Bestseller-Autor Malcolm Gladwell über Erfolg: "Mein Timing war perfekt"

Bestseller-Autor Malcolm Gladwell über Erfolg: "Mein Timing war perfekt"

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Malcolm Gladwell

Der amerikanische Star-Journalist und Bestseller-Autor Malcolm Gladwell über sein neues Buch „Überflieger“, seine Interpretation von beruflichem Erfolg und die Gemeinsamkeit mit Tiger Woods.

wiwo.de: Herr Gladwell, wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über Erfolgsfaktoren zu schreiben?

Malcolm Gladwell: Mich interessierte eine Frage: Lässt sich voraussagen, ob jemand auf einem bestimmten Gebiet gut sein kann? Zur selben Zeit erzählte mir ein Freund von erfolgreichen Anwälten, die alle einen ähnlichen familiären Hintergrund haben. Das machte mich neugierig.

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Ihre beiden Bücher Tipping Point und Blink waren internationale Bestseller, Sie arbeiten seit 1996 beim US-Magazin "New Yorker". Kann man ein Buch wie "Überflieger" auch schreiben, wenn man selbst erfolglos ist?

Möglich ist es, aber es würde sicher anders wahrgenommen. Das Thema interessiert einen sicher mehr, wenn man selbst Erfolg hat. Man stellt sich dann eher die Frage, wie sehr man dafür eigentlich selbst verantwortlich ist.

Und wie lautet die Antwort?

Man könnte denken, dass man einen hohen Einfluss hat. Die Antwort ist: Der eigene Einfluss ist gering.

Das Fazit Ihres Buchs lautet: Erfolg ist eine Mischung aus Fleiß, Cleverness und glücklicher Fügung – das sagt einem doch auch der gesunde Menschenverstand…

….ja, aber ich glaube, wir haben immer noch nicht verstanden, wie wichtig die Faktoren sind, die wir nicht beeinflussen können. Die Idee, die hinter dem Buch steht, ist überhaupt nicht radikal, aber die Erklärungen, die dahinterstecken, sind es.

Was ist also wichtiger: Ein hervorragendes Buch zu schreiben oder es clever zu vermarkten?

Definitiv ersteres. Natürlich hilft die Werbung am Anfang – aber langfristig erfolgreiche Bücher müssen gut sein  – ansonsten verschwinden sie schnell wieder aus dem Bewusstsein.

Trotzdem gibt es auch kritische Stimmen, die Ihnen vorwerfen, alt Bekanntes neu verpackt zu haben. Berührt Sie das?

Ich lese die Rezensionen nicht, schon gar nicht die negativen. Es ist schlicht unmöglich, ein Buch zu schreiben, das jedem gefällt. Ich will die Leute bewusst provozieren – das hat immer Kritik zur Folge. Ich sehe das außerdem als Kompliment: Man kritisiert eine Sache nur dann, wenn man auch über sie nachgedacht hat. Und das ist mein Ziel: Die Leute zum Nachdenken zu bewegen.

Wobei die Menschen momentan doch weniger darüber nachdenken, wie sie erfolgreicher werden können als darüber, ihren Job zu behalten. Kommt Ihr Buch zu einem schlechten Zeitpunkt?

Ganz im Gegenteil! Das Timing hätte nicht besser sein können. Ein Erfolgsgrund des Buchs ist sicher die derzeitige schlechte ökonomische Lage….

…wie meinen Sie das?

In meinem Buch geht es um eine Umdeutung der Definition von Erfolg – und dieser Prozess findet derzeit weltweit statt. Hätte ich das Buch in Boomzeiten geschrieben, als die Wirtschaft brummte und alle dachten, die Leute an der Wall Street seien alle Genies, wäre das Thema viel schwieriger zu vermitteln gewesen. Jetzt, da der Ballon zerplatz ist, hat das Thema viel mehr Relevanz.

Ist Misserfolg notwendig, um Erfolg zu haben?

Ich weiß nicht, ob zwingend notwendig, aber nützlich sicher – wenn er denn richtig interpretiert wird. Erfolgreiche Menschen haben vor allem eines: die Fähigkeit, Rückschläge zu überstehen und durchzuhalten…

…leichter gesagt als getan…

Ach, ich weiß nicht. Hat jeder die Fähigkeit dazu? Sicher nicht! Ist sie weiter verbreitet als wir denken? Vielleicht! Doch sicher ist Resilienz unter Erfolgreichen weit verbreitet – womöglich ist sie sogar die wichtigste Eigenschaft überhaupt.

Mussten Sie jemals Rückschläge überwinden?

Ich gebe es offen zu: Mein Leben war bisher frei von Hindernissen. Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Ich hatte einfach Glück, mir ist in meiner Laufbahn nichts Schlechtes passiert. Ich weiß nicht, wie ich mit Rückschlägen umgegangen wäre.

Ist also doch alles nur Zufall?

Das meiste hat mit mir selbst gar nichts zu tun. Mein Timing war perfekt. Ich kam zur richtigen Zeit auf den Arbeitsmarkt, ich habe das Zeitungsgeschäft zur richtigen Zeit verlassen, ich kam zum New Yorker, als er gerade neu belebt wurde. Würde ich heute als Journalist beginnen – das wäre eine ganz andere Geschichte!

Haben Sie also niemals an Ihrem Erfolg gezweifelt?

Ich neige nicht zu Selbstzweifeln, meine Erwartungen waren aber auch nie besonders hoch. Als Kind wollte ich eines Tages einen interessanten Beruf haben – so wie meine Eltern. Die verdienten zwar nicht viel Geld, machten ihren Job aber gerne. Ich wollte einfach jeden Morgen aufwachen und glücklich sein, so wie meine Eltern.

Was bedeutet für Sie heute beruflicher Erfolg?

Dass der Job drei Dinge erfüllt: Er ist sinnvoll, abwechslungsreich und frei gestaltbar. Es muss einen Zusammenhang zwischen Anstrengung und Belohnung geben. Wenn das auf jemanden zutrifft, ist er für mich erfolgreich – egal, ob er 1000 oder eine Million Euro im Jahr verdient. Das Ziel der Gesellschaft sollte es sein, möglichst vielen Menschen eine solche Arbeit zu ermöglichen.

Machen Sie manchmal auch einfach gar nichts?

Nicht wirklich. Ich arbeite, weil ich es genieße. Spielt Tiger Woods etwa häufig gar kein Golf? Vielleicht nimmt er sich an Weihnachten mal eine Woche frei – aber er liebt diesen Sport, warum sollte er es dann sein lassen. So geht es mir auch: Arbeit bereitet mir großen Spaß – für mich wäre es eine Qual, es sein zu lassen.

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