
Nicht erst bei der Arbeit spielt die mobile Verfügbarkeit des Internets eine immer größere Rolle. Auch die Suche nach einem neuen Job findet für immer mehr Menschen nicht am PC statt - und schon gar nicht mit der Zeitung - sondern mit dem Smartphone in der Hand. Etwa ein Viertel der Arbeitnehmer nutzt bereits ein mobiles Endgerät zur Suche nach offenen Stellen. Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen Studie "Bewerbungspraxis 2012", die die Universitäten Bamberg und Frankfurt alljährlich mit rund 10.000 Stellensuchenden und Karriere-Interessierten durchführen.
Mehr als die Hälfte der Befragten finden es gut, wenn Internet-Stellenbörsen und Online-Karriereportale Applikationen (Apps) für mobile Endgeräte anbieten, über die nach offenen Stellen gesucht werden kann. 46,5 Prozent begrüßen zudem ein entsprechendes Angebot von Unternehmen. „Die private Verbreitung von Smartphones ändert auch das Suchverhalten von Bewerbern", sagt Tim Weitzel, Autor der Studie und Professor für Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen an der Universität Bamberg. Dadurch verändern sich auch die Erwartungen an Webseiten und nicht zuletzt an die Antwortzeiten der Unternehmen, meint Weitzel. Wenn Arbeitgeber sich zu lange Zeit lassen, einem geeigneten Bewerber zu antworten, hat der sich womöglich längst für einen anderen entschieden.
Der Wille zum Wechseln ist ungebrochen hoch
Die Verbesserung ihrer Sichtbarkeit und Attraktivität für Arbeitssuchende wird für Unternehmen immer wichtiger, da die Wechselfreudigkeit der Angestellten ungebrochen ist. Drei von zehn Studienteilnehmern planen ihren aktuellen Arbeitsvertrag in den nächsten Monaten zu kündigen. Mehr als die Hälfte wird sich in nächster Zeit nach einem neuen Arbeitsplatz bei einem anderen Arbeitgeber umsehen. Vier von zehn Stellensuchenden halten vor dem Hintergrund der derzeitigen Arbeitsmarktlage ihre Aussichten für erfolgsversprechend, was einem Anstieg von 10,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Drei von zehn Stellensuchenden sehen zudem große Chancen, den individuellen Traumjob zu finden. Diejenigen, die Wirtschaftsinformatik studiert haben, beurteilen den Arbeitsmarkt und die individuellen Aussicht auf einen zufriedenstellen Arbeitsplatz im Vergleich zu anderen Studienrichtungen am optimistischsten.
Bild: FotoliaDie Stellenbeschreibung
Sie bewerben sich auf eine Stelle mit Assistentenfunktion beziehungsweise eine Stelle mit enger Zusammenarbeit mit dem Management? Dann stellen Sie sich darauf ein, den anderen den Rücken freizuhalten - und mehr nicht.
Bild: FotoliaIhr Profil
Gesucht werden Mitarbeiter, die dynamisch und flexibel, kommunikativ, teamfähig und belastbar sind. Darunter verstehen der zukünftige Arbeitgeber sowie der Bewerber im besten Fall beide gar nichts, im schlechtesten Fall komplett unterschiedliche Dinge. Der belastbare Mitarbeiter kann zwar körperlich anpacken, hält aber Stress nicht aus, die dynamische Kollegin arbeitet schnell, ist aber menschlich eine Schlaftablette, teamfähig ist der Neue nur, wenn er das Team anführen darf und so weiter.
Eine gute Stellenausschreibung sagt konkret, wen sie sucht und lässt keine Mehrfachdeutungen zu.
Bild: dpaEinsatzbereitschaft
Der neue Mitarbeiter sollte außerdem außergewöhnlichen Einsatz mitbringen. Wer das in einer Ausschreibung so betont, verwechselt Engagement mit Überstunden und Stress.
Bild: FotoliaArbeitsweise
Gefragt sind außerdem selbstständiges Arbeiten und Entscheidungsstärke. Wenn nicht gerade jemand gesucht wird, der in einem jungen Unternehmen eine neue Abteilung aufbaut, könnte diese Phrase auch bedeuten, dass es im Betrieb an eindeutigen Vorgaben mangelt und jeder zusehen muss, was und wie er arbeitet.
