Zu simpel, unmöglich, richtig wichtig für mich: Wie wir Aufgaben produktiv deuten

Zu simpel, unmöglich, richtig wichtig für mich: Wie wir Aufgaben produktiv deuten

Ruinieren Schwierigkeiten die Motivation, während Leichtigkeit sie stärkt? Oder ist es genau umgekehrt? Außergewöhnlich erfolgreichen Menschen deuten Schwierigkeiten und bleiben hartnäckig.

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Motivation im Job: Außergewöhnlich erfolgreichen Menschen deuten Schwierigkeiten und Scheitern produktiv.

"Er-folg" ist leicht, wenn das folgt, was man sich vorgestellt hat. Schwieriger ist es, erfolgreich zu scheitern. Doch die Biographien außergewöhnlich erfolgreicher Menschen von Einstein über Picasso bis hin zu Stravinsky oder Freud zeigen genau das: Wenn ihnen etwas missglückt, verschwenden sie ihre Zeit nicht mit jammern, Schuldzuweisungen oder gar aufgeben.

Stattdessen interpretieren sie den Rückschlag als eine Entwicklungserfahrung und versuchen auf dieser Misserfolgs-Lektion ihre folgenden Leistungen weiter aufzubauen. Sie bleiben dran. Bei Misserfolgen oder Unlust weitermachen, statt aufzugeben, so der US-amerikanische Erziehungswissenschaftler Howard Gardner (1996), das machte die Genialen so erfolgreich.

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Grit: Ich beende, was ich anfange

Aktuell taucht diese Eigenschaft in der Forschung immer wieder unter der kernigen Bezeichnung „Grit“ auf, was so viel wie Schneid, Mut oder Mumm bedeutet, und meint, hartnäckig langfristige Ziele zu verfolgen. Menschen mit Grit sagen Sätze wie "Ich beende, was immer ich anfange", "Rückschläge entmutigen mich nicht. Ich gebe nicht leicht auf", "Ich bin fleißig", "Ich habe Rückschläge überwunden, um eine wichtige Herausforderung zu schaffen". Erfolgreicher, gesünder und wohlbefindlicher macht das.

High Energy Unser Gehirn lebt ständig in der Zukunft

I've seen the future and it will be - I've seen the future and it works sang Prince und nahm aktuelle Forschungsbefunde vorweg: Es scheint entscheidend zu sein, seine Zukunft zu "sehen". Wie das funktionieren kann.

High Energy: Unser Gehirn lebt ständig in der Zukunft Quelle: dpa

Das Gegenteil von Grit liegt im sprunghaften Umherschweifen: "Neue Ideen und Projekte lenken mich manchmal von früheren ab", "Ich bin von einer bestimmten Idee oder einem Projekt für kurze Zeit begeistert, verliere aber später das Interesse", "Ich setze mir oft ein Ziel, entscheide aber später, ein anderes zu verfolgen", "Meine Interessen ändern sich von Jahr zu Jahr".

Kalifornischen Forschern ist nun eine spannende Entdeckung gelungen: Fisher und Oyserman (2017) fanden enge Zusammenhänge zwischen "Grit" und der Einschätzung einer Aufgabe - wobei wir bei der zweiten Gemeinsamkeit erfolgreicher Menschen sind: Sie scheinen leichte oder schwierige Aufgaben in einer spezifischen Art zu interpretieren, was ihnen wahrscheinlich hilft, dranzubleiben.

Es ist möglich und wichtig

Es geht dabei um die Fragen, ob Leichtigkeit die Motivation ruiniert, während Schwierigkeit sie stärkt, oder ob es genau umgekehrt ist: Leichtigkeit motiviert und Schwierigkeiten schwächen uns? Erledigen wir eine Aufgabe also lieber, wenn sie uns leicht, oder wenn sie uns schwer vorkommt? Räumen wir also lieber den Schreibtisch auf, statt den wichtigen Bericht zu schreiben? Unsere Interpretation in der jeweiligen Situation scheint das zu entscheiden.

Motivation Fangen Sie mit dem an, was am meisten Spaß macht

Damit ein Projekt gelingt, gilt: anfangen - und dran bleiben. Experten raten dazu, unangenehme Aufgaben zuerst zu erledigen. Also erst die Kröte schlucken, dann Eis essen. Wir sagen: Fangen Sie lieber mit dem Eis an.

Eine Kugel Eis im Hörnchen Quelle: dpa

Leichte Aufgaben können als

  • "möglich für mich/das kann ich" gedeutet werden, oder eben als

  • "nicht meiner Zeit wert/nicht wichtig/etwas Besseres zu tun haben".

Schwieriges hingegen kann bedeuten, dass etwas

  • "wichtig für mich" ist, oder dass etwas

  • "für mich unmöglich" ist.

Wie Mut uns stimuliert Mach was, womit du scheitern kannst

Wer sich bewusst Herausforderungen stellt, in denen er oder sie scheitern könnte, erhöht die Spannung und die Freude am Handeln. Die damit einhergehende Unsicherheit ist ein deutliches Zeichen für persönliches Wachstum.

Wie Mut uns stimuliert: Mach was, womit du scheitern kannst Quelle: dpa

Es geht demnach um Leicht-als-Möglichkeit, Leicht-als-Trivialität, Schwierig-als-Wichtigkeit und Schwierig-als-Unmöglichkeit-Deutungen. Wer eine schwere Aufgabe als "unmöglich zu schaffen" interpretiert, nimmt sich direkt am Start die Energie. "Unmöglich" ist keine besonders prickelnde Schwierigkeitsstufe. Und wer eine leichte Aufgabe abschätzig als "nicht meiner Zeit wert", "nicht wichtig" oder "habe Besseres zu tun" deutet, wird sie gar nicht oder eben nicht besonders gut bearbeiten.

Menschen mit Grit deuten Leicht-als-Möglichkeit und Schwierig-als-Wichtigkeit. In diesem Zusammenhang scheint es also egal zu sein, ob es um eine leichte oder schwere Aufgabe geht: Es kommt auf deren Interpretation an. Wenn es einfach ist, kann ich das und besorge mir so ein Erfolgserlebnis. Wenn es schwer ist, ist es richtig wichtig für mich, eine echte Herausforderung zum Wachstum. Vielleicht wollen Aufgaben eben genauso behandelt werden, wie wir Menschen auch: nämlich mit tiefer Wertschätzung.

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