Wiedereinstieg: Wie Zeitarbeit zum Sprungbrett werden kann

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Wiedereinstieg: Wie Zeitarbeit zum Sprungbrett werden kann

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Die Zeitarbeit in Deutschland hat sich branchenübergreifend als feste Größe der strategischen Personalplanung etabliert. Allerdings erfüllt sie nur für die Arbeitgeber immer den gleichen Zweck.

von Kerstin Dämon

Zeitarbeit verbindet man häufig mit Tarifkonflikten und Niedriglohnsektor. In den meisten Fällen trifft das zu. Es gibt aber auch Anbieter, die Hochqualifizierte vermitteln. Wer von der Zeitarbeit profitiert - und wie.

Dieter Zöller, 59 Jahre alt, hat Anfang der Siebzigerjahre eine Ausbildung zum Elektriker abgeschlossen. Nachdem ihn sein Ausbildungsbetrieb nicht übernahm, arbeitete er jahrelang für ein Unternehmen, das Spielautomaten aufstellte und reparierte. Mit seinem gelernten Beruf hatte das nicht viel zu tun. "Das war ja mehr Mechanik als Elektronik", sagt Zöller. "Ich habe 34 Jahre nicht in meinem eigentlichen Beruf gearbeitet."

Dann verlor er seinen Job und fing bei der KMS Zeitarbeit GmbH an, die ihn an verschiedene Arbeitgeber, unter anderem auch an die Deutsche Bank, vermittelte. Damit ist er ein ganz klassischer Zeitarbeiter, wie Elke Jahn vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt. "60 Prozent der Zeitarbeiter kommen aus der Arbeitslosigkeit", sagt die Expertin, zu deren Forschungsschwerpunkten flexible Arbeitsverhältnisse gehören. "Viele haben gar keine andere Wahl: Arbeitslosigkeit oder Zeitarbeit."

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43,8 Prozent kamen über die Zeitarbeit zu einer Festanstellung

Studien belegen allerdings, dass Zeitarbeiter - zumindest die geringer qualifizierten unter ihnen - ein deutlich höheres Risiko haben, arbeitslos zu werden. Auch müssten viele von ihnen ihr Gehalt zusätzlich aufstocken. "Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist im Vergleich zur Gesamtökonomie höher, da Zeitarbeiter im Median drei Monate in einem Unternehmen bleiben, während der Median bei regulär Beschäftigten etwa vier Jahre beträgt", erklärt Jahn. Und die Frage, ob jemand aufstocken muss oder nicht, hänge stark von der Familiensituation und der Qualifikation ab. Während dem Single das Geld, das er als ungelernte Kraft bei einer Zeitarbeitsfirma verdient, vielleicht ausreicht, ist es für den Vater von drei Kindern viel zu wenig.

Und selbstverständlich verdient der Hilfsarbeiter auch in der Zeitarbeit weniger als der Maschinenbauer.

Für Zöller hat sich der Schritt allerdings ausgezahlt: Zweieinhalb Jahre lang war er als Zeitarbeiter beim Unternehmen Heinemann Projektleistungen in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt als Zeitarbeiter beschäftigt, bevor er übernommen wurde. Heinemann Projektleistungen ist ein Dienstleister für Elektro-, Datentechnik und Schaltschrankbau. "Die machen auch Strom, nicht nur Datentechnik", so Zöller. Der Betrieb sei auf ihn zugekommen und habe ihn abgeworben.

Warum Unternehmen Zeitarbeit einsetzen

  • 94,3 Prozent

    Laut einer aktuellen Studie der Personalberatungs- und Personalvermittlungsgesellschaft Page Personnel ist die Flexibilität für 94,3 Prozent der befragten deutschen Unternehmen ausschlaggebend für den Einsatz von Zeitarbeitern. Global nannten 89,4 Prozent der Befragten Flexibilität als Hauptargument.

    Befragt wurden Unternehmen (und Fachkräfte), die in den letzten zwölf Monaten Zeitarbeit eingesetzt haben, beziehungsweise als Zeitarbeiter beschäftigt waren. Mehrfachantworten waren möglich.

  • 77,8 Prozent

    Fast 80 Prozent der deutschen Unternehmen (global 75,7 Prozent) nutzen die Zeitarbeit, um Kandidaten für eine Festanstellung zu finden.

  • 61,9 Prozent

    Die Deckung kurzfristigen Personalbedarfs - etwa in Stoßzeiten oder als Krankheitsvertretung - nannten 61,9 Prozent als Motiv.

  • 47,2 Prozent

    Für rund die Hälfte der Befragten sind Zeitarbeiter schlicht eine günstige Alternative zu festangestellten Kräften. Global sagten sogar 61,2 Prozent, dass sie Zeitarbeiter aus Gründen der Kosteneffizienz beschäftigten.

  • 37,5 Prozent

    Frischer Wind von außen: Für mehr als ein Drittel sind Zeitarbeiter eine Möglichkeit, externes Wissen und Kenntnisse in den Betrieb zu bringen.

  • 14,2 Prozent

    Langfristige Weiterentwicklung des Unternehmens erhoffen sich 14,2 Prozent der deutschen Studienteilnehmer von Zeitarbeitern. Global betrachtet steigt die Zahl auf 26,9 Prozent.

Damit steht er nicht alleine da, wie eine Studie der Personalberatungs- und Personalvermittlungsgesellschaft Page Personnel zeigt: 43,8 Prozent der von der Personalberatung befragten Fachkräfte, die bereits als Zeitarbeiter tätig waren, wurde eine Festanstellung angeboten.

Hier dürfe man allerdings die Kausalität nicht außer Acht lassen, erklärt Jahn. Sie gibt ein Beispiel: Zwei Personen mit gleicher Bildung, Berufserfahrung und Soft Skills werden zum gleichen Zeitpunkt arbeitslos. Einer geht in die Zeitarbeit, der andere nicht. Finden beide nach sechs Monaten eine Festanstellung, liegt es an ihrer Qualifikation - in diesem Fall ist die Zeitarbeit kein Sprungbrett aus der Arbeitslosigkeit gewesen.

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