
Man muss nicht mit dem Bundespräsidenten verheiratet sein, und es muss auch nicht gleich um eine angebliche Rotlichtvergangenheit gehen. Auch weniger prominente Menschen ohne politische Feinde, können schnell ihren guten Ruf gefährdet sehen, wenn im Internet Dinge stehen, die niemanden etwas angehen und womöglich auch noch falsch sind. Vor der Klage gegen google gibt es durchaus noch andere erfolgversprechende Maßnahmen zum Schutz des Rufes.
Dass andere Menschen unliebsames verbreiten, kann man zunächst nicht verhindern. Aber man selbst sollte es nicht tun. Die erste rufschützende Maßnahme ist daher im Internet dieselbe wie offline: Vorsicht. Schreiben Sie im Netz nichts, was gegen Sie verwendet werden könnte. Vor allem persönliche Äußerungen im Internet mit Bezug zum Beruf können ganz schnell fatal wirken. Für Vorgesetzte und Personalabteilungen sind unvorsichtige Posts missliebiger Mitarbeiter ein gefundenes Fressen. Wer hinausposaunt, dass er jetzt in Urlaub fährt, nachdem er gerade einen Krankenschein abgegeben hat, kann dafür fristlos entlassen werden. Die Webseite weknowwhatyouredoing.com fischt solche Faux Pas gezielt aus Facebook-Nachrichten – allerdings ohne Nachnamen. Mit diesem „Experiment“ will Seitenbetreiber Callum Haywood die Betroffenen aufrütteln: "… and we think, you should stop!" steht unter den Beispielen, verbunden mit dem Rat: "Wenn Du hier Posts von dir siehst und sie entfernen willst, lösche sie erst bei Facebook, dann werden sie hier nicht mehr erscheinen (nach etwa einer Stunde), oder kontaktiere mich, um jeden Post von Dir zu blockieren."

Die Suchmaschine von Google ist zur vielleicht wichtigsten Anlaufstelle bei der Informationssuche geworden. Daher weiß das Unternehmen auch, was seine Nutzer interessiert. Mit der Funktion "Google Instant" nutzt die Suchmaschine diese Informationen und schlägt automatisch Begriffe vor, die häufig zusammen mit dem jeweiligen Suchbegriff eingegeben werden. Das macht die Eingabe teils schneller und verrät darüber hinaus, was die Leute bei der Suche nach Top-Managern noch wissen wollen. "Gehalt", "Vermögen" und "Lebenslauf" sind die gängigsten Kombinationen aber auch für "Frau" oder "Töchter" interessieren sich viele. Bei einigen Wirtschaftslenkern verraten die Suchvorschläge aber auch interessante Details…
Texte: Oliver Voß

Der Google-Gründer Larry Page beispielsweise ging als Kind auf eine Montessori-Schule und ist damit einer der prominentesten Schüler dieser Erziehungsrichtung. Neben Kompagnon Sergey Brin, seinem Vermögen und der Email-Adresse wurde in der Vergangenheit daher oft in Verbindung mit Page nach "Montessori" gesucht. Seit einigen Wochen dominieren die Suchbegriffe "krank" und "Stimme". Im Juni 2012 ließ Page sich bei der Google-Hauptversammlung entschuldigen. Seine Stimme sei war. Foto: rtr

Beim RWE-Chef taucht „Alkohol“ als einer der prominentesten Suchvorschläge auf. Dabei ist Großmann kein Alkoholiker sondern der wohl prominenteste Abstinzler im DAX. Vor seinem Wechsel zum Energiekonzern versprach er seiner Frau nämlich, fast drei Jahre kein Alkohol zu trinken. Eigentlich wollte sie fünf Jahre Alkoholverzicht, dann einigten sich beide auf tausend Tage. Foto: dapd

Als Siemens-Chef wollte Klaus Kleinfeld seine Rolex verschwinden lassen, durch Google wird er sie nun nicht los. Nach seinem Amtsantritt ließ er auf einem Foto eine Rolex Modell Submariner Date, Listenpreis 3270 Euro wegretuschieren und lenkte damit erst recht die Aufmerksamkeit darauf. Mehr als fünf Jahre ist das nun her und Kleinfeld schon lange beim Alukonzern Alcoa, doch bei Google erscheint die Rolex weiter als erster Suchzusatz. Foto: rtr

Auf den ersten Blick sind die Vorschläge bei der Suche nach dem Adidas-Chef Managerstandard: Tochter, Vermögen, CV. Neben dem Geld genießen auch dessen potenzielle Erben generell ein hohes Interesse. Doch im Fall Hainer hat die hohe Platzierung der Tochter einen tragischen Hintergrund: Kathrin Hainer starb bereits kurz nach ihrem 23. Geburtstag an einer Lungenembolie. Foto: AP

Zum Chef der Deutschen Bank wird neben Lebenslauf und Wiki-Eintrag meist auch wieder nach Vermögen und Gehalt gesucht. Verdient hat Ackermann (links) 2010 laut "Forbes" übrigens 6,3 Millionen Euro. Sein voraussichtlicher Nachfolger Anshu Jain sogar 1,2 Millionen mehr. Bei dem Inder wird neben dem Geld nach Interviews gesucht und die Frage nach seinen "Deutsch"-Kenntnissen steht im Fokus. Sie wird auch einer der Knackpunkte dafür sein, ob und wie Jain die Deutsche Bank führen kann. Fotos: dapd, dpa

