Bewerbung: Job mit Hindernis

Bewerbung: Job mit Hindernis

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Bewerbung und zum Vorstellungsgespräch für Behinderte.

Wer berät behinderte Uni-Absolventen auf Jobsuche?

Jede örtliche Agentur für Arbeit hat spezielle Berater für Behinderte. Zusätzlich kümmert sich die ZAV in Bonn um die Vermittlung von behinderten Fach- und Führungskräften. Hier sollten sich in erster Linie behinderte Akademiker melden. Die ZAV gibt auch ein Handbuch mit Tipps für behinderte Bewerber heraus.

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Muss ich meine Behinderung in der Bewerbung erwähnen?

Juristisch sind Bewerber dazu nicht gezwungen. Bei nicht sichtbaren Einschränkungen, etwa einem Herzfehler, sollte deshalb genau abgewogen werden, ob man das Handicap schon in der Bewerbung anspricht. Deutlich sichtbare Behinderungen oder solche, die einen Umbau am Arbeitsplatzes nötig machen, sollten dagegen erwähnt werden.

Wie spreche ich meine Behinderung in der Bewerbung am geschicktesten an?

Der Arbeitgeber interessiert sich in der Regel nicht für exakte Diagnosen oder den genauen Grad der Behinderung. Dafür will er wissen: Gibt es Beeinträchtigungen in der Leistungsfähigkeit? Wenn ja, wie können diese ausgeglichen werden? Wichtig ist dann die Wortwahl: Kaum ein Abteilungsleiter kennt den formalen Unterschied zwischen behindert und schwerbehindert. Letzteres klingt für ihn aber deutlich problematischer. Unglücklich sind deshalb Formulierungen wie „Ich bin schwerbehindert, mein Grad der Behinderung beträgt 100 Prozent.“ Das führt zur Fehleinschätzung, dass die Arbeitsleistung bei null Prozent liegt. Erfolgreicher sind deshalb Wendungen, die die Sorgen des Arbeitgebers bereits entkräften, etwa: „Möglicherweise interessiert Sie, dass ich als schwerbehindert gelte. Ich bin Bluter. Im Studium und bei verschiedenen Aushilfstätigkeiten, mit denen ich mein Studium finanziert habe, hatte das aber keine Auswirkungen.“

Wie baue ich meine Bewerbung auf?

Wie bei jeder guten Bewerbung stehen am Anfang von Anschreiben und Lebenslauf die fachlichen Qualifikationen. Die Behinderung darf dabei jedoch nicht zum roten Faden werden. Eher sollten Sie aus der vermeintlichen Not eine Tugend machen: Viele Behinderte haben durch ihr Handicap schließlich Kompetenzen erworben, die im Berufsleben nützlich sein können: Belastbarkeit, Flexibilität, Einfühlungsvermögen. Das sollte selbstbewusst dargestellt werden. Sinnvoll kann zudem eine sogenannte dritte Seite sein, auf der kompakt alle relevanten Informationen zur Erkrankung oder der Behinderung zusammengefasst werden. Achten Sie aber auf eine positive Sprache und weisen sie auch auf externe Finanzierungsmöglichkeiten hin.

Wie bereite ich mich auf das Vorstellungsgespräch vor?

Suchen Sie frühzeitig Kontakt zum Schwerbehindertenvertreter, der Sie über den üblichen Ablauf des Gesprächs informiert. Rollstuhlfahrer sollten zudem rechtzeitig ein passendes Outfit suchen, denn gewöhnliche Anzüge werfen zum Beispiel im Rücken Falten. Blinde sollten üben, sich ihrem Gesprächspartner zuzuwenden. Und Gehörlose müssen darauf achten, dass beim Gespräch die Lichtverhältnisse günstig sind, damit sie die Lippen gut ablesen können. Auch hierbei hilft der Schwerbehindertenvertreter im Vorfeld.

Wie reagiere ich, wenn ich im Gespräch auf meine Behinderung angesprochen werde?

Arbeitgeber dürfen Bewerber in aller Regel nicht nach Behinderungen oder Krankheiten fragen. Im eigenen Interesse sollten Behinderte ihr Handicap aber von sich aus ansprechen. Klären Sie sachlich, wie sehr Sie eingeschränkt sind und welche Auswirkungen eine Jobzusage hätte. Sind zum Beispiel Umbauten notwendig? Erwähnen Sie dabei unbedingt, dass die Begutachtung sowie anfallende Kosten von der Arbeitsagentur oder den Integrationsämtern übernommen werden können.

Stimmt es, dass Behinderte unkündbar sind?

In der Probezeit sind auch Behinderte regulär kündbar, danach stehen sie unter einem besonderen Kündigungsschutz: Die Integrationsämter müssen der Kündigung zustimmen, sonst ist sie unwirksam. Diese Regelung greift nach sechs Monaten. Kündigungen sind danach immer noch möglich, dürfen aber nicht in der Behinderung begründet sein. Betriebsbedingte Kündigungen aber treffen behinderte und nicht behinderte Mitarbeiter gleichermaßen.

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