Weiterbildung: Baden-Württemberg paukt, Sachsen-Anhalt schwänzt

Weiterbildung: Baden-Württemberg paukt, Sachsen-Anhalt schwänzt

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Wer sich regelmäßig weiterbildet, erhöht mitunter seine Chancen im Job. Dennoch gibt es extreme regionale Unterschiede.

Künftig geht nichts mehr ohne lebenslanges Lernen: Die Welt verändert sich, das Wissen von gestern ist schon heute veraltet. Also heißt es: weiterbilden. Bei der Bereitschaft gibt es erhebliche regionale Unterschiede.

"Als ich ein Junge war, hat mein Vater mir gesagt: Entweder du gehst zur Schule, oder du gehst arbeiten", erzählt Andrea Portemoli, CEO des italienischen Rennwagenherstellers Dallara bei einer Veranstaltung der Business School IMD vor CEOs und Managern. Und lange war das das herrschende Bild: Wer lernt, braucht nicht zu arbeiten und wer arbeitet, braucht nicht mehr zu lernen. Doch das hat sich geändert, wie auch Portemoli sagt: "Es ist nicht sinnvoll, zu studieren, bis man 25 ist und dann 40 Jahre lang zu arbeiten. Stattdessen sollte man mit 18 anfangen zu arbeiten, während man studiert und dann weiter lernen, während man arbeitet."

Dieser Ansicht sind Bildungs- und Arbeitsmarktexperten rund um den Globus: Was junge Menschen heute in ihrer Ausbildung oder im Studium lernen, kann wegen der rasanten Geschwindigkeit, mit der sich unsere Welt verändert, schon vor Ausbildungsende überholt sein. Viele Jobs, die heutige Erstsemester einst ergreifen werden, gibt es jetzt noch gar nicht. Wie also soll ein Studium sie darauf vorbereiten?

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So bilden Unternehmen Mitarbeiter weiter

  • Externe Seminare

    Zur Fortbildung von Beschäftigten nutzen die meisten Unternehmen laut Umfrage externe Seminare – und zwar 43 Prozent.

    Der Branchenverband Bitkom hat mehr als 500 Unternehmen ab zehn Mitarbeitern befragt, wie sie ihre Beschäftigten schulen.

  • In-House-Seminare mit externen Referenten

    Vier von zehn befragten Unternehmen laden regelmäßig externe Referenten in den Betrieb ein, damit sie die Mitarbeiter schulen.

  • Webbasierte Lernprogramme

    Unter den digitalen Weiterbildungsmöglichkeiten werden webbasierte Lernprogramme laut Erhebung am häufigsten eingesetzt: 36 Prozent der Unternehmen gaben an, diese zu nutzen.

  • PC-Lernprogramme

    Fast jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) schult laut Umfrage mit Hilfe von Lernprogrammen, die auf dem Computer installiert werden.

  • In-House-Seminare mit eigenen Mitarbeitern

    Jedes fünfte Unternehmen gab an, Angestellten Seminare im eigenen Haus anzubieten, bei denen sie von anderen Mitarbeitern geschult werden.

  • Interaktive Videos

    Um ihre Mitarbeiter zu schulen, zeigen zwölf Prozent der befragten Unternehmen regelmäßig interaktive Videos.

Der Schlüssel ist entsprechend die Weiterbildung, Stichwort lebenslanges Lernen. Doch gerade in Deutschland ist die Bereitschaft dazu relativ ungleichmäßig verteilt, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Im Durchschnitt liege die Weiterbildungsquote bei 12,3 Prozent. Bei 43,48 Millionen Beschäftigten (Stand: Mai 2016) nehmen also etwas mehr als fünf Millionen Deutsche an Weiterbildungsmaßnahmen teil.

In manchen Regionen sind die Arbeitnehmer besonders fleißig: In Baden-Württemberg drücken 14,8 Prozent berufsbegleitend die Schulbank, auf Platz zwei folgt Hessen mit einer Quote von 14,6 Prozent. Natürlich gibt es auch innerhalb der Länder regionale Unterschiede. Deutschlands Spitzenreiter in punkto Weiterbildung leben im hessischen Darmstadt: Hier besuchte fast jeder vierte Einwohner, der älter ist als 25 Jahre, mindestens eine Weiterbildung oder einen Sprachkurs.

Was Weiterbildung Mitarbeitern bringt

  • Kompetent und sicher

    Im Auftrag des Hamburger ILS Instituts für Lernsysteme befragte forsa im Februar 2015 rund 1.000 Personen zwischen 20 und 40 Jahren aus deutschsprachigen Privathaushalten zu ihren Erfahrungen mit Weiterbildung. Mehrfachnennungen waren möglich.

    78 Prozent der Befragten stellen fest, dass ihnen die Fortbildung mehr Kompetenz und Sicherheit im Beruf gebracht hat.

  • Zufrieden & selbstbewusst

    60 Prozent der Befragten bezeichnen sich nach ihrer Weiterbildung als insgesamt zufriedener.

  • Anerkannt

    52 Prozent der 20- bis 40-Jährigen erleben nach der Fortbildung mehr Anerkennung durch Arbeitgeber und Kollegen.

  • Erfolgreicher

    43 Prozent der Befragten mit Weiterbildungserfahrung konnten unmittelbar in eine höhere Position aufsteigen oder erhielten mehr Verantwortung.

  • Vermögender & klüger

    36 Prozent konnten sich außerdem über finanzielle Vorteile wie eine Gehaltserhöhung freuen.

Die niedrigste Weiterbildungsquote haben dagegen Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland mit 10,4 Prozent. Bundesweites Schlusslicht ist das brandenburgische Prignitz. Hier nahm nur jeder 34. Einwohner an einer Weiterbildung teil.

Schuld an den Unterschieden sind allerdings nicht nur verschiedene regionale Sozial- und Wirtschaftsstrukturen, teilte die Stiftung mit. Auch spiele beispielsweise die Qualität des Angebotes eine große Rolle. Bei diesen und anderen steuerbaren Faktoren blieben insbesondere Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen hinter ihren Möglichkeiten zurück, mehr Leute zum lebenslangen Lernen zu bewegen.

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