmens Inubit AG bekannt gegeben.  Der weltgrößte Autozulieferer kauft sich Know-how und Softwarentwickler, um das strategische Konzernziel, alle seine Produkte internetfähig zu machen, auf den Weg zu bringen.

Die Schwaben wollen gewappnet sein, wenn eines Tages die Bosch-Sensoren der Autos von sich aus der Servicestation melden, dass das Auto zur Inspektion oder Reparatur in die Werkstatt muss. Der Technikkonzern will auch an nachgelagerten Geschäftsmodellen verdienen.

„Vor zehn Jahren hätte die Inubit auch unter den Gewinnern von Weconomy sein können“, sagt Fehrenbach.  Das Beispiel zeigt wichtig Gründungunternehmen einmal für große Konzerne werden können. Aber Fehrenbach legt Wert darauf, dass Weconomy für den Gedankenaustausch zwischen Gründern und erfahrenen Wirtschaftsführern ist - und keine Veranstaltung für die Akquisition von Kunden oder von Unternehmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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