Bild: FotoliaVerantwortungsbewusstsein
Einen Mangel an Strukturen und Vorgaben verstecken Unternehmen auch gern hinter schwammigen Formulierungen wie "Unternehmerisches Denken gewünscht" oder "Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen". Im schlimmsten Fall kann das bedeuten: Mach deine Arbeit, wie du denkst - aber wehe, das Ergebnis stimmt nicht.
Bild: FotoliaArbeitsumfeld
Sie bewerben sich auf eine Stelle in einem sehr dynamischen Arbeitsumfeld. Richtig klar wird auch hier nicht, was gemeint ist. Entweder herrscht bei den Mitarbeitern eine hohe Fluktuation oder Sie müssen sich täglich um neue Aufgaben kümmern.
Bild: FotoliaGleichberechtigung
Im neuen Betrieb sind alle gleichberechtigt, es herrschen flache Hierarchien. Klingt nett, kann aber auch heißen, dass niemand Verantwortung übernimmt oder sagt, wo es lang geht.
Bild: FotoliaTeamstärke
Dafür wird das Team als überschaubar oder klein dargestellt. Vorteil: Sie müssen sich nicht an zu viele neue Gesichter gewöhnen. Nachteil: Sie können schnell zum Mädchen für alles werden.
Bild: FotoliaAufstiegsmöglichkeiten
Wenn schon in der Ausschreibung für die Praktikantenstelle auf gute Aufstiegsmöglichkeiten hingewiesen wird, können Sie wahrscheinlich tatsächlich nach kurzer Zeit Verantwortung übernehmen. Entweder, weil keine fähigen Leute im Unternehmen arbeiten oder die Fluktuation so hoch ist.
Bild: FotoliaBezahlung
Ebenso schwammig ist die Phrase von der überdurchschnittlichen Bezahlung. Liegt die Bezahlung oberhalb des Bundesdurchschnitts? Oder bekommt der Vertriebler in München mehr als der Durchschnittsvertriebler in Bayern oder mehr als alle anderen in München? Selbst die Floskel übertarifliche Bezahlung sagt noch nicht darüber, wie weit über Tarif gezahlt wird.
Auch das leistungsgerechte Gehalt klingt im ersten Augenblick besser, als es nachher ist. Zumindest hinterlässt das Wort "leistungsgerecht" den Eindruck, das Unternehmen zahlt nur für Ergebnisse.
Die Stellenbeschreibung
Sie bewerben sich auf eine Stelle mit Assistentenfunktion beziehungsweise eine Stelle mit enger Zusammenarbeit mit dem Management? Dann stellen Sie sich darauf ein, den anderen den Rücken freizuhalten - und mehr nicht.
Gesucht wird vor allem auf Internet-Stellenbörsen
61,6 Prozent der Befragten nutzen vor allem Internet-Stellenbörsen zur Suche nach potenziellen Arbeitgebern und offenen Stellen. Mit deutlichem Abstand folgen Unternehmens-Webseiten und Karrierenetzwerke. Stellenanzeigen in Printmedien dagegen verlieren weiter an Bedeutung. Sie werden zum ersten Mal seit Beginn der Studienreihe vor sieben Jahren von weniger als einem Viertel der Befragten häufig genutzt.
Bedeutung von Social Media steigt
Generell beurteilen 26,3 Prozent Social-Media-Anwendungen für die Rekrutierung als positiv. In einer segmentspezifischen Auswertung wird deutlich, dass vor allem Studenten und diejenigen, die im Personalwesen, Marketing, IT/EDV oder Consulting/Beratung tätig sind, Social-Media-Anwendungen positiv bewerten und entsprechende Anwendungen häufiger nutzen. So finden es generell 32,9 Prozent der Studienteilnehmer gut, wenn Unternehmen eine Fanpage bei Facebook zur Kommunikation und Verbreitung von Karrierethemen nutzen. 15,6 Prozent begrüßen eine entsprechende Nutzung von Twitter und 68,9 Prozent, wenn Unternehmen über Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn nach Kandidaten suchen.