Auch wegen Herkunft und drohenden Sprachproblemen wurde Anshu Jain bei der Deutschen Bank ein zweiter Manager an die Seite gestellt, Jürgen Fitschen. Wer seinen Namen bei google eingibt, stößt neben den erwartbaren Presse-Artikeln auch schnell auf die Website www.hofheim-hauptstrasse.de, wo man erfährt, dass Fitschen in ebenjener Straße in ebenjenem Städtchen wohnt. Und man erfährt von der Existenz des Kunsthistorikers Jürgen Fitschen, der 2012 Geschäftsführer und Inhaber von „das kunstwerk - galerie | handlung | akademie“ in Stade wurde.
Foto: dpa

Namensdopplungen erschweren auch die Suche bei Frank Appel (links) und Peter Bauer. Post-Chef Appel kommt ein Eishockeyspieler in die Quere, dem Infineon-Chef die Peter-Bauer-Straße in Köln, sowie der Illustrator eines Katzenbuches – gegen Katzen kommt man im Internet freilich auch als Daxkonzernchef schwer an. Fotos: dpa

Der Microsoft-Chef ist vor allem live ein ganz besonderer Typ, kein Wunder dass die Leute ihn am liebsten ausrasten sehen. "Going crazy2 lautet der Topvorschlag und liefert 157.000 Ergebnisse, meist Videos in denen Ballmer schreiend über die Bühne tobt. Legendär auch, wie er um mehr Entwickler warb: "Developers, developers, developers", brüllt ein komplett durchgeschwitzter Ballmer. Sensationell. Entsprechend oft wird nach Ballmer und "Developers" gesucht. Foto: rtr
Die Suchmaschine von Google ist zur vielleicht wichtigsten Anlaufstelle bei der Informationssuche geworden. Daher weiß das Unternehmen auch, was seine Nutzer interessiert. Mit der Funktion "Google Instant" nutzt die Suchmaschine diese Informationen und schlägt automatisch Begriffe vor, die häufig zusammen mit dem jeweiligen Suchbegriff eingegeben werden. Das macht die Eingabe teils schneller und verrät darüber hinaus, was die Leute bei der Suche nach Top-Managern noch wissen wollen. "Gehalt", "Vermögen" und "Lebenslauf" sind die gängigsten Kombinationen aber auch für "Frau" oder "Töchter" interessieren sich viele. Bei einigen Wirtschaftslenkern verraten die Suchvorschläge aber auch interessante Details…
Texte: Oliver Voß
Einstellungen bei Facebook kontrollieren
Was Haywood tut ist weder illegal, noch besonders schwierig, sondern kann im Grunde auch jeder Personaler tun: Er greift auf Facebooks frei zugänglichen „Graph API“ zu. Das ist die Verbindung von angemeldeten Facebook-Nutzern untereinander und mit den Dingen (Bildern, Videos, Artikeln), die sie teilen wollen. Er verbindet aber auch Facebook mit der Außenwelt, vor allem mit Hilfe der der Like-Box, die dafür sorgt, dass jeder Nutzer, der sie auf einer angeschlossenen Website anklickt, dort andere, vor allem befreundete Nutzer mit seinem Foto begrüßt. Über den Graph API sind Facebook-Einträge, die als „öffentlich“ gekennzeichnet sind, auch von Nichtfreunden auffindbar.
Haywood, ein 18-jähriger Programmierer, rät auf seiner Seite daher: "Stelle sicher, dass Deine Privatsphäreeinstellungen bei Facebook ausreichend sind. Veröffentliche zum Beispiel keine Statusmeldungen mit möglicherweise riskantem Material als 'öffentlich', weil sie dann mit großer Wahrscheinlichkeit im Graph API erscheinen." Das Problem, so Haywood liege nicht bei Facebook selbst. "Wenn sie richtig genutzt werden, funktionieren die Privatheitskontrollen sehr gut", schreibt er. Das Problem sei vielmehr, dass die Leute einfach nicht die Risiken verstehen, wenn sie alles mit dem Rest der Welt teilen.
Einfach löschen geht nicht
Während man es bei Facebook-Einträgen selbst in der Hand hat, peinliche Informationen zu löschen, wird es deutlich schwieriger und vor allem teuer, wenn die rufschädigenden Details auf anderen Seiten erscheinen. "Einfach löschen geht da meist nicht", sagt Jannis Ritterspach, Geschäftsführer der Xava media GmbH. Sie betreibt die Website reputation-manager.de. Ihre Dienstleistung besteht zum einen darin, die Treffer in Google und anderen Suchmaschinen so zu verändern, dass positive Dinge zuerst erscheinen. "Aber so eine Suchmaschinenoptimierung ist sehr aufwendig und kostet viel Geld. Das kommt für normale Arbeitnehmer kaum in Frage", sagt Ritterpach. Seine Kunden sind vor allem Unternehmen oder auch schon mal vermögende Privatpersonen.
- Seite 1: Reputationsmanager schützen den Ruf im Netz
- Seite 2: Web-Killer und Revolvermänner



